Der Yoga Jesus Christus – Selig sind die Barmherzigen

Darstellung von Jesus - Wie ähnlich ist seine Lehre dem Yoga?
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Denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Kann man die Lehren Jesu als Yoga bezeichnen? Und wenn ja: Welchen Yoga hat Jesus gelehrt? Spannende Einsichten des Yogis Sukadev zu den Gemeinsamkeiten von Christus Lehren und der unterschiedlichen Yogawege.

Dieser Kurzvortrag gehört zum “Yoga und Meditation Vortrag” Podcast. Wer lieber liest, kann sich weiter unten die verschriftliche Version des Beitrages mit hilfeichen Ergänzungen durchlesen. Amen.

Ein verschriftlicher und ergänzter Beitrag von Sukadev

Yoga – Uralt und vielfältig

Vereinigung, Verbindung, Einheit und Harmonie. Das im Sanskrit wurzelnde Wort “Yoga” hat viele Bedeutungen. Dahinter steht nicht nur die über 5000 Jahre alte indische Philosophie von Vedanta und Samkhya, sondern auch ein praktisches Übungssystem. Yoga, so der Gedanke, kann nicht nur intelektuell begriffen werden.

Vielmehr gibt es viele unterschiedliche Werkzeuge im Yoga. Diese Yogawege verlaufen teilweise völlig unterschiedlich voneinander, haben alle ihre eigenen spirituellen Techniken, Schriften und Denker. So lehrt der Yogastil des Sivananda Yoga (Tradition des Yoga Vidya Stils) ganze 6 Yogawege:

Dennoch gilt, dass viele Wege nach Rom führen. Alle Yogawege zielen letztendlich darauf ab, die Selbstverwirklichung zu erreichen. Dahinter steht der Gedanke, sich letztendlich mit Gott zu vereinigen.

Gemeinsamkeiten von Jesus Christus Lehre und Yoga

Selbst Yogis mit wenigen Kenntnissen vom Christentum mögen auf den ersten Blicke so einige Gemeinsamkeiten der Lehre Jesus und dem des indischen Yogas auffallen.

Jnana Yoga – Jesus in Einheit mit Gott

Die Ähnlichkeiten beginnen schon in der Philosophie. So sagt Jesus nicht nur, dass ein Gott existiert. Vielmehr sei er selbst eins mit seinem Gottvater. Darüberhinaus sei Gott nicht begrenzt, sondern der göttliche Kern wohne im Inneren jedes einzelnen von Gottes Kindern.

Aham Brahmasmi – Ich bin Brahman

Auch im Jnana Yoga geht man von einem allumfassenden Gott aus, Brahman, die alles durchdringende Wirklichkeit. Nicht umsonst kennen Yogis den Spruch “Aham Brahmasmi“, was sinngleich “Ich bin Brahman” bedeutet. Diese Affirmation stammt aus der vedantischen Schrift der Upanishaden. Und auch das Konzept des Atman postuliert die göttliche Seele in jedem einzelnen Lebewesen.

Bhakti Yoga – Liebe Gott über alle Maßen

Besonders bezeichnend sind die Gemeinsamkeiten der Christus Lehre mit dem Bhakti Yoga. Das ist der Yogaweg der Hingabe zu Gott. So wandte sich Jesus auch in schweren Zeiten an Gott. Exemplarisch steht dafür die Bitte kurz vor seiner Kreuzigung, dass “dieser Becher an ihm vorübergehen solle”.

Darstellung von Jesus - Wie ähnlich ist seine Lehre dem Yoga?
Darstellung von Jesus

Doch soll Gott nicht nur in Stunden großer Not gesucht werden. So predigte Jesus :”Liebe Gott über alle Maßen”, also jeden Tag, jede Stunde. Wenn man ihn fragte, was die Essenz der Religion ist, so antwortete er, der Kern sei die Liebe zu Gott. Dabei zähle vor allen Dingen die Einstellung. Vertrauen und Ehrfurcht in allen Dingen, seien demzufolge wichtiger, als die die Form, die spirituellen Regeln und Vorschriften, mit denen Gottesliebe ausgedrückt werden soll. Die Regeln sind für den Menschen da, nicht umgekehrt.

Karma Yoga – Liebe deinen Nächsten

Daneben war Jesus aus yogischer Sicht ein außerordentlicher Karma Yogi. Schon in der Tora hieß es “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst”. Durch Jesus wurde es zu einem der zentralen Motive im Christentum. Diesen Anspruch setzte er dabei durch uneigennütziges Dienen am Menschen ganz praktisch um. Noch heute gilt die Kreuzigung als machtvolles Sinnbild dafür, dass Jesus die Sünden der Menschen auf sich genommen hat.

Im Vedanta wird der Gedanke des Karma Yoga insbesondere in der Bhagavad Gita erläutert, eine der wichtigsten Yoga-Schriften. Dort wird ein ganzes Kapitel den Erläuterungen Krishnas zum Karma Yoga gewidmet. Im Unterschied zu der Lehre Jesu, wird Karma Yoga jedoch als Pflichtethik betrachtet, also gemäß seinem Dharma zu handeln. Auch im Buddhismus wird das Thema der Nächstenliebe eher nüchtern betrachtet, im Jainismus hingegen gilt vor allen Dingen das Ideal der Gewaltlosigkeit im Handeln. Beide Strömungen haben ihre Wurzeln im Hinduismus.

Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

„Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“, heißt es dann auch bei Matthäus. Dieser Ausspruch verdeutlicht: Liebe deinen Nächsten und du liebst damit Gott. Dabei spielt bei Jesus auch die Verhaftungslosigkeit im Sinne des Karma Yogas eine große Rolle. Sinngemäß soll der Yogi nicht den Früchten seines Handelns nachhängen. Und auch Jesus sagte:”„Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Raja Yoga – Achte auf deine Gedanken

Schließlich deuten sich auch Züge des Raja Yoga in Jesus Worten an. Dabei geht es um die Beherschung unseres Geistes und