Yogatherapie für die Verdauung

Wie du dein Verdauungssystem mit Hilfe von Yoga, Ayurveda und Achtsamkeit stärken und reinigen kannst, erklärt Yogatherapeut Raphael Mousa in diesem Artikel.

Die absolut zentrale Bedeutung einer gesunden Verdauung für das gesamte Wohlbefinden ist dem Menschen seit jeher bekannt. In unserer modernen Gesellschaft und der wissenschaftlichen Medizin wird diese oft vernachlässigt, erfährt aber auch hier wieder zunehmende Beachtung.

Ist die Verdauung gestört, meist durch eine falsche Ernährung, äußert sich dies zunächst normalerweise in Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Übersäuerung. Andauernde Verdauungsstörungen können sich aber auch in jeglichem anderen Bereich zeigen, oft etwa am Zustand der Haut und der Psyche.

Verdauungsfeuer als Faktor für gute Gesundheit

Im Ayurveda gilt das Verdauungsfeuer, das Agni, als wichtigster Faktor für eine gute Gesundheit und besonders für ein starkes Abwehrsystem. Es ist dort immer ein zentrales Anliegen das Agni zu stärken und zu reinigen, etwa durch die richtige Diät, Essgewohnheiten, Reinigungsverfahren wie im Panchakarma oder durch ayurvedische Kräuter.

Yoga für die Verdauung

Doch auch das Yoga bietet viele Techniken, um das Verdauungssystem zu stärken und zu reinigen. Dazu gehören insbesondere jene Übungen die den Bauchbereich und das Manipura Chakra (das Nabelchakra) ansprechen. Asanas wie die sitzende Vorbeuge aber auch Drehungen wie der Drehsitz und die Krokodilsdrehung üben Kompression auf die Organe im Bauchraum aus, wodurch diese stimuliert und entgiftet werden können.

In der Bauchlage hingegen kann, etwa im Bogen, tiefe Bauchatmung genutzt werden, um den Bauchorganen mithilfe der Schwerkraft eine sanfte Selbstmassage zu geben. Auch in weiteren Rück- und Seitbeugen oder in der tiefen Hocke werden Organe der Verdauung aktiviert.

In der Pavanmuktasana II Sequenz, die von Swami Satyananda (Schüler von Swami Sivananda und Gründer der Bihar School of Yoga) konzipiert wurde, geht es primär um die Reinigung und Aktivierung der Verdauungsorgane.

So zeigt sich also, dass durchaus ein großer Teil der üblichen Asanas das Verdauungssystem ansprechen können. Mindestens so wichtig wie die genaue Auswahl des Asanas sind dabei Intention, Fokus und Durchführung.

Sehr förderlich ist es den Fokus auf den Bauchraum, das Manipura Chakra und alle angesprochenen Organe zu lenken, die Asanas lang zu halten und dabei tiefe Bauchatmung zu praktizieren. Achtsamkeit und Atmung lenken das Prana und damit den Effekt der Asanas an die entsprechende Stelle.

Langes Halten (etwa ab einer halben und bis zu zehn Minuten) ermöglicht eine tiefe Entspannung aller nicht beanspruchten Muskelpartien in einer Asana. Dies ist besonders wichtig um eine Wirkung auf die Verdauung zu erzielen, da die Organe nur dann tief stimuliert werden können, wenn die Bauchdecke, die oft unbewusst Spannung hält, komplett entspannt.

Yoga Atemtechniken

Doch das Yoga hält noch viele weitere Techniken bereit um die Verdauung zu stärken, als bloß die Asanas. So haben auch Atemtechniken einen großen Einfluss auf die Verdauung. Dies gilt für Kapalabhati und die Wechselatmung, aber erst recht für fortgeschrittenere Praktiken wie Agnisara, Uddiyana Bandha und Nauli sowie weitere yogische Reinigungsübungen (Kriyas).

Mantra und Meditation

Mantra und Meditation können die Verdauung ebenfalls stärken, etwa eine Konzentration auf das Manipura Chakra mit dem Samenmantra des Feuers “Ram” und/oder der Visualisierung des Verdauungsfeuers.

Auch vom Yoga Nidra, einer von Swami Satyananda entwickelten Tiefenentspannungstechnik, die auch therapeutisch eingesetzt wird, gibt es eine speziell für Verdauungsprobleme konzipierte Version. Dort führt der Therapeut den Klienten, der in dieser Phase bereits in einen tief entspannten und suggestiblen Zustand zwischen Schlaf und Wachen versetzt wurde, mit einer Visualisierung von goldenem Prana-Nektar durch den gesamten Verdauungstrakt und alle beteiligten Organe.

Gesunde Ernährung

Natürlich hält das Yoga, wie das Ayurveda, auch viel Wissen zu einer gesunden Ernährung bereit. Dazu gehören insbesondere eine möglichst gewaltfreie und nachhaltige (Ahimsa), reine (Sattva), vielseitige und reichhaltige Diät mit festen Essenszeiten und ausreichenden Erholungsphasen von bis zu 16 Stunden ohne Nahrungsaufnahme zwischen den Mahlzeiten (Intervallfasten) sowie regelmäßige Phasen des Verzichts (z. B. alle zwei Wochen ein Tag des Fastens). Achtsames, dankbares und genussvolles Essen, am besten in Stille und nicht bis zur Fülle, sind mindestens ebenso wichtig.

In der Yogatherapie-Abteilung im Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg kannst du all diese Techniken auch in Einzelsitzungen und auf deine spezifische Thematik angepasst in Anspruch nehmen.

Wenn du deine Verdauung, oder einen anderen Bereich deiner Gesundheit, mit yogischen Techniken fördern möchtest, bist du also herzlich willkommen persönlich in der Anmeldung der Yogatherapie im Haus Shanti vorbeizukommen oder dich per E-Mail oder telefonisch in unserer Abteilung zu melden unter yogatherapie@yoga-vidya.de oder 05234 87- 2245 oder -2250 (AB ist geschaltet).

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Der Autor

Raphael Mousa

Raphael Mousa ist Yogalehrer, Yogatherapeut und Ayurveda Gesundheitsberater und schreibt seine Doktorarbeit über den Austausch von Yoga und Psychotherapie. Er wurde in Indien und Deutschland in den Yoga-Traditionen von Sivananda, Satyananda und Iyengar ausgebildet. In Indien war er außerdem in der Yoga-Klinik Arogyadham tätig und hat in zahlreichen Ashrams und heiligen Stätten gelernt und praktiziert.

Für seinen Bachelor in Ethnologie und Psychologie und seinen Master in Medizinanthropologie hat er in Nepal über Schamanismus geforscht. Weiterhin hat er Kurse und Retreats, u. a. in Klangtherapie, Vipassana, Tantra, tibetischem Buddhismus, Ayurveda, traumasensiblen Yoga, psychologischer Yogatherapie, Reiki und Kundalini Yoga absolviert.

Bei Yoga Vidya Bad Meinberg ist Raphael Sevaka in den Abteilungen für Yogatherapie und Ayurveda tätig und gibt u. a. yogatherapeutische Einzelsitzungen, Yogastunden, Pranayama, ayurvedische Konsultationen und Massagen.

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