Das Denken vor dem Sein

Vor dem Sein, ist meistens das Sein im Denken. Ich habe gelernt zu denken, zu urteilen, zu analysieren, abzuwägen. Ein Ziel zu verfolgen, etwas zu erzwingen, weil ich es will, doch das ist nicht das, was das Göttliche von mir will. Jedenfalls meistens.

Das Göttliche will, dass ich glücklich bin, dass ich frei bin, dass ich sein kann im Fluss des Lebens. Doch oftmals sind meine Wünsche meinem Denken entsprungen. Natürlich kann ich mich von Anderen inspirieren lassen und doch ist mein Lebensweg, ganz individuell.

Da gibt es Rockstars, SchriftstellerInnen, die ich toll finde und ich kann ihnen nacheifern, aber in meinem Leben gibt es nur meinen ganz individuellen Weg. Paulo Coelho schreibt in seinem Roman „Der Alchimist“ von der Weltenseele, die, wenn wir unseren ganz eigenen Wünschen folgen, uns mit Hilfe von Zeichen führt.

Ich habe zum Beispiel einmal, als das Coronavirus gerade begann sich auszubreiten, in einem Auto gesessen und wollte zu einer Fußgängerzone fahren, um zu flanieren, es gab mehrere Orte in die ich hätte fahren können. Da gab es plötzlich einen Regenschauer und ich sah einen Regenbogen, dessen Ende ganz nah sein musste.

Ich hatte noch nie das Ende eines Regenbogens gesehen. So fuhr ich mit dem Auto zu einem Schulgelände hinter dem ein Feld war, wo das Ende des Regenbogens zu sehen sein musste. Ich war ganz fasziniert davon, von dem gelb des Regenbogens insbesondere.

Während ich so im Auto saß und das Ende des Regenbogens betrachtete, schaute ich auf die Uhr und die digitale Anzeige zeigte mir 17:17 an. Ich deutete es nicht gleich als ein Zeichen der sogenannten Weltenseele, aber dann ging plötzlich das Radio an und es liefen die Nachrichten, in denen wurde von Schul- und Universitätsschließungen berichtet und von dem Coronavirus, und so entschloss ich mich nicht in eine Stadt zu fahren, um in der Fußgängerzone zu flanieren. Zu dieser Zeit gab es noch keine Masken.

Ich glaube es war genau das Richtige nicht zu fahren, denn ein paar Tage später wurde ich sehr heftig krank. Ich weiß zwar nicht genau, ob es der Coronavirus war, an dem ich erkrankt war, doch da meine Hausmitbewohnerin kurz danach auch krank und positiv getestet wurde, gehe ich davon aus. Wäre ich nun in eine Stadt gefahren, hätte ich vielleicht andere Menschen angesteckt.

Für mich war das ein Zeichen des Göttlichen oder der Weltenseele, wie es im Alchimisten so schön heißt. Mein vernunftgesteuertes Denken hätte mich in meiner Entscheidung wahrscheinlich dazu gebracht, einfach trotzdem in eine Fußgängerzone zu fahren, doch die Zeichen brachten mich dazu, dies nicht zu tun und das war für mich jetzt im Nachhinein, das Beste, was ich hätte tun können, da ich jetzt die Zukunft von diesem Moment kenne.

Das angelernte Denken kann uns blockieren. Es kann dazu führen, dass unser Geist gar nicht zur Ruhe findet oder wir falsche Entscheidungen treffen. Doch natürlich kann das Denken auch sehr nützlich sein. Das Patanjali Mantra kann hier reinigend wirken, wenn wir es chanten oder rezitieren. Es reinigt unseren Geist von dem Leid uns mit unserem Leid zu identifizieren und führt uns zum wirklichen Selbst, das aus reinem Gewahrsein besteht. Wir werden gereinigt von egoistischen Motiven und können uns frei davon in der Welt bewegen und dort leben und handeln.

Patanjali Mantra

yogena cittasya padena vācāṁmalaṁ śarīrasya ca vaidyakena |yo’pākarot taṁ pravaraṁ munīnāṁpatanjaliṁ prānjalir ānato’smi ||ābāhu puruṣākāraṁśaṅkhacakrāsi dhāriṇam |sahasra śirasaṁ śvetaṁpraṇamāmi patañjalim ||hariḥ oṁ

Übersetzung: Ich verneige mich mit gefalteten Händen vor Patañjali, dem höchsten Weisen, der die Unreinheiten des Geistes durch den Yoga, die Unreinheiten der Sprache durch die Grammatik und die Unreinheiten des Körpers durch die Medizin beseitigte. Ihn dessen Oberkörper menschliche Gestalt hat, der ein Muschelhorn und einen Diskus trägt, der weiß ist und tausend Köpfe besitzt, diesen Patañjali verehre ich.

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