Hatha-Yoga (12): Schulterstand

Macht das Leben mal wieder völlig ungeplante Quantensprünge? Da hilft: Stärke zeigen, gelassen bleiben und auf die inneren Eingebung vertrauen.

Der Schulterstand ist eine der Asanas, die erleuchtete Yogis gerne fünf oder gar zehn Minuten halten. Vollkommen entspannt und versunken in tiefer Meditation. Dabei legen sie dann noch die Arme locker an die Körperseiten und stehen so in aller Seelenruhe auf den Schultern – allein durch Körper- und Rückenkraft. So harmonisieren sie die Schilddrüse und stärken die inneren Organe. Für Otto-Normal-Yogi ist das meistens Utopie. Ein Glück, dass die Essenz dieser Asana auch nach ein oder zwei Minuten die gleiche bleibt: Bleib aufrecht, konzentriert und gelassen, ganz egal, wie die Welt sich dreht. Sei mutig und schau dir dein Leben an. Verschaff dir in aller Seelenruhe und Aufrichtigkeit Klarheit über deine  Ziele und Herausforderungen.

Ach ja, das klingt schön. Wenn man bloß so stark und klar wäre, dass man jederzeit so viel Ruhe und innere Stärke aufbrächte. Unterdessen zieht am Horizont das nächste Tief heran, prompt versinken Kraft und Klarheit wieder in den Niederungen der Psyche. Jetzt heißt es: Kopf, oder besser gesagt, Füße hoch. Der Yoga-Weg zum Selbst ist oft recht kurvig und steinig. Aber mal ehrlich: Gibt es etwas Erhebenderes als eine steinige Bergwanderung, die einen nach viel Keuchen und Stöhnen mit atemberaubender Schönheit und kilometerweitem Ausblick belohnt? Am Ende steht man dann ganz bewegt auf dem Gipfel und findet keine Worte.

Das ist natürlich ein gewagter Vergleich. Wortlos-wohlig seufzen kann man aber auch schon mal nach neunzig Minuten Yoga und Tiefenentspannung. Oder wenn man, nachdem man den Schulterstand lange geübt hat, endlich da steht wie eine Eins, tief atmet und sich vollkommen stark fühlt. Ganz egal, wie die Welt da draussen tickt.

Dietlind Arndt lebt und arbeitet zur Zeit als Praktikantin bei Yoga Vidya in Bad Meinberg

Übrigens: Zum Lernen und Mitmachen gibt es Video-Anleitungen für die einzelnen Asanas. Yoga und Meditation Einführungsseminare bei Yoga Vidya werden bis zu 80 Prozent von den Krankenkassen übernommen.

2 Kommentare zu “Hatha-Yoga (12): Schulterstand

  1. Anonymous

    Liebe Dietlind, deine Artikel lese ich gerne – mit viel Schwung und ausgesprochen gekonnt geschrieben. Sie machen Lust auf Yoga! Nur inhaltlich kann ich gerade beim Schulterstand nicht so wirklich zustimmen – immer wieder begegne ich Leuten, die Schwierigkeiten durch die enorme Gewichtsverlagerung auf die Halswirbelsäule bekommen – und in einigen Yogahandbüchern ist deshalb auch ein besonders achtsamer Umgang damit angeraten, insbesondere beim freihändigen Stand auf flachem Boden. Den habe ich auch geübt – und bin beim Physiotherapeuten gelandet. Warum wird da bei Yoga Vidya so wenig Vorsicht geübt? In meiner Ausbildung habe ich anfangs sogar die Erfahrung gemacht, dass meine Nackensteifheit und Schmerzen beim Drehen des Kopfes direkt im Anschluss an den Schulterstand mit den Worten “das kann nicht sein” abgetan wurden. Seitdem bin ich auf dem Gebiet etwas verschnupft und höchst sensibel! Auch bei den Kursen, die ich selbst anleite.
    Om shanti
    Chandra

    • Liebe Chandra. Danke für den Hinweis. Da ich keine Yoga-Lehrerin bin und diese kurzen Einträge ja sehr kurz sind, beschäftige ich mich hier nicht näher mit den – durchaus vorkommenden – Schwierigkeiten.
      Vielleicht wäre ein Hinweis unter den Beiträgen gut, dass man die Asanas am besten bei professionellen Lehrern lernt und sofort aufhört, wenn es anfängt, weh zu tun??

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.