Yoga im Februar: Shavasana – Ein symbolischer Tod

Der Februar steht bei Natur und Mensch im Zeichen der Reinigung. Es ist die beste Zeit, alles fortzufegen, was den im Frühling neu erwachenden Lebenskräften nicht standhält. Dabei können wir die energetische Qualität dieses Monats vor allem nutzen, um unseren Geist zu entrümpeln. Überprüfen wir uns selbst, indem wir abwägen, ob wir diese vertraute Erinnerung wirklich noch brauchen oder ob diese liebgewordene Gewohnheit nicht doch nur alter Ballast ist…Vielleicht ist es an der Zeit loszulassen, um Platz für Neues zu schaffen?

Eine Asana, die uns die Notwendigkeit des Wechselspiels zwischen Vergänglichkeit und Neuanfang eindrucksvoll vor Augen führt, ist Shavasana – die Totenstellung (shava = Leichnam). Eine physisch scheinbar einfach auszuführende Asana, die uns jedoch zu den dunkelsten Ecken unsere Seele vordringen lässt.

In dieser Übung liegst du auf dem Rücken und dein ganzer Körper sollte vollkommen entspannt sein. Dazu sind deine Beine circa hüftbreit auseinander, so dass auch die Beckenmuskulatur entlastet wird, die Fußspitzen fallen locker nach außen, die Arme liegen ausgestreckt ein Stückchen vom Körper entfernt, die Handflächen sind nach oben geöffnet, die Augen geschlossen. So verharrt dein Körper regungslos wie ein Leichnam, während dein Geist lebendig bleibt.

Auf der geistigen Ebene lehrt uns Shavasana von der Notwendigkeit loszulassen und sich einfach hinzugeben, indem sie uns einen neuen Blickwinkel auf den Tod ermöglicht. Wer sein Leben aktiv gestalten möchte, sollte die dynamische Wechselwirkung zwischen Leben und Tod erkennen. In einer polaren Welt wie der unseren muss man beiden Zuständen gerecht werden! Wir können neue Inspirationen und Kräfte nur schöpfen, wenn wir zwischendurch auch längere Perioden der Ruhe und Dunkelheit zulassen. Shavasana schenkt uns die Erfahrung eines symbolischen Todes und weist uns auf die Notwendigkeit hin, wieder neu geboren zu werden. Die Entspannung ist der erste Versuch sich fallen zulassen, sich hinzugeben. Für eine Weile lösen wir uns von allen Verhaftungen; Leidenschaften und Ich-Bezogenheit kommen zur Ruhe und der Sieg über das Ego ist nahe. Alte, nicht mehr benötigte Erinnerungen, Gedanken, mentale Konzeptionen sterben und wir haben die Möglichkeit diesen überflüssigen Ramsch endlich loszuwerden. Während einer solchen Ruhephase können Körper und Geist ihre Instandhaltungsarbeiten erledigen, neue Inspirationen und Ideen entwickeln, Kraft und Energie bündeln. „In diesem Zustand des Friedens, der Ruhe und der inneren Harmonie erhält man einen Eindruck von dem Licht, das im Leben wie im Tod gegenwärtig ist“ (Swami Sivananda Radha: Das Geheimnis des Hatha Yoga).

Anne R.

Eine genaue Anleitung zu Shavasana gibt es hier!

1 Kommentar zu “Yoga im Februar: Shavasana – Ein symbolischer Tod

  1. 🙂 Liebe Anne,

    diese wunderbare Asana „Shavasana 🙂 hervorzuheben in unserem Bewußtsein finde ich super gut und notwendig. Das besondere bei dieser Übung ist, dass man lernt mit Bewußtheit die Übergänge von Körper-, Geist- und Seelebewußtsein wahrzunehemen. Man übt bewußt sich tief zu entspannen. In der Vollkommenheit wäre das ein bewußtes lösen und zurück kehren. Beim Schlaf, wo wir unbewußt in den Schlaf fallen, haben wir diese Erfahrung nicht.
    🙂
    Sukadev veranschaulichte es uns immer so: „Wir gehen so wie wir sind mit all unseren Fehlern und Beschränktheit in den Schlaf und wachen mit den gleichen Fehlern und Beschränktheit wieder auf“. Die Seele hat in der Zeit ihre Erfahrung auf den verschiedenen Bewußtseinsebenen gemacht, und war ganz Zuhause bei sich „selbst“, bei“Gott“. Aber nach dem Schlaf sind wir uns der Reise der Seele, in uns, nicht mehr bewußt.
    Wir fühlen uns nach dem schlafen sehr erfrischt und gut, wissen jedoch nicht wo die Seele in der Zeit war, da wir die Einheit noch nicht verwirklicht haben und uns getrennt fühlen.

    Bei der Übung „Shavasana“ ist es anders, wir lernen bewußt zu bleiben in der Entspannung (bewußtes schlafen), und kommen dann mit neuen Erfahrungen, und vielleicht auch neuen Einsichten und Erinnerungen wieder im hier und jetzt an, und fühlen und glücklich und erleichtert. Man war wach im schlaf als ob man sich selbst unbeteiligt beobachtet hat. Diese Wachheit ist das Licht des Bewußtseins.
    Die Übung von Shavasana erfordert tägliche Übung und Ausdauer.

    So verstehe ich es! 🙂

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