Kloster auf Zeit

 

Kloster auf Zeit – Was ist das? Wo kannst du das machen? Wozu soll es gut sein, ein Kloster auf Zeit zu erleben? Ich möchte über ein Kloster auf Zeit bei Yoga Vidya sprechen. Mein Name ist Sukadev Bretz. Ich bin Gründer und Leiter von Yoga Vidya. Yoga Vidya hat sogenannte Lebensgemeinschaften, Sevaka Gemeinschaften, Ashrams. Ashram ist der indische Ausdruck für Kloster. Kloster auf Zeit ist eine wunderbare Möglichkeit, seinem Leben eine neue Tiefe zu geben.

Zunächst einmal: Was ist überhaupt ein Kloster? Ein Kloster ist eine Anlage, in der Menschen zusammen leben, um in besonderem Maße ihr Leben der Spiritualität zu widmen. Man kann auch sagen, ein Kloster ist eine Art spirituelle Lebensgemeinschaft. Man könnte sogar allgemein sagen jede spirituelle Gemeinschaft, die auf Dauer angelegt ist und in der Menschen eine gemeinsame Spiritualität haben, ist ein ist Kloster. 

Allerdings – zum Kloster gehört noch etwas dazu. Im Lateinischen ist „der Klaustrum“ ein verschlossener Ort. Aber es gibt auch noch den Begriff „Klausur“, was soviel wie ‘nach innen gehen’ bedeutet. Kloster in diesem Sinne wäre also etwas Abgeschlossenes. Es gibt durchaus die abgeschlossenen Klöster. In der christlichen Tradition gibt es solche Klöster, wo die Mönche und die Nonnen mit den normalen Menschen so gut wie nie in Kontakt kommen können. In früheren Zeiten ging das sogar soweit, dass der größte Teil der Klostergemeinschaft niemals mit normalen Menschen gesprochen hat. Es war wirklich alles abgeschlossen hinter den Klostermauern, und nur ein paar ausgewählte, besonders vertrauensvolle Mönche, durften mit anderen sprechen.

Aber auch das ist im Christlichen nicht so. Es gibt ja auch die Klöster, die karitative Aufgaben haben. Es gibt Mönche und Nonnen, die in Schulen unterrichten, die in Krankenhäusern tätig sind. Es gibt aber auch kleine Klöster, die einfach nur in einer Etage sind. Gerade wenn Christen im Ausland (also da, wo Christen in der Minderheit sind) so wie in Indien oder in Japan Klöster haben, dann ist das nicht diese typische Klosterarchitektur.

Man kann also sagen, Kloster ist eine Anlage, in der Menschen zusammen leben, um in besonderem Maße ihr Erleben der Spiritualität zu widmen.

Shivalaya-KrishnaKlostergemeinschaft – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Wer Kloster hört, denkt dabei meist an christliche Klöster, insbesondere katholische Klöster. Es gibt auch evangelische, ökumenische und christlich orthodoxe Klöster. Und auch im Buddhismus und im Hinduismus gibt es Klostergemeinschaften.

Im indischen Kontext wird Kloster „Ashram“ genannt. Ein Kloster hat in der christlichen Tradition sogenannte Kulträume, sogenannte Wohnräume und die sogenannten Wirtschaftsräume. In den Kulträumen wird besonders Gott verehrt. Das sind eben zum Beispiel die Kapelle, die Kirchenräume und Gebetsräume. Es gibt auch Wohnräume, dort wo die Mönche und die Nonnen wohnen und es gibt die Wirtschaftsräume, wo das ist, was die Mönche und Nonnen zum Leben brauchen also zum Beispiel die Küche und die Speisesäle und die Vorratsräume.
Und da die Klostergemeinschaft, zumindest in früheren Zeiten, sich auch selbst ernähren musste, gehörte zu den Wirtschaftsräumen eben auch all das, was zum Beispiel für Landwirtschaft oder Handwerk und anderes nötig war.

Ein Kloster war auch immer ein Wirtschaftsunternehmen. Das ist zwar seit der Säkularisierung im 19. Jahrhundert weniger geworden. Seitdem leben die Klöster mehr von Zuwendungen von der Kirche oder auch über Steuern.
In früheren Zeiten waren aber die Wirtschaftsräume besonders wichtig, denn auch die Mönche und die Nonnen mussten sicher irgendwo ernähren. Ernährt haben sie sich zum Beispiel über Landwirtschaft, über die Herstellung von Medikamenten, von Kräutern und vielem anderen.

Die Bewohner von Klöstern werden Mönche und Nonnen genannt und in der christlichen Tradition sind Mönche und Nonnen solche, die das Gelübde der Enthaltsamkeit, der Armut und des Gehorsams abgelegt haben. Aber es gibt dort eben auch Laien. Das sind solche, die nicht diese Gelübde abgelegt haben.

Und es gibt auch im Christentum manche Klöster, wo hauptsächlich Laien sind und natürlich gibt es dann auch noch diejenigen, die noch nicht die Gelübde abgelegt haben, die sogenannten Novizen. Man kann in einem Kloster eben langfristig sein und gerade in christlichen Klöstern ist es charakteristisch, dass es dort langfristige Gelübde gibt, das man gelobt für den Rest seines Lebens im Kloster zu sein. Bei den Benediktinern ist es sogar so, dass man gelobt, in dem konkreten Kloster auf Dauer zu sein. Die Gelübde der Armut der Keuschheit des Gehorsams gelten natürlich auch.

Und es gibt auch kurzfristige Klosteraufenthalte, man kann auch sagen: Kloster auf Zeit. Im Mittelalter waren viele Klöster auch Erziehungsanstalten, wo die Kinder, insbesondere von Adeligen, einige Jahre verbracht haben. Sie waren also Kloster auf Zeit.

Auch im Mittelalter war es üblich, dass wenn Menschen aus den höheren Gesellschaftsschichten eine Weile für sich sein wollten, wenn sie sich irgendwo ausgelaugt gefühlt haben, dann sind sie eine Weile ins Kloster gegangen und haben so Kloster auf Zeit genossen.

Ein spirituelles Leben führen

Shivalaya_Kloster_Yoga_15Im buddhistischen Kontext gibt es auch Klöster und dort sind viele Sachen, die ähnlich sind, wie in christlichen Klöstern. Manche denken sogar, dass die christlichen Klostergemeinschaften sich an den buddhistischen Klostergemeinschaften orientiert haben, denn buddhistische Klöster gibt es schon seit mindestens dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus. Buddha, der im sechsten Jahrhundert vor Christus gelebt hat, hat zwar auch schon Mönche und Nonnen eingeweiht, aber viele nehmen an, das waren dann eher Wandermönche. Manche sagen aber – Buddha hat ja Tausende von Mönchen und Nonnen eingeweiht – dass schon zurzeit von Buddha echte Klostergemeinschaften entstanden sind. Auch in den buddhistischen Klöstern findet man das gleiche wie bei christlichen Klöstern, eben die Kulträume, die Wohnräume und die Wirtschaftsräume, wobei die buddhistischen Mönche sich weniger über eigene Wirtschaft ernährt haben, sondern sie waren immer Bettelmönche.

Da ist es dann bis heute üblich, dass ein Teil der Mönche in die Dörfer und Städte geht, um dann dort etwas zu erbetteln und das, was sie dann erbettelt haben, im Kloster zu teilen. Nicht immer ist das heute so. Heute sind Klöster auch zum Teil Wirtschaftsunternehmen, gemeinnützige Wirtschaftsunternehmen, die auf verschiedene Weisen ihr Brot verdienen.

Manche buddhistische Klöster sind Mönchskloster. Es gibt auch Nonnenklöster. Wobei im buddhistischen Kontext die Nonnenklöster sehr viel seltener sind als im Christentum, wo es schon seit dem Mittelalter viele Klosterorden gegeben hat, wo Nonnen gelebt haben. Und auch in buddhistischen Klöstern gibt es die Laien, die dazu kommen können. Im Christentum, besonders im evangelischen Christentum, gibt es Klöster, wo gar keine Gelübde der Enthaltsamkeit auf Dauer abgegeben werden, sondern wo die Menschen in einer spirituellen Lebensgemeinschaft zusammenleben. Auch das wird im Evangelischen zum Teil eine Klostergemeinschaft genannt.

Aber gerade im Buddhismus – zum Beispiel im thailändischen Buddhismus und im burmesischen Buddhismus – ist es sogar üblich, dass man Mönch oder Nonne auf Zeit ist. Dort legt man ein Gelübde ab, das vielleicht ein, zwei oder drei Jahre dauern wird, und in dieser Zeit ist man dann im Kloster. Man nimmt am Klosterleben teil, macht eine Art lebensprägende Erfahrung, ähnlich, wie früher im europäischen Kontext, wo Männer in der Bundeswehr die Erfahrungen machten oder Frauen, wenn sie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) absolvierten. Da haben sie auch in einer Art Gemeinschaft gelebt, in einer L