Irren ist menschlich – Yoga bei psychischen Problemen

Yoga bei psychischen Problemen - Einzelsitzung in der Yogatherapie

Depressionen, Essstörungen, Ängste, Sucht, Trauma – man könnte meinen: die Abgründe der Menschheit. Die hässliche Seite, die keiner sehen will und die man auch eigentlich nur vom Hörensagen kennt. Yoga kann dann bei solchen und ähnlichen psychischen Problemen helfen.

von Lena Sundari Kuhlmann

In jedem steckt eine Geschichte

Die Wahrheit ist, dass diese Phänomene in allen Menschen stecken, dass jeder zumindest eine Nuance eines solchen psychischen Problems kennt. Vielleicht nicht alle Probleme und vielleicht auch nicht gleich in krankhafter Form. Aber viele haben schon einmal so etwas wie eine melancholische Phase oder ein nicht-aufhören wollendes Gedankenkreisen erlebt – und damit einen Vorgeschmack einer Depression.

Oder die Tendenz mit zu viel Essen Emotionen wegzumachen oder mit zu wenig sich und sein Leben kontrollieren zu wollen. Oder die Starre einer tief sitzenden Angst, die einen fast handlungsunfähig macht. Oder das Erleben ohne etwas Bestimmtes nicht mehr leben zu können – eine Sache, eine Handlung, ein Gefühl, ein Mensch – und damit das Gefühl einer Sucht.

Heilsamer Austausch in der Gruppe

Yoga bei psychischen Problemen - Auf die Gruppenarbeit kommt es an

So ergeht es auch den Teilnehmer/innen der Woche Yoga bei psychischen Problemen, Teil der Gesamtausbildung psychologische Yogatherapie. Eigentlich geht es hier darum, wie Yoga anderen Menschen helfen kann, Menschen mit psychischen Problemen. Doch auch die Teilnehmer:innen selbst haben ihre eigenen Erfahrungen. Geschichten, Krisen, Erlebnisse und Phasen im Leben.

Manche kommen schon mit dem Bewusstsein, z.B. in ihrer Jugendzeit eine Essstörung gehabt zu haben. Anderen wird dies erst im Verlauf der Woche bewusst. Manche kommen z.B. mit dem Wissen, dass ihr Partner an einer Sucht leidet.

Andere merken in der Woche, dass ein Freund genau solche Symptome zeigt. So kommen unverarbeitete Teile und ebenso reflektierte Themen zusammen. Und vor allem kommen Menschen zusammen mit eigenen Geschichten und mit viel Mitgefühl – Menschen, die mitten im Leben stehen.

Ein Tag, eine Krankheit

Menschen, die in dieser Woche ihre Sensibilität und Empathie für psychische Probleme erhöhen und so noch ein Stück mehr ins Leben hineinkommen. Die Woche widmet jeder Störung einen ganzen Tag. Auf Grundlage des ICD-10 – das Krankheits-Glossar als Orientierungswerk für alle Ärzt:innen und Therapeut:innen – werden Krankheitsbild, Symptome, Diagnostik und mögliche Interventionen besprochen.

Das klingt theoretisch, doch dabei bleibt es nicht. Durch die lebhafte und lebensnahe Auseinandersetzung mit den Störungen, wird auch das Innere eines/r jede Teilnehmers/in angerüttelt. Fast automatisch sucht ein:e jede:r nach vergleichbaren eigenen Erlebnissen oder Empfindungen. Einige Teilnehmer:innen teilen diese mit der Gruppe. Auch Shivakami, Leiterin der Ausbildung, berichtet von Menschen und Geschichten, die ihr in ihrem Therapiezimmer begegnet sind.

Den Heilungsprozess von psychischen Problemen mit Yoga unterstützen

Durch die Offenheit und Betroffenheit der Gruppe kann jede:r wieder selbst erleben: Diese Anteile stecken in jeder/m. Auch darüber hinaus ist dies ein sehr wertvoller Prozess. Denn nur so können die angehenden Therapeut:innen wirklich verstehen und nachempfinden, wie es einem Menschen mit einem spezifischen psychischen Problem geht.

Auf dieser Basis wird mögliche Hilfe aus dem Yoga besprochen. Denn der Grundsatz bei diesen schweren psychischen Problemen ist: Sie sollten in jedem Fall von einem/r Arzt/Ärztin oder Psychotherapeuten/in behandelt werden. Dann können Yogatherapeut: innen wunderbar ergänzend mit Hatha Yoga den Heilungsprozess unterstützen.

Hilfe bei Angst und Depressionen

Und das auf sehr spezifische und vielfältige Weise: Bei dem Thema Angst beispielsweise geht es vor allem darum, den Menschen in die Entspannung zu bringen. Denn wo Entspannung ist, da kann keine Angst sein. Übungen und Asanas, die erden, Raum und Weite schaffen, Halt geben und auch ein insgesamt sehr langsames Üben sind in diesem Fall besonders wirkungsvoll.

Bei Depression steht eher das Bedürfnis nach sich selbst spüren im Vordergrund. Die Freude daran, seinen eigenen Körper wahrzunehmen, sollte hier gestärkt werden. Dafür kann es auch mal dynamisch und anspannend sein, um sich zum Beispiel auch über die eigenen Muskeln zu spüren. Die Anspannung immer wieder in Verbindung mit Entspannung kann zudem den natürlichen Fluss von An- und Entspannung, Freud und Leid, Höhen und Tiefen wieder herstellen.

Auch der Atem ist ein wertvolles Instrument, um die innere Fülle wieder zu spüren. Je besser der/die Yogatherapeut:in seine:n Klient:in oder Gruppe kennen lernt, umso mehr kann hier auch individualisiert und intensiviert werden.

Wie Yoga bei psychischen Problemen helfen kann

Yoga bei psychischen Problemen - Einzelsitzung in der Yogatherapie

Neben der theoretischen Besprechung der Problembilder und dem Teilen der individuellen Erfahrungen,
erleben die Yogatherapeut:innen in Ausbildung auch die dazu passende Praxis. Jeden Tag gibt es eine
Yogapraxis auf ein anderes psychisches Problem angepasst. Die Schüler:innen haben die Möglichkeit
sich in das Problem hineinzufühlen, zu versteh