Yoga und gesellschaftliches Engagement – passt das zusammen?

Viele Menschen, die Yoga und Meditation praktizieren, berichten über eine stärkere Achtsamkeit und Bewusstheit in Bezug auf ihren Körper und Geist (Chen et al. 2010, Büssing 2010). Auch die Umwelt und gesellschaftliche Phänomene, wie z.B. der Umgang des Menschen mit der Natur, werden von vielen Menschen (noch) bewusster wahrgenommen, wenn sie regelmäßig Yoga üben und/oder meditieren.

Dieses Phänomen ist wechselseitig. So kann auch ein nachhaltiger Lebensstil – wie z.B. eine vegetarische oder vegane Ernährung – dazu führen, mit Yoga und Meditation anzufangen. Im Prinzip ist es egal, was zuerst da war. Oft stehen Yoga und ein nachhaltiges bewusstes Verhalten in einem engen Verhältnis zueinander. Und in vielen Fällen führt dies dazu, dass auch der tiefe Wunsch entsteht, sich aktiv gesellschaftlich zu engagieren.

Wie siehst du das? Wie ist das bei dir?

Bevor wir tiefer in das Thema eintauchen, hier noch ein kleiner Einblick in das grundlegende Wertesystem, dass viele Yogis & Yoginis teilen: die „Yamas“ und „Niyamas“.

„Yamas“ und „Niyamas“ – ein kurzer Einblick

Die Yamas und Niyamas sind die ersten Stufen des Raja Yoga und enthalten essenzielle Handlungsimpulse. Die Yamas sind soziale Verhaltensempfehlungen im Umgang mit anderen und die Niyamas umfassen Grundsätze für das Verhalten uns selbst gegenüber.

Zu den Yamas zählen: „Ahimsa“ (Gewaltlosigkeit), „Satya“ (Wahrhaftigkeit), „Asteya“ (Nichtstehlen) und „Brahmacharya“ (Selbstbeherrschung). Wenn wir uns (auch in Wort und Gedanken) anderen gegenüber friedvoller und gleichzeitig authentisch und wahrhaftig zeigen, dann fördern wir in uns – fast automatisch – einen nachhaltigeren Lebensstil. Wir kultivieren freundliche Klarheit in uns und lassen uns nicht blind von unseren Wünschen & Bedürfnissen leiten. Wenn wir uns dann noch „Aparigraha“ (Mäßigung des Besitzverlangens) bewusst werden, beginnen wir, wirklich nur noch so viel zu besitzen, wie notwendig ist.  

Im Umgang mit uns selbst zeigen uns die Niyamas, wie wir uns innerlich ethisch ausrichten können: Zum einen können wir „Santosha“ (Zufriedenheit) & Dankbarkeit in uns pflegen und immer wieder eine Innenschau („Swadhyaya“) betreiben: Was ist meine aktuelle (spirituelle) Entwicklungsaufgabe? In welchen Bereichen kann ich Zufriedenheit, Genügsamkeit und Dankbarkeit kultivieren?

Sehr wichtig bei der Orientierung an den Niyamas ist zudem das Prinzip von Reinheit („Saucha“) im Sinne eines sattvigen Lebensstils. Dies betrifft eine Reinheit und Klarheit in sämtlichen Lebensbereichen, wie z.B. bezogen auf unsere Ernährung, unseren Konsum, unsere Wohneinrichtung, unsere Körperpflege oder auch die Art, wie wir sprechen.

Viele Yogis und Yoginis üben auch regelmäßig oder zu bestimmten Zeiten Enthaltsamkeit oder spirituelle Disziplin (“Tapas“). Dies kann z.B. umfassen, für eine gewisse Zeit – oder dauerhaft – auf (Industrie-)Zucker zu verzichten oder ab und zu zu fasten.

Und schließlich orientieren sich Yogis und Yoginis auch an „Ishvara Pranidhana“, d.h. sie richten sich an einer höheren positiven Kraft aus, die manche als ‚Gott‘ bezeichnen. Einige Yogis und Yoginis wenden sich dabei auch bestimmten Gottheiten zu.

Ein Video mit weiteren Erklärungen der Yamas und Niyamas findest du hier. Und wenn dich das Sattva-Prinzip im Kontext der drei Gunas näher interessiert, findest du hier einen interessanten Podcast dazu.

Yoga – nur gedacht für den inneren Wandel?!

Auf Basis der Yamas und Niyamas entwickeln manche Yogis & Yoginis die Perspektive, dass es beim Yoga ausschließlich um die persönliche (innere) Entwicklung gehe. Demnach sei es nur möglich, das eigene Innere zu verändern und den Frieden nur innerlich in sich zu finden.

Als natürliche Folge würde sich dann quasi (und wie von selbst) die Außenwelt als Spiegel des Inneren transformieren – aber eben nach ihren ganz eigenen (kosmischen) Gesetzen… einige, die diesen Ansatz vertreten, sehe daher keinen (oder nur wenig) Sinn, sich aktiv gesellschaftlich zu engagieren. Sie vertrauen ganz auf die höhere Macht des Universums.

Yoga als Integration & Inklusion

Für andere ist es wiederum wichtig, sich zunächst innerlich zu entwickeln und mit dieser Kraft dann proaktiv im Außen Veränderungen zu bewirken, d.h. sich für das Gute in der Welt aktiv einzusetzen. Jede Meinung hat ihre Berechtigung.

Wenn sich aber diese beiden Ansätze befruchtend ergänzen – ein aktiv geführter gesellschaftlicher Wandel UND eine von innen heraus entwickelte Persönlichkeit – kann auf dieser Welt noch viel mehr Gutes geschehen. Oder?

So lässt sich der berühmte Satz von Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ durchaus auch mit dem Gedanken des „Handelns im Nicht-Handeln“ aus der Bhagavad Gita verbinden. Z.B. wenn du bei einer Meditationsdemo mitmachst, um auf die Zerstörung des Regenwaldes aufmerksam zu machen.

Yoga und sozialer Wandel

Nun soll es vor allem um verschiedene Möglichkeiten des gesellschaftlichen Engagements auf Basis yogischer Werte gehen. Neben einzelnen Projekten und Initiativen gibt es auch verschiedene spirituelle Gemeinschaften, auf die dieser Artikel (aufgrund der Fülle) jedoch nicht näher eingeht. Hier soll es vor allem um Vereine & Blogs gehen, die wir euch überblickshaft (und ohne Anspruch auf Vollständigkeit) kurz vorstellen möchten.

Aber beginnen wir zunächst bei uns selbst – beim Yoga Vidya e.V.

Für was setzt sich der Yoga Vidya e.V. ein?

Da der Yoga Vidya e.V. kein politischer Verein ist, setzen wir uns nicht als gesamte Gemeinschaft aktiv für spezielle politische oder gesellschaftlich diskutierte Themen ein. D.h. wir konzentrieren