Bloß kein Stress: Wie ich Shavasana entdeckte

Auf welche Asana würdest du am ehesten verzichten, wenn es eilt? Ich weiß. Diese Frage kommt bestenfalls gar nicht erst auf. Allerdings ist das Interesse an effizienten 20- oder besser 10-Minuten-Yoga-Reihen sogar im Ashram groß. Nun ja, auch in einem Yoga Zentrum gibt es viel zu tun. Eh man sich’s versieht, findet man sich an Feiertagen wie diesen auf den sonst so ruhigen Fluren zwischen 200 neu eingetrudelten Gästen und den Kondensstreifen eilender Sevaka wieder.

Wann soll man da bloß noch in aller Ruhe Yoga üben? „Morgens um vier“, lächeln die fortgeschrittenen Aspiranten. Andere lächeln weniger und murmeln verlegen etwas von „später“. Und wieder andere schaffen es,  sich auch in vollen Zeiten Raum für ihre ausgeklügelte 20-Minuten-Reihe abzuknapsen.

Ich persönlich habe ja immer zu den sturen Yoga-Aspiranten gehört, die auf keine heiß geliebte Körperdrehung verzichten mögen und die deswegen einfach erst wieder auf die Uhr gucken, wenn auch die letzte Asana aus der Rishikesh Reihe heldenhaft vollbracht ist. Herrlich, an dem Punkt fühle ich mich leicht mal energiegeladen genug, um die Arbeit für drei zu tun. Da erübrigt sich die Frage, woran man am ehesten sparen würde. Tiefenentspannung? Ich habe doch schon die ganze Nacht geschlafen! So ließ ich das untätige Rumliegen sausen und stürzte mich volle Kraft voraus ins Leben. Manche Erfahrungen muss man eben selber machen…

Neulich las ich in einem Online-Artikel über den Sinn von Tiefenentspannung: „Die Tiefenentspannung sollte nach dem Yoga nie fehlen. Sonst kann die erweckte Energie in Unruhe und Nervosität umschlagen.“  Prompt ging mir ein Licht auf. Vor lauter Stress ausgerechnet auf die Tiefenentspannung zu verzichten ist eine, gelinde gesagt, kontraproduktive Idee. Wer hätte gedacht, dass erst ein unauffälliger Beitrag aus der Google-Welt das bewirken würde,  was mir einige erfahrenen Yogalehrer(innen) vorher vergeblich zu vermitteln versucht hatten.  Auf einmal dämmerte mir auch, warum langjährige Yogis gerne warnen, dass falsch geübtes Yoga gefährlich werden kann.

Was nützt einem die viele neue Energie, wenn man sie nicht ins eigene Leben einbauen oder sinnvoll weitergeben kann? Durch Yoga immer neue Energien schöpfen und dann hartnäckig dem alten ‚Gib-immer-alles-und-sofort“-Pfad zu folgen – so hatten sich das die alten Meister nicht gedacht. Siehe da:Seit ich mir für die Tiefenentspannung nach den Asanas, wieder Zeit und innere Ruhe gönne, kann ich auch wieder in aller Ruhe durch die Flure gehen, mit Nachbarn reden, meine Arbeit erledigen und sogar zwischendurch ganz entspannt eine Tasse Yogitee trinken, ohne innerlich in Stress zu geraten. Und als netter kleiner Nebeneffekt hat sich das dringende Bedürfnis nach der täglichen Tasse Kaffee mit der Wiederbelebung von Shavasana in Luft aufgelöst.

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Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

5 Kommentare zu “Bloß kein Stress: Wie ich Shavasana entdeckte

  1. Hallo Dieta,

    Dein Artikel hat mich überzeugt.
    Ich werde künftig eine Tiefenentspannung an meine tägliche Übungsreihe anhängen.

    Om Shanti

    Peter

  2. Jaaaaaa! Mehr kann ich da gar nicht dazu schreiben. Der Artikel spricht mir aus der Seele, und wenn ich die obigen Kommentare lese, dan bin ich nicht die einzige, die ähnliche Themen hat. 😉
    Also wirklich: Danke

  3. Es tut gut, zu wissen, dass es anderen genau so geht wie einem selbst 🙂

  4. Vielen Dank für diesen Artikel, der spricht mir sooooo aus dem Herzen und ich habe den genau gleichen Prozess am Laufen!

  5. in letzter Zeit lese ich kaum im Internet, aber dieses habe ich mal wieder rausgepickt und finde die „Geschichten rund um Shavasana“ wieder: suuuper!
    Gruß
    Heike

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