03 Gelassenheit im Christentum: Meister Eckhart

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Meister Eckhart und die Entwicklung von Gelassenheit: Meister Eckhart hat vielleicht den Begriff Gelassenheit in die deutsche Sprache eingeführt. In jedem Fall hat er den Begriff Gelassenheit populär gemacht. Meister Eckhart war Dominikanermönch, lebte 1260-1328. Auch wenn er in seinen letzten Jahren wegen Häresie angeklagt wurde und vom Papst einige seiner Aussagen als Irrlehre bezeichnet wurden, hatte er großen Einfluss auf die spätmittelalterliche Mystik und Spiritualität, vor allem im deutschsprachigen Raum.  Gelassenheit war für Meister Eckhart ein ganz zentraler Begriff. Gelassenheit heißt für Meister Eckhart insbesondere das „Lassen“, das „Loslassen“: Werde dir bewusst: Gott ist wichtig. Das Materielle, das Ich, die eigenen Wünsche etc. sind nicht so wichtig. Indem du die Dinge des Lebens in die richtige Perspektive bringst, kannst du gelassen umgehen. Gelassenheit ist aber nicht Selbstzweck: Sie hilft der Gotteserfahrung. Die Prinzipien der Lehren von Meister Eckhart sind auch für Nicht-Gläubige, auch für Atheisten hilfreich: Mache dir bewusst, was dir wirklich wichtig ist. Dann kannst du bei den vielen Kleinigkeiten des Alltags gelassener sein. Dieser Podcast ist der dritte Teil der Podcast Reihe „Der Königsweg zur Gelassenheit“ mit Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya

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Transkription des Audio Podcast:

Jetzt geht es um die Gelassenheit aus der Perspektives des mittelalterlichen Christentums, um die Lehren von Meister Eckhart.

Im mittelalterlichen Christentum kam der Gelassenheit eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere der Mystiker und spirituelle Lehrer Meister Eckhart sprach in seinen Predigten und Traktaten immer wieder von Gelassenheit. Vielleicht hat Meister Eckhart sogar das Wort Gelassenheit in die deutsche Sprache eingeführt. Zumindest hat er dem Wort Gelassenheit eine besondere Bedeutung zugewiesen, hat vielleicht den Ausdruck popularisiert.

Meister Eckhart lebte von 1260 bis 1328, wurde geboren in Hochheim und ist gestorben in Avignon. Er war ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe, Philosoph und Mystiker. Er war insbesondere jemand, der spirituelle Praxis im Alltag leben wollte und gelebt hat. Er wurde zwar am Ende seines Lebens in einen Inquisitionsprozess verwickelt und war immer am Rande der Verurteilung, und auch ein Papst, namens…. weiß jetzt gar nicht mehr wie der Papst eigentlich hieß, jedenfalls ein Papst hatte ihn zwar nicht als Häretiker verurteilt aber einige seiner Aussagen wurden als Irrlehren bezeichnet, und zwar von Papst Johannes Paul dem 22. und der verbot die Verbreitung der sie enthaltenden Werte, nicht Werke.

Nichts desto trotz hatte Eckhart großen Einfluss auf die Spiritualität im deutschen und niederländischen Raum. Für Meister Eckhart war Gelassenheit ganz entscheidend um Gottes Gegenwart zu erfahren, um Spiritualität im Alltag zu leben. Für Meister Eckhart ging es darum, die Ichbezogenheit loszulassen. Indem der Mensch sich von den vergänglichen Dingen des Lebens löst, kann er sich mehr Gott zuwenden. Zur Gelassenheit von Meister Eckhart und damit den mittelalterlichen Mystikern gehört also eine Neuformulierung der Werte. 1. Gott ist wichtig, es gilt sich im zuzuwenden. 2. Die materiellen vergänglichen Dinge sind nicht so wichtig, es gilt sich von ihnen zu lösen. Gott ist wichtig, ihm gilt es sein Leben zuzuwenden. Die Individualität, das Ich ist nicht so wichtig, davon sollte man sich lösen. Spirituelle Entwicklung ist wichtig, materieller Reichtum ist nicht so wichtig.

Ähnlich formuliert es auch die mittelalterliche Alchemie. Solvet aguala, löse und binde. Löse dich vom Vergänglichen, binde Dich an das Ewige. Diese Grundsätze kannst du für die Entwicklung von Gelassenheit umsetzen, insbesondere wenn Du spirituell oder religiös bist. Dieses Buch ist ja jetzt kein philosophisches Buch, ich werde also jetzt nicht genau versuchen, in der Terminologie von Meister Eckhart die Lehren zu beschreiben, sondern Du kannst Dir diese Grundsätze bewusst machen. Mache Dir bewusst, was wirklich wichtig ist, mache Dir bewusst, was nicht wirklich wichtig ist.

Wenn Du spirituelle Ideale hast, z. B. Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung – dann mach Dir das bewusst. Und mache Dir bewusst, dass das andere nicht so wirklich ist und nicht so wirklich wichtig ist. Also angenommen, Du stehst vor einer wichtigen Entscheidung, dann überlege Dir, was ist wirklich wichtig. Wirklich wichtig ist Gott. Wirklich wichtig ist Deine spirituelle Entwicklung. Vor diesem Hintergrund überlege Dir, wie Du die Entscheidung treffen kannst. Auch wenn Du dann im Alltag durch Höhen und Tiefen gehst, kannst Du dir bewusst machen, ja, vom spirituellen Standpunkt aus sind die Höhen und Tiefen vielleicht wichtig für Dich. Es ist nicht so wichtig, ob Du jetzt Erfolg hast. Es ist nicht so wichtig, ob Menschen Dich mögen oder nicht mögen, es ist nicht so wichtig, ob Du jetzt ein großes oder kleineres Auto hast. Es ist nicht wichtig, ob der Motor deines Autos funktioniert. All das ist nicht so wichtig. Wichtig ist Gott, wichtig ist die Erfahrung Gottes, wichtig ist deine spirituelle Entwicklung.

Diese Grundsätze zur Gelassenheit, die Meister Eckhart gelehrt hat, sind auch nicht religiös interpretierbar und im Alltag durchaus hilfreich. Mache Dir bewusst, was Dir wirklich wichtig ist und mache Dir bewusst, was Dir nicht so wirklich wichtig ist. Indem Du hohe Werte hast kannst Du bei vielem anderem gelassen bleiben. Indem Du Deine hohen Werte so formulierst, dass sie nicht so leicht in Frage gestellt werden, kannst du gegenüber anderem gelassen bleiben.

Beispiel: Deine Partnerschaft ist dir wichtig. Ich hoffe, wenn Du mit Deinem Partner zusammen lebst, hat sie eine gewisse Wichtigkeit. Gut, Meister Eckhart würde jetzt sagen, das ist auch nicht so wichtig, Gott ist wichtig. Partnerschaft ist nicht ganz so wichtig, aber nehmen wir an, Deine Partnerschaft ist Dir wichtig und ein liebevoller Umgang ist wichtig. Und jetzt stellst Du fest, Dein Partner ist unordentlich. Ihr habt euch vielleicht sogar geeinigt darüber, dass Dein Partner seine Socken wegräumt und er tut es trotzdem nicht. Jetzt hängt es davon ab. Ist Dein Partner Dir wirklich wichtig oder ist Dir Ordnung wichtiger? Und ich würde hoffen, dass Dein Partner Dir wichtiger ist als Ordnung. Wenn Du jetzt sagst, ja meine Partnerschaft ist mir wichtig, die Liebe zu meinem Partner ist mir wichtig, dann hast Du das in die richtige Reihenfolge gesetzt. Und dann stellst Du fest, Socken liegen herum und dann wirst du sagen, ob jetzt die Socken herumliegen, ist nicht so wichtig. Wichtiger ist mir die Liebe zu meinem Partner. Du magst jetzt nachher freundlich mit Deinem Partner sprechen, Du magst ihn darauf aufmerksam machen, du kannst vielleicht humorvoll etwas sagen, es gibt viele Möglichkeiten, aber die Partnerschaft ist Dir wichtiger als die Socken, deshalb kannst Du gelassen sein, wenn Dein Partner seine Socken nicht wegräumt.

Oder Dir ist die Beziehung zu Deinem Kind wichtig. Dir ist es wichtig, dass Du weiterhin eine liebevolle Beziehung zu Deinem Teenager hast, auch wenn er nicht Deinen Werten folgt. Dann mag der Teenager andere Werte entwickelt haben. Dann mag er einiges tun, was Du nicht magst. Trotzdem, Dich stört das nicht so sehr denn Du weißt, es ist wichtiger, dass Du eine gute Beziehung zu Deinem Teenager hast. Es ist nicht so wichtig, ob Dein Teenager genauso lebt wie Du es gerne hättest.

Beispiel 3: Gemeinnütziges Engagement. Angenommen, Du hast irgendein Projekt, das Du mit anderen angehen willst. Z. B. Du willst Dich einsetzen für einen vegetarischen Tag pro Woche. Es gibt ja in einigen Städten das Konzept „Veggie Day“. Es gibt eine ganze Bewegung die zum Beispiel den Donnerstag zu einem vegetarischen Tag machen will. Donnerstag ist Veggie Day. Um jetzt diesen Tag zu etablieren, musst Du mit allen möglichen Menschen zusammenarbeiten. Du wirst dann mit Veganern zusammen arbeiten, Du wirst mit Lactovegetariern zusammen arbeiten, mit Ovo-Lactovegetariern, Du wirst auch mit Menschen zusammen arbeiten, die ansonsten noch Fleisch essen, die Alkohol trinken und vieles andere. Wenn es Dir jetzt darum geht, einen vegetarischen Tag in der Woche zu haben, dann ist das Dir wichtig und Du musst einiges zurückstecken. Die kleinen Unterschiede in den Ernährungsphilosophien, über die musst du hinwegsehen. Und auch über die kleinen und größeren Egos. Es wird Leute geben, die sich in den Vordergrund stellen wollen, es wird Menschen geben, die sich leicht aufregen, es wird Menschen geben, die sich nicht an Vereinbarungen halten. Es wird Menschen geben, die sich in den Weg stellen. Wenn für Dich wichtig ist, das Ziel einen vegetarischen Tag pro Woche als Prinzip in einer Stadt einzusetzen und zu etablieren, dann musst Du von all diesen kleinen Sachen absehen können.

Vor dem Hintergrund, dass Du ein höheres Ziel hast, kannst Du bei vielem Kleinen gelassen bleiben. Du kannst Dir jetzt selbst überlegen, diese Form von Gelassenheit zu entwickeln. Du kannst Dir überlegen, was ist mir wirklich wichtig und was ist nicht so wichtig. Vor diesem Hintergrund kannst Du bei vielen kleinen Dingen gelassen bleiben. Jetzt will ich insbesondere sprechen über das Gelassenheitsgebet, das auch im Christentum eine besondere Rolle spielt.

 

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