Online Yoga Kongress 2020: “Teaching Spirituality”

Letztes Wochenende kamen bereits zum 17. mal spirituelle Lehrer aus aller Welt zusammen, um beim Yoga Kongress ihr Wissen zu teilen und sich auszutauschen. Dieses Jahr mit einer großen Besonderheit: der Kongress fand erstmalig ausschließlich über das Internet statt. Die Referenten und Teilnehmer verbanden sich von ihren Büros und Wohnzimmern aus miteinander und gestalteten so kreativ die Vorträge, Workshops und Yogastunden.

Unter dem Motto “Teaching Spirituality” gaben Professoren, Wissenschaftler, Yogameister und -experten mit viel Freude ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter.

Als Referenten anwesend waren u.a.: Marshall Govindan, Kali Ray, Swami Jyothirmaya, Prof. Dr. Arndt Büssing, Prof. Markus Stück, Krishna Chandra, Sai Maa, Swami Saradananda, Dr. Michael Geary, Maharani Fritsch de Navarrete, Jadranko Miklec, Ram Vakkalanka, Swami Dada Madhuvidyananda, Dr. Devendra Mishra, Thomas Hübl, Gauri Eckhardt, Shanmug Eckhardt, Sukadev, …

Alles in allem war es ein sehr gelungener Kongress, der viel Inspiration und Austausch bereithielt. Wir bedanken uns herzlich bei den Referenten, Teilnehmer und allen, die den Online Yoga Kongress 2020 möglich gemacht haben! Im folgenden Beitrag findest du einen kleinen Einblick in die Inhalte von einigen der Vorträge und Workshops.

Freitag, 20.11.2020

Ansprache von Sukadev und Gratulationen zu 25 Jahre BYV

Der Kongress begann mit einer Ansprache von Sukadev, zu der er sich zuallererst für alle Spenden und Unterstützungen während der Krise bedankte. Nach jeder großen globalen Krise, sagt Sukadev, kam eine Yogawelle. Sei es nach der Ölkrise, dem 11. September oder der Finanzkrise. Mit jeder neuen Krise wurde die Yogawelle größer und größer. Er hoffe darauf, sich eventuell schon nächstes Jahr auf eine besonders große Yogawelle freuen zu dürfen. Bis es soweit ist, versuchen wir Gelassenheit, Hoffnung und Vertrauen zu behalten.

Das Thema dieses Kongresses ist “Teaching Spirituality”, also wie man Spiritualität lehrt und weitergibt. Dafür hören wir Vorträge, machen Workshops, nehmen an Yogastunden teil und machen Yoga so erfahrbar. Allerdings darf der Yogalehrer diese Macht auch nicht ausnutzen, davor warnt Sukadev. Denn letztlich geht es im Yoga um Moksha, um die Befreiung. Wir wollen frei sein und erfahren, wer wir wirklich sind.

Es folgt ein Grußwort der indischen Botschaft aus Berlin. Sie danken Yoga Vidya für die Zusammenarbeit und Unterstützung in der Vergangenheit. Yoga ist ein Geschenk von Indien an die Welt und der Kongress ist besonders wichtig, weil er die ganzheitliche Gesundheit der Menschen stärkt – körperlich, geistig und spirituell.

Axel Lehmann, Politiker aus dem Kreis Lippe, gratulierte dem BYV zum 25. jährigen Jubliäum. Er sagt, dass Yoga Vidya hier in Bad Meinberg besonders willkommen sei und dass der Ort schon lange für seine Heilmittel bekannt ist. Es gibt eine lange Gesundheitstradition in der Region und Yoga sei eine wundervolle Ergänzung zu den beiden großen Heilmitteln Schwefelmoor und Heilwasser. Er wünschte allen Teilnehmenden und Vortragenden Inspirationen, Austausch und Zugang zur Spiritualität.

Der Bürgermeister Hans Dieter Krüger gab zu, dass er das Thema zunächst schwer eingrenzbar fand. Als er das Programm lass erkannte er jedoch, dass in dieser Breite die Stärke des Themas liegt. Weiter richtete Hans Jörg Bühningast ein Grußwort an alle Beteiligtenö.

Im Abschluss hielt Mangala einen Vortrag über die Geschichte des BYV und verpackte die größten Highlights, wie das erste Journal, die Website und den Kongress, in den Sonnengruß. Weiterhin verkündete sie die Gewinner des Innovationspreises: Martin Rector für krankenkassenanerkannte Meditationskurse, Andrea Petersohn vom Verein „Haus Leben“ und Monika Adele Camara von „KinderGarden“.

Dr. Arndt Büssing über die Yamas und Niyamas

Den Eröffnungsvortrag am Freitag hielt Prof. Dr. Arndt Büssing von der Uni Witten/Herdeckte. Er forscht dort zum Thema Yoga und Meditation als multidimensionale Intervention und teilte folgende Erkenntnisse mit den Teilnehmern:

Die meisten sehen Yoga bewussten Lebensstil, nur wenige als simple Gymnastik. Da muss es doch einen Unterschied in der Wirkung geben. Wer Yoga ganzheitlich als Philosophie erlebt, sollte andere Effekte spüren, als jemand der nur ein Mal die Woche Hatha Yoga praktiziert.

In einer Studie hier bei Yoga Vidya, hat er genau das mithilfe der Yamas und Niyamas untersucht. Während sich die Niyamas mehr auf das Selbst beziehen, sind die Yamas nach Außen gerichtet. Zu ersten zählen Hingabe, Selbstreflexion, Zufriedenheit und in dem Sinne Genügsamkeit, zu letzteren Tugenden wie Enthaltsamkeit, Zurückhaltung und Wahrhaftigkeit. Diese ethischen Prinzipien, wie sie der Yoga lehrt, können schnell überfordern.

In der Studie fand der Mediziner einige spannende Zusammenhänge. Die interessantesten hier in Kürze:

Wer nach der Yoga Philosophie lebt, ist glücklicher. Natürlich spielen da noch viele Dinge mit rein, aber generell ist auffällig, dass Menschen, die viel praktizieren und die Schriften studieren oder sich anders mit dem Sinn hinter der Philosophie auseinandersetzt, eine größere Dankbarkeit, Ehrfurcht und Wohlbefinden angeben.

Achtsamkeit hat sich als besonders wichtig dafür erwiesen. Je achtsamer wir sind, desto höher schätzen wir unsere Lebensqualität und Wohlbefinden ein. Außerdem empfinden wir den sozialen Druck als weniger stark. Das lernen wir im Yoga.

Unser Verhalten ändert sich, wenn wir Yoga üben, vor allem wenn wir den spirituellen Hintergrund einbeziehen. Wir lernen Stolpersteine zu überwinden, weil wir direkte Handlungsempfehlungen bekommen. Beispielsweise können wir mit „komplizierten Menschen“ besser umgehen. Ist eine Person anstrengend, nehmen wir durch Yoga zunächst die Gefühle wahr, fragen, was unser Beitrag ist und lernen dann die Person anzunehmen. Uns wird bewusst, dass wir alle eins sind und können so auch diesen Teil akzeptieren.

Swami Saradananda über die mystische Bedeutung spirituelle Feiertage

Später am Nachmittag hielt Swami Saradananda einen Vortrag über die mystische Bedeutung von spirituellen Feiertagen und sprach:

In Indien wird fast jeder Ort als heilig angesehen und bestimmten Gottheiten gewidmet. Doch nicht nur Orte, sondern auch Uhrzeiten, Tage, Wochen, Monate, Jahre und größere Zyklen sind mit spirituellen Aspekten versehen.

Es gibt daher viele Tage, die bestimmte Bedeutungen haben und gewisse Aspekte anrufen und uns erleben lassen. Was “ein Tag” ist kann unterschiedlich gemessen werden; so gibt es in Indien die solare und lunare Tagmessung. Ein solarer Tag ist gemessen vom Sonnenaufgang bis Sonnenutnergang und ein lunarer Tag ist gemessen von Mondaufgang bis Monduntergang. Diese Kreisläufe sind sehr essenziell, denn jeder Tag bildet einen Kreislauf.

Nach indischer Tradtion sagt man, dass die beste Zeit zum praktizieren Brahma Muhurta ist, etwa 2 Stunden vor Sonnenaufgang. Zu dieser Zeit sind beide Nasenlöcher geöffnet, die Energie fließt ausgeglichen und Sattva ist vorherrschend. Mittags hingegen ist eher Pitta vorherrschend und Mitternachts eher Tamas.

Jeder Tag der Woche hat eine eigene spirituelle Energie:

  • Montag: Shiva-Tag
  • Dienstag: Subrahmanya-Tag
  • Mittwoch: Krishna-Tag
  • Donnerstag: Guru-Tag bzw. Tag des Lehrers/der Lehrerin; ein guter Tag, um Dinge zu beginnen
  • Freitag: Lakshmi/Saraswati-Tag
  • Samstag: Hanuman-Tag, z.B. gut geeignet, um Hanuman Chalisa zu chanten oder Sesam-Prasad zuzubereiten; aber kein guter Tag, um Dinge zu beginnen
  • Sonntag: Rama-Tag

Genauso hat auch jeder Monat eine spezielle Energie. Generell ist die zeitliche Rechnung in Indien am Mond orientiert. So sind von Neumond bis Vollmond zwei Wochen vergangen – und von Vollmond bis Neumond auch wieder zwei Wochen.

Diwali z.B. wird im dunkelsten Monat gefeiert (November), u.a. um mehr Licht zu kreiern und Lakshmi anzuziehen; denn Lakshmi hält in der Nacht von Diwali Ausschau nach einem neuen Ort.

Purnima, Vollmond, sind die intensivsten Tage. Da der Mond das Wasser kontrolliert, wie man in den Gezeiten sehen kann, und unser Körper zu 80% aus Wasser besteht, beeinflusst uns auch die Mondphase. Ekadeshi ist der elfte Tag des Monats und gilt besonders geeignet zum Fasten, Meditieren und für die Innenschau.

In Indien ist außerdem Shivaratri ein großer Festtag, bei dem gefastet wird, Pujas zelebriert werden und die ganze Nacht durch “Om Namah Shivaya” gechantet wird. Durch einen Tanzwettbewerb zwischen Shiva und Parvati, bei dem Shiva gewonnen hat, soll Shivaratri enstanden sein.

Inspirationen mit Sai Maa

Zum Abschluss des ersten Tages gab Sai Maa einen kurzen Vortrag, gefolgt von gemeinsamen Chanting. Sai Maa erzählte über die verschiedenen Arten von Bewusstsein und sagt, dass wir nicht vom Affen abstammen, sondern im Ursprung Lichtwesen sind. Jedoch sidn wir in Unwissenheit geraten, weshalb Wissen notwendig ist – Wissen, von dem Yoga ein großer Teil ist.

Sie sagt, dass uns gar nichts fehlt und wir schon im Bauch unserer Mutter vollkommen waren. Und dass wir auch jetzt alles haben: Essen, Unterkunft und die Fähigkeit zu denken. Vor allem die Fähigkeit zu denken sollten wir nutzen und durch sie transzendieren.

Ohne Sadhana ist unser Leben angstbasiert und hat eine niedrige Energie. Praktizieren wir jedoch, dann steigt unsere Energie höher und höher. Der erste Schritt dabei sei der Atem. Je freier wir atmen, desto freier fühlen wir uns. Wir sollten uns vom angstbasierten Denken hin zum liebevollem Denken wandeln.

Das Feuer des Lebens ist in dir. Wenn es sehr aktiv ist, dann ist kein Platz für Depression.

Samstag, 21.11.2020

Sukadev über die Rolle der verschiedenen Arten von spirituellen Lehrern

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