Online Yoga Kongress 2020: „Teaching Spirituality“

Letztes Wochenende kamen bereits zum 17. mal spirituelle Lehrer aus aller Welt zusammen, um beim Yoga Kongress ihr Wissen zu teilen und sich auszutauschen. Dieses Jahr mit einer großen Besonderheit: der Kongress fand erstmalig ausschließlich über das Internet statt. Die Referenten und Teilnehmer verbanden sich von ihren Büros und Wohnzimmern aus miteinander und gestalteten so kreativ die Vorträge, Workshops und Yogastunden.

Unter dem Motto „Teaching Spirituality“ gaben Professoren, Wissenschaftler, Yogameister und -experten mit viel Freude ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter.

Als Referenten anwesend waren u.a.: Marshall Govindan, Kali Ray, Swami Jyothirmaya, Prof. Dr. Arndt Büssing, Prof. Markus Stück, Krishna Chandra, Sai Maa, Swami Saradananda, Dr. Michael Geary, Maharani Fritsch de Navarrete, Jadranko Miklec, Ram Vakkalanka, Swami Dada Madhuvidyananda, Dr. Devendra Mishra, Thomas Hübl, Gauri Eckhardt, Shanmug Eckhardt, Sukadev, …

Alles in allem war es ein sehr gelungener Kongress, der viel Inspiration und Austausch bereithielt. Wir bedanken uns herzlich bei den Referenten, Teilnehmer und allen, die den Online Yoga Kongress 2020 möglich gemacht haben! Im folgenden Beitrag findest du einen kleinen Einblick in die Inhalte von einigen der Vorträge und Workshops.

Freitag, 20.11.2020

Ansprache von Sukadev und Gratulationen zu 25 Jahre BYV

Der Kongress begann mit einer Ansprache von Sukadev, zu der er sich zuallererst für alle Spenden und Unterstützungen während der Krise bedankte. Nach jeder großen globalen Krise, sagt Sukadev, kam eine Yogawelle. Sei es nach der Ölkrise, dem 11. September oder der Finanzkrise. Mit jeder neuen Krise wurde die Yogawelle größer und größer. Er hoffe darauf, sich eventuell schon nächstes Jahr auf eine besonders große Yogawelle freuen zu dürfen. Bis es soweit ist, versuchen wir Gelassenheit, Hoffnung und Vertrauen zu behalten.

Das Thema dieses Kongresses ist „Teaching Spirituality“, also wie man Spiritualität lehrt und weitergibt. Dafür hören wir Vorträge, machen Workshops, nehmen an Yogastunden teil und machen Yoga so erfahrbar. Allerdings darf der Yogalehrer diese Macht auch nicht ausnutzen, davor warnt Sukadev. Denn letztlich geht es im Yoga um Moksha, um die Befreiung. Wir wollen frei sein und erfahren, wer wir wirklich sind.

Es folgt ein Grußwort der indischen Botschaft aus Berlin. Sie danken Yoga Vidya für die Zusammenarbeit und Unterstützung in der Vergangenheit. Yoga ist ein Geschenk von Indien an die Welt und der Kongress ist besonders wichtig, weil er die ganzheitliche Gesundheit der Menschen stärkt – körperlich, geistig und spirituell.

Axel Lehmann, Politiker aus dem Kreis Lippe, gratulierte dem BYV zum 25. jährigen Jubliäum. Er sagt, dass Yoga Vidya hier in Bad Meinberg besonders willkommen sei und dass der Ort schon lange für seine Heilmittel bekannt ist. Es gibt eine lange Gesundheitstradition in der Region und Yoga sei eine wundervolle Ergänzung zu den beiden großen Heilmitteln Schwefelmoor und Heilwasser. Er wünschte allen Teilnehmenden und Vortragenden Inspirationen, Austausch und Zugang zur Spiritualität.

Der Bürgermeister Hans Dieter Krüger gab zu, dass er das Thema zunächst schwer eingrenzbar fand. Als er das Programm lass erkannte er jedoch, dass in dieser Breite die Stärke des Themas liegt. Weiter richtete Hans Jörg Bühningast ein Grußwort an alle Beteiligtenö.

Im Abschluss hielt Mangala einen Vortrag über die Geschichte des BYV und verpackte die größten Highlights, wie das erste Journal, die Website und den Kongress, in den Sonnengruß. Weiterhin verkündete sie die Gewinner des Innovationspreises: Martin Rector für krankenkassenanerkannte Meditationskurse, Andrea Petersohn vom Verein „Haus Leben“ und Monika Adele Camara von „KinderGarden“.

Dr. Arndt Büssing über die Yamas und Niyamas

Den Eröffnungsvortrag am Freitag hielt Prof. Dr. Arndt Büssing von der Uni Witten/Herdeckte. Er forscht dort zum Thema Yoga und Meditation als multidimensionale Intervention und teilte folgende Erkenntnisse mit den Teilnehmern:

Die meisten sehen Yoga bewussten Lebensstil, nur wenige als simple Gymnastik. Da muss es doch einen Unterschied in der Wirkung geben. Wer Yoga ganzheitlich als Philosophie erlebt, sollte andere Effekte spüren, als jemand der nur ein Mal die Woche Hatha Yoga praktiziert.

In einer Studie hier bei Yoga Vidya, hat er genau das mithilfe der Yamas und Niyamas untersucht. Während sich die Niyamas mehr auf das Selbst beziehen, sind die Yamas nach Außen gerichtet. Zu ersten zählen Hingabe, Selbstreflexion, Zufriedenheit und in dem Sinne Genügsamkeit, zu letzteren Tugenden wie Enthaltsamkeit, Zurückhaltung und Wahrhaftigkeit. Diese ethischen Prinzipien, wie sie der Yoga lehrt, können schnell überfordern.

In der Studie fand der Mediziner einige spannende Zusammenhänge. Die interessantesten hier in Kürze:

Wer nach der Yoga Philosophie lebt, ist glücklicher. Natürlich spielen da noch viele Dinge mit rein, aber generell ist auffällig, dass Menschen, die viel praktizieren und die Schriften studieren oder sich anders mit dem Sinn hinter der Philosophie auseinandersetzt, eine größere Dankbarkeit, Ehrfurcht und Wohlbefinden angeben.

Achtsamkeit hat sich als besonders wichtig dafür erwiesen. Je achtsamer wir sind, desto höher schätzen wir unsere Lebensqualität und Wohlbefinden ein. Außerdem empfinden wir den sozialen Druck als weniger stark. Das lernen wir im Yoga.

Unser Verhalten ändert sich, wenn wir Yoga üben, vor allem wenn wir den spirituellen Hintergrund einbeziehen. Wir lernen Stolpersteine zu überwinden, weil wir direkte Handlungsempfehlungen bekommen. Beispielsweise können wir mit „komplizierten Menschen“ besser umgehen. Ist eine Person anstrengend, nehmen wir durch Yoga zunächst die Gefühle wahr, fragen, was unser Beitrag ist und lernen dann die Person anzunehmen. Uns wird bewusst, dass wir alle eins sind und können so auch diesen Teil akzeptieren.

Swami Saradananda über die mystische Bedeutung spirituelle Feiertage

Später am Nachmittag hielt Swami Saradananda einen Vortrag über die mystische Bedeutung von spirituellen Feiertagen und sprach:

In Indien wird fast jeder Ort als heilig angesehen und bestimmten Gottheiten gewidmet. Doch nicht nur Orte, sondern auch Uhrzeiten, Tage, Wochen, Monate, Jahre und größere Zyklen sind mit spirituellen Aspekten versehen.

Es gibt daher viele Tage, die bestimmte Bedeutungen haben und gewisse Aspekte anrufen und uns erleben lassen. Was „ein Tag“ ist kann unterschiedlich gemessen werden; so gibt es in Indien die solare und lunare Tagmessung. Ein solarer Tag ist gemessen vom Sonnenaufgang bis Sonnenutnergang und ein lunarer Tag ist gemessen von Mondaufgang bis Monduntergang. Diese Kreisläufe sind sehr essenziell, denn jeder Tag bildet einen Kreislauf.

Nach indischer Tradtion sagt man, dass die beste Zeit zum praktizieren Brahma Muhurta ist, etwa 2 Stunden vor Sonnenaufgang. Zu dieser Zeit sind beide Nasenlöcher geöffnet, die Energie fließt ausgeglichen und Sattva ist vorherrschend. Mittags hingegen ist eher Pitta vorherrschend und Mitternachts eher Tamas.

Jeder Tag der Woche hat eine eigene spirituelle Energie:

  • Montag: Shiva-Tag
  • Dienstag: Subrahmanya-Tag
  • Mittwoch: Krishna-Tag
  • Donnerstag: Guru-Tag bzw. Tag des Lehrers/der Lehrerin; ein guter Tag, um Dinge zu beginnen
  • Freitag: Lakshmi/Saraswati-Tag
  • Samstag: Hanuman-Tag, z.B. gut geeignet, um Hanuman Chalisa zu chanten oder Sesam-Prasad zuzubereiten; aber kein guter Tag, um Dinge zu beginnen
  • Sonntag: Rama-Tag

Genauso hat auch jeder Monat eine spezielle Energie. Generell ist die zeitliche Rechnung in Indien am Mond orientiert. So sind von Neumond bis Vollmond zwei Wochen vergangen – und von Vollmond bis Neumond auch wieder zwei Wochen.

Diwali z.B. wird im dunkelsten Monat gefeiert (November), u.a. um mehr Licht zu kreiern und Lakshmi anzuziehen; denn Lakshmi hält in der Nacht von Diwali Ausschau nach einem neuen Ort.

Purnima, Vollmond, sind die intensivsten Tage. Da der Mond das Wasser kontrolliert, wie man in den Gezeiten sehen kann, und unser Körper zu 80% aus Wasser besteht, beeinflusst uns auch die Mondphase. Ekadeshi ist der elfte Tag des Monats und gilt besonders geeignet zum Fasten, Meditieren und für die Innenschau.

In Indien ist außerdem Shivaratri ein großer Festtag, bei dem gefastet wird, Pujas zelebriert werden und die ganze Nacht durch „Om Namah Shivaya“ gechantet wird. Durch einen Tanzwettbewerb zwischen Shiva und Parvati, bei dem Shiva gewonnen hat, soll Shivaratri enstanden sein.

Inspirationen mit Sai Maa

Zum Abschluss des ersten Tages gab Sai Maa einen kurzen Vortrag, gefolgt von gemeinsamen Chanting. Sai Maa erzählte über die verschiedenen Arten von Bewusstsein und sagt, dass wir nicht vom Affen abstammen, sondern im Ursprung Lichtwesen sind. Jedoch sidn wir in Unwissenheit geraten, weshalb Wissen notwendig ist – Wissen, von dem Yoga ein großer Teil ist.

Sie sagt, dass uns gar nichts fehlt und wir schon im Bauch unserer Mutter vollkommen waren. Und dass wir auch jetzt alles haben: Essen, Unterkunft und die Fähigkeit zu denken. Vor allem die Fähigkeit zu denken sollten wir nutzen und durch sie transzendieren.

Ohne Sadhana ist unser Leben angstbasiert und hat eine niedrige Energie. Praktizieren wir jedoch, dann steigt unsere Energie höher und höher. Der erste Schritt dabei sei der Atem. Je freier wir atmen, desto freier fühlen wir uns. Wir sollten uns vom angstbasierten Denken hin zum liebevollem Denken wandeln.

Das Feuer des Lebens ist in dir. Wenn es sehr aktiv ist, dann ist kein Platz für Depression.

Samstag, 21.11.2020

Sukadev über die Rolle der verschiedenen Arten von spirituellen Lehrern

Der Samstagmorgen begann mit einem Vortrag von Sukadev über die verschiedenen Arten von spirituellen Lehrer. Grundsätzlich unterschied er zwischen drei Arten: den tamassigen, den rajassigen und den sattvigen Lehrern.

Die sattvige Lehrer seien die, welche die Wahrheit so unverzerrt und rein wie nur möglich an ihre Schüler wiedergeben. In ihnen gibt es kein Ego, keine persönliche Agenda und keine Wünsche. Sie sind sich vollkommen und dauerhaft ihrer wahren Natur bewusst und spiegeln dies in ihrer Lehre, ja in jeder ihrer Handlungen wider. Die sattvigen Lehrer sind sehr selten, sagt Sukadev, und man habe großes Glück, in der Präsenz eines solchen Meisters sein zu können.

Die meisten spirituellen Lehrer seien rajassiger Natur. Sie hatten eine Gotteserfahrung und haben viele Erkenntnisse und Einsichten, sind aber noch nicht komplett rein in ihren Worten und Taten. Oft schleicht sich unbemerkt wieder das Ego ein und bringt Verwirrung in die Lehre. Grundsätzlich wird die Lehre jedoch nicht verfälscht und dient den Menschen.

Die tamassigen Lehre sind jene, die vielleicht eine Ahnung oder Vorstellung von spiritueller Einheit haben, vielleicht auch einen kleinen Einblick hatten, die Lehre jedoch komplett verdrehen oder verfälscht weitergeben. Sie sind vor allem an ihrem eigenen Nutzen interessiert und können Schüler so auf falsche Pfade führen. Tamassige Lehrer sollten also unbedingt vermieden werden, während rajassige Lehrer trotz ihrer Unvollkommenheit viel Gutes bewirken können.

Ein Satz, der immer wieder fiel, ist der Vers aus der Bibel: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Weniger sollte also darauf geachtet werden, wie schön die Worte sind, die der Lehrer sagt, sondern wie echt und authentisch er diese auch lebt, sie ver-wirklicht.

Im Laufe des Vortrages sprach Sukadev einige Worte über seinen Lehrer, Swami Vishnudevananda, und dessen Probleme.

Rinchen Tsomo über Vaastu

Am Vormittag des zweiten Tages sprach Rinchen Tsomo über Vaastu, das Yoga und Ayurveda für unseren Wohnraum.

Vaastu ist die einzige Baukunst, die den Menschen in den Fokus stellt. Dabei spielt Vedisches Wissen eine große Rolle, aber auch Klang, die Natur, die Erde und das ganze Universum. Nach dem Vaastu ist perfekte Raum ein Quader mit einem klaren Zentrum. Das Zentrum sollte man nicht schwer belasten, z.B. kein Regal dort aufstellen, sondern es am besten freilassen, vielleicht auch mit Musik beschallen.

Einfache Optimierungstipps für deine eigene Wohnung wären zum Beispiel:

  • Räume sauber halten und ordentlich
  • Mit Räumlichkeiten sprechen
  • Gewohnheiten ändern
  • Ggfs. Räume tauschen
  • Räucherrituale in den Räumen durchführen (mit Salbei oder Palo Santo):
  • Vom Nordosten durch die Wohnung gehen und alle Himmelsrichtungen miteinbeziehen
  • Raum mit Klang harmonisieren, am besten mit indischem Raga: Die Musikdabei am besten im Zentrum des Raums platzieren
  • Küche im Südosten ist gut (Feuer-Element), aber auch Nordosten ist passend

Nach dem Vastu sind den Himmelsrichtungen die Elemente folgendermaßen zugeorndet:

  • Nordosten: Wasser
  • Südosten: Feuer
  • Südwesten: Erde
  • Nordwesten: Luft
  • Mitte: Äther

Werden so nach Vastu-Prinzipien Häuser gebaut und Zimmer eingerichtet, so kann durch diese äußere Begrenzung auch das innere Wachstum gefördert werden. Ein Vastu Gebäude mache sich zum Beispiel dadurch bemerkbar, dass man freier atmen kann und sich einfach besser fühlt.

Ram Vakkalanka über Mudras

Am Nachmittag hielt Ram Vakkalanka einen sehr inspirierenden Vortrag über Mudras. Er begann damit zu erklären, was ein Mudra eigentlich ist:

  • Das, was positive Energie in uns stärkt und lenkt.
  • Das, was die positive Energie in uns anhebt und negative schmelzen lässt.
  • Mudras sind eine Kombination aus subtiler physikalischer Bewegungen, die Stimmungen und Wahrnehmnugen verändern, sowie das Bewusstsein und die Konzentration der praktizierenden Person vertiefen können.
  • „Mudra“ kann übersetzt werden mit „Siegel“.

In Indien sind Mudras fester Bestandteil der Yogapraxis, hierzulande eher weniger. Oft findet man sie in vedischer Literatur, mehrere Hundert, vielleicht sogar Tausend. Vor allem im Tantra gibt es viele, um den Geist auszurichten.

Ram beschreibt diese verschiedene Arten von Mudras:

  • Kaya Mudras: für diese wird der gesamte Körper benutzt, z.B. Agni Sara
  • Hasta Mudras: sind Mudras die mit Händen und Fingern gemacht werden, z.B. Namaste
  • Chaksha Mudras: werden mit den Augen gemacht
  • Chiru Mudras: arbeiten ausschließlich mit dem Kopf
  • Mano Mudras: sind geistige Mudras ohne körperliche Stellung

Vorteile von Mudras sind u.a.:

  • sie aktivieren das subtile Nervensystem und erneuern den Geist
  • stärken das Immunsystem
  • können übernatürliche Kräfte stärken (siddhis)

Mudras können für sich selbst verwendet werden, aber auch mit Mantras, Asanas, Pranayama, Bandhas und Meditationen kombiniert werden.

Des Weiteren erklärt Ram, dass bei Sonnenaufgang die Handflächen im Mudra nach oben und bei Sonnenuntergang nach unten zeigen sollen. Außerdem sollte bei Mudra-Meditation die Aufmerksamkeit auf den Bereich gerichtet werden, an dem sich die Finger berühren.

Shanmug Eckhardt über Selbstvertrauen innere Stärke

Den Samstag schloss Shanmug Eckhart mit einem Workshop zum Thema Selbstvertrauen und die Entwicklung von innerer Stärke ab. Er begann seinen Vortrag mit folgenden Fragen an die Teilnehmer:

  • Gibt es so etwas wie Selbstvertrauen?
  • Woher wissen wir, dass es so etwas gibt?
  • Wer hat Selbstvertrauen?
  • Warum haben Sie Selbstvertrauen?

Shanmug erklärt, dass Selbstvertrauen eine Form der persönlichen Wertung auf Grundlage der eigenen Wahrnehmung ist. Meist bezieht man sich damit auf bestimmte Themen, Aspekte oder Aufgabe, z.B. Englischkenntnisse.

Selbstvertrauen könne man erlangen durch Training und Übung und indem wir Fehler machen und durch das Erkennen und Akzeptieren von diesen Fehlern von ihnen lernen.

Oft spielt unsere Erziehung eine große Rolle beim Thema Selbstvertrauen, denn unsere Geisteshaltung ist entscheidend. Unser Geist sollte auf Wachstum und reale spezifische Erfahrungen ausgerichtet sein. Selbstvertrauen ist nicht angeboren, sondern wird erlernt durch Versuch und Irrtum. Shanmug nennt dieses Konzept „growth mindset“, bei dem folgende Punkte wichtig sind:

  • Wenn jemand anderes es kann, dann kann ich es auch.
  • Es ist wichtig, die Anstrengung auch wirklich zu machen.
  • Wir müssen Dinge versuchen, uns irren und dann daraus lernen.

Shanmug betont immer wieder, dass Selbstvertrauen nichts Magisches ist, sondern für jeden erlernbar ist. Genauso wichtig ist es, nicht davor zurückzuschrecken, auch mal Fehler zu machen, denn genau durch diese können wir wachsen und Selbstvertrauen entwickeln.

Zum Schluss gab er den Teilnehmern folgende Übung:

Wähle aus den folgenden Werten 2-3 aus, die du am meisten schätzt: Humor, Spiritualität, Fitness, Naturverbundenheit, Karriere, Gesellschaftsengagement, soziale/kulturelle Identität, Reichtum/Macht/Status, Wissenserwerb, Unabhängigkeit, Politische Sichtweisen, Beziehungen/Freundschaften/Familie/, Kreativität. Nimm dir danach 5 Minuten Zeit und schreibe auf, warum du diese Werte gewählt hast.

Sonntag, 22.11.2020

Brajanath Prabhu: Bhukti, Mukti oder Bhakti?

Am Sonntag nach der Morgenmeditation mit Swami Jyotirmayah hielt Brajanath Prabhu einen Vortrag über Bhukti, Mukti und Bhakti. Er begann mit einer kurzen Erzählung über seinen eigenen Werdegang und sein aktuelles Wirken. Vor allem glücklich schätzt er sich über die Kontakte mit spirituellen Meistern, die er in seinem Leben gehabt hat und dass er das vedische Wissen, was er von ihnen gelernt hat, nun mit uns teilen darf. Mit seinem Meister Srimad Bhaktivedanta Narajana Goswami Maharaj lebte er lange Zeit zusammen, reiste mit ihm durch die Welt und gab Seminare.

In seinem Vortrag nahm er viel Bezug auf die Bhagavad Gita, von der er sich seit jeher angesprochen fühlt. Er sagt die wichtigste Botschaft aus ihr stünde gleich am Anfang, wo Krishna zu Arjuna sagt, dass er nicht sein Körper ist.

Weiterhin erklärt er, dass Bhakti eines der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen ist und übersetzt es als Liebe, Hingabe und Rückzug. Leider ist die Welt momentan sehr vom Materialismus geprägt, sagt er, und es mangelt an dem eigentlich wichtigem: der Liebe. Bhakti bedeute auch, eine Verbindung mit Gott herzustellen und zu ihm zu beten.

Dann gibt es Bhukti, das (vergängliche) Glück. Bhukti ist nicht das ewige Glück, sondern das weltliche, sinnliche Glück. Dieses sollten wir nicht ablehnen, uns ihm jedoch auch nicht komplett hingeben. Der Mittelweg ist das wichtige, nicht die Extreme. Karma Yoga sei ein guter Weg dahin, zum Mittelweg, indem die Früchte des Handelns Gott dargebracht werden.

Es letztes beschreibt Brajanath Mukti oder Moksha – die komplette Befreiung von der Welt und die Erreichung von ewigem Glück und der Verwirklichung Brahmans. „Alles in dieser Welt ist vergänglich und erzeugt Leid“, sagt er. Es sei daher das höchste Ziel im Leben, unsere ganze Aufmerksamkeit auf unsere spirituelle Natur zu richten.

Thomas Hübl über eine verkörperte Spiritualität

Im Anschluss sprach Thomas Hübl über eine traumainformierte, verkörperte Spiritualität. Er sagt, kollektive Traumata seien ein zentraler Bestandteil der persönlichen und spirituellen Weiterentwicklung. So wirken z.B. alle (Nach-)Kriegserfahrungen der Menscnheit noch im heutigen kollektiven Karma.

Ich stehe in dem Baum meiner Ahnen und all der Menschen, die lebten.

Thomas betonte, dass etwas, was wir nicht in der Gegenwart verarbeiten, mit in die Zukunft nehmen. Im gegenseitigen Miteinander sei es daher wichtig, uns gegenseitig zu fühlen und uns bewusst zu sein, dass wir wahrnehmen und wahrgenommen werden. Unser natürlicher Zustand ist die Verbundenheit.

Thomas erklärt, dass bei Traumata der Flucht-Kampf-Mechanismus oder das Eingefrorensein in Kraft tritt. Der überladene Teil, also der Schmerz, wird bei Traumata häufig abgespalten. Bei traumatisierten Menschen ist es daher häufig der Fall, dass sie in gewissen Bereichen ihres Körpers und Erlebens nicht präsent sind, sondern abwesend, in der Vergangenheit.

Was wichtig wäre ist eine Kultur, die „traumainformiert“ ist und sich über ihre Traumata austauscht, um sie zu integrieren. Räume für Integration und Lernfelder sind wichtig.

Vor allem hilfreich dafür ist eine holistische spirituelle Praxis, die nicht noch mehr Trennung schafft, z.B. in dem ein Teil des Egos einen anderen Teil des Egos „transzendieren“ oder auslöschen möchte. In jedem von uns gibt es viele Teile, die glücklich sind, wenn wir uns weiterentwickeln – kreativ sind. So auch möchte sich das Trauma wandeln, sich weiterentwickeln, das ist seine Natur.

Abschlussrunde mit Sukadev und den Referenten

Der Online Yoga Kongress 2020 „Teaching Spirituality“ wurde beendet mit einem Segen und einer Danksagung von Sukadev, einigen Worten von den Referenten und einer Abschlussrede von Amba, welche den Yoga Kongress ins Leben gerufen hat und seitdem dabei hilft ihn Jahr für Jahr zu organisieren. Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei allen Teilnehmern, Referenten und Menschen, die den Online Yoga Kongress dieses Jahr ermöglicht haben. Hari Om!

BYVDer Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen (BYV) setzt sich für die Interessen und Anliegen von Yogalehrer/innen ein. Der BYV zertifiziert die Yoga Vidya Ausbildungen, berät seine Mitglieder zu Themen rund um ihre Tätigkeit als Yogalehrer/in, vertritt seine Mitglieder auf gesellschaftlicher und politischer Ebene und fördert wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Yoga. Zusammen mit dem Yoga Vidya e.V. gibt der BYV das Yoga Vidya Journal heraus und finanziert zu großem Teil das Yoga Wiki. Außerdem veranstaltet der BYV die jährlich stattfinden Yoga Kongresse sowie Kinder Yoga und Business Yoga Kongresse und vergibt den Yoga Vidya Preis für Innovation und Nachhaltigkeit.

Website: www.yoga-vidya.de/byv

2 Kommentare zu “Online Yoga Kongress 2020: „Teaching Spirituality“

  1. Petra Domer

    Ich wohne in der Schweiz und war 2017 und 2018 zum Yoga Kongress gereist. Das Online-Angebot hat mir ermöglicht, auch dieses Jahr 2020 am Kongress teilzunehmen und ich bin sehr dankbar dafür. Mich hat sehr beeindruckt, wie gut das technisch funktioniert hat und wie kompetent unsere IT Yogis sind (Gruss an Ganesha). Ich hatte den ganzen Samstag non-stop besucht und wurde von den Referenten sowie auch den Yoga-Lehrern sehr inspiriert (ich mochte besonders das Yoga-Mantra-singen, welches wunderschön war). Hoffentlich gibt es dies das nächstes Jahr wieder… so kann ich in ökologischer Hinsicht mit gutem Gewissen dabei sein.

    Vielen Dank und alles Gute an Sukadev, Ganesha, und alle, die das Online-Angebot auf die Beine gebracht haben.

    Om Shanti
    Petra

  2. Erst durch das Online Angebot konnte ich dieses Jahr teilnehmen :))
    Vielen Dank an die Referenten des diesjährigen Yoga-Kongress!
    Teilgenommen habe ich an Vorträgen von:
    Sai Maa (und dem erfrischenden Mantrasingen :)), Ram Vakkalanka, Thomas Hübl, Prof. Dr. Marcus Stück, Prof. Dr. Arndt Büsssing, Mangala Klein, und natürlich Sukadev Bretz.
    Vielen Dank auch für den Faszienyoga-Flow Workshop mit Kavita Pippon, bei dem viel wohltuende Praxis integriert war.
    Sehr gut umsetzbar waren die exakten Anleitungen der Rücken-Yoga Stunde mit Gauri Agulla Castro Eckhardt, die trotz der vielen Teilnehmer jeden im Blick hatte. Super!!!

    Namaste
    Anne

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