34 Gelassenheit durch philosophische Fragestellung: Was ist die Welt?

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Was ist die Welt? Was ist Brahman? Brahma Satyam. Jagan Mithya. Jivo Brahmaiva Napara. Mit diesen 3 Sätzen beschreibt der große indische Philosoph, Vedanta und Yoga Meister, Sankara bzw. Shankaracharya, die höchste Wirklichkeit: Brahman allein ist wirklich. Die Vorstellung einer von Brahman getrennten Welt ist Illusion. Das Individuum ist eins mit Brahman. Was heißt das im Alltag? Was hat das mit Gelassenheit zu tun? Indem du dir bewusst machst: Überall ist Brahman – brauchst du keine Angst zu haben. Indem du spürst: Du kannst in allem Brahman erfahren – kannst du voller Freude und Gelassenheit leben. Die Welt ist Traum Gottes. Alles sind Traumgestalten Gottes. Dein Bewusstsein ist das Bewusstsein hinter dem Traum – und damit das Bewusstsein Gottes. Das kannst du im Alltag spüren – und aus dieser Verwirklichung heraus leben.

34. Folge des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcasts

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Was ist die Welt? Was ist wirklich? Der große Jnana Yogi, Vedanta Meister, indischer Philosoph um 800 n.Chr., Shankaracharya, fasst es so zusammen: „Brahma satyam jagan mithya jivo brahmaiva naparah. Brahman allein ist wirklich. Jagan, die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist unwirklich, eine Illusion. Das Individuum ist nichts anderes als Brahman allein.“ Oder in der poetischen Übersetzung von Rückert: „In drei Sätzen sei es verkündet, was man in tausend Büchern findet: Braman ist wirklich, die Welt ist Schein, das Selbst ist nichts als Brahman allein.“ Brahma satyam – es gibt eine unendliche Wirklichkeit hinter allem. Jagan mithya – die Welt, wie du sie wahrnimmst, ist nicht so, wie du sie wahrnimmst. Jivo brahmaiva naparah – das Individuum ist nichts anderes als Brahman. Du kannst die Welt ansehen als Traum Gottes. Und du bist Traumgestalt im Traum Gottes.

Wenn du dir vorstellst, die Welt, die du so erlebst, ist wie ein Traum, dann kannst du dir überlegen: Wer träumt überhaupt? Du kannst sagen: „Ich träume.“ Wenn du träumst, dann träumst du die Welt. Du liegst im Bett, schläfst, du träumst eine ganze Traumwelt, eine vollständige Welt. Und in dieser Traumwelt identifizierst du dich mit einer Traumgestalt. Und obgleich du als Träumender der ganze Traum bist und damit auch jeder Mensch, der dir entgegentritt, siehst du die Welt aus den Augen eines Individuums. Aber du weißt es nicht. Vielleicht sieht dieser Träumende die Welt auch durch die Augen der anderen Individuen. Im Traum selbst siehst du die Welt nur durch die Augen eines Individuums. Aber eigentlich muss man sagen, der Träumende träumt ja nicht nur dich, er träumt alle Traumgestalten. Und da die Traumgestalten so tun, als ob sie ein Bewusstsein haben, haben sie vermutlich auch ein Bewusstsein, und sie handeln als ob sie Bewusstsein hätten.

Wenn also diese Welt wie ein Traum ist, dann gibt es jemanden, der träumt. In der indischen Mythologie gibt es dazu verschiedene Mythen und es gibt unter anderem den Mythos, dass Brahma, der Schöpfer, diese Welt träumt. Es heißt deshalb, dass die ganze Welt aus einem Gedanken von Brahma besteht. Brahma träumt diese Welt. Brahma ist in Wahrheit der Schöpfer. Und Brahma hat ein Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein von Brahma ist das, was die Welt erschafft. Die ganze Welt besteht aus nichts anderem als dem Bewusstsein von Brahman. Und jede Einzelseele ist nichts anderes als das Bewusstsein von Brahman. Auch wenn du selbst träumst, werden sich nicht andere Bewusstseinseinheiten in den Traum einschleichen. Wenn du träumst, gibt es nur ein Bewusstsein, und dieses Bewusstsein hat den Traum geschaffen, hat die Einzelseelen erschaffen, sowohl die Seele, die du selbst scheinbar bist, als auch die anderen Seelen.

Jedes Individuum ist Ausdruck des einen Bewusstseins. So ähnlich träumt dieses höchste Bewusstsein diese Welt, deshalb ist die ganze Welt nichts anderes als Brahman. Dieses höchste Bewusstsein träumt aber auch jede Einzelseele, daher ist jede Einzelseele auch nichts anderes als Brahman. Du kannst dir das mal die nächsten Tage bewusstmachen. Du kannst dir bewusstmachen: „Ja, alles ist Ausdruck Brahmans. Die Sonne ist Ausdruck Brahmans, die Wolken Ausdruck Brahmans, der Computer Ausdruck Brahmans, die Autos Ausdruck Brahmans, die ganze Welt ein Traum Brahmans, die ganze Welt ist ein Ausdruck dieses Höchsten.“ Und wenn hinter allem dieses eine unendliche Brahman ist, dann kannst du es auch überall spüren und fühlen.

So ähnlich ist es auch, wenn ein Individuum im Traum aufwacht, dann ist es der Träumende geworden. Es war es die ganze Zeit, aber jedes Individuum, das im Traum aufwacht, wird wieder zum unendlichen Bewusstsein, also zu dem Bewusstsein des Träumenden. So ähnlich ist es, wenn du aufwachst aus diesem Traum, dann erfährst du dich selbst als der Träumende. Und damit erfährst du dich als Brahma, der Schöpfer, der träumt, dessen Bewusstsein letztlich Brahman ist, das unendliche Bewusstsein. Aber es gibt auch das so genannte luzide Träumen. Beim luziden Träumen weißt du, dass du träumst. Im luziden Träumen bist du sehr gelassen. Du kannst die Welt des Traums genießen, du kannst auch auf sie einwirken, du kannst dich auch in der Traumwelt treiben lassen. Manchmal hast du diese Erfahrung, wenn du aufgewacht bist, aber der Wecker hat noch nicht geklingelt, es ist viel zu früh, du legst dich wieder hin, und dann die nächsten Minuten bist du in einer Art Döszustand. Du bist nicht ganz wach, du träumst nicht ganz, du schläfst nicht ganz, du bist dir bewusst, was du träumst, du genießt diesen Traum und kannst ihn sogar bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Indem du so träumst, kannst du aber sehr gelassen sein. Selbst wenn im Traum dann schlimme Sachen geschehen, es macht dir nichts. Du weißt, du träumst und du kannst den Traum auch beeinflussen.

So ähnlich gibt es den Ausdruck „Jivanmukta“, ein lebendig Befreiter. Er weiß, dass er träumt, er weiß, dass hinter allem das Göttliche ist, er kann dieses Göttliche auch wahrnehmen, er kann gleichzeitig die Welt wahrnehmen, wie andere sie wahrnehmen. Und so kann er auch in der Welt des Traumes handeln und auch einiges bewirken. Er kann jederzeit in den Zustand des Aufwachens kommen, kann jederzeit aber auch in der Welt aktiv werden. So sagt ja auch Jesus: „Sei in der Welt, sei nicht von der Welt.“

Die nächsten Tage erfahre das immer wieder. Löse dich immer wieder von dem für Wahr-Halten dieser Begrenzungen der Welt. Gelassen kannst du so durch den Alltag gehen. Wenn du weißt, alles ist Teil des Spiels Gottes, wenn du weißt, alles ist Ausdruck des gleichen Bewusstseins, dann macht es nichts, wenn ein anderer dich beschimpft, dann macht es nichts, wenn Dinge schiefgehen, dann macht es nichts, wenn jemand dir Angst einjagen will. Es ist alles kosmischer Traum. Und auch der, der dir das Schlimmste antun will, ist in Wahrheit dein eigenes Selbst. In Wahrheit ist das Lila, kosmisches Spiel. Im Rahmen dieses kosmischen Spiels hast du einiges zu tun. Es ist Traum von Brahma, des Schöpfers, und als solcher bist du eine Traumgestalt des Schöpfers. Natürlich, im höheren Sinne, bist du der Schöpfer selbst, ist dein Bewusstsein das Bewusstsein des Schöpfers. Aber auf einer anderen Ebene kannst du sagen: „Gott träumt mich und Gott träumt alle anderen. Gott gibt mir dabei Aufgaben, und ich tue die Aufgaben, die zu tun sind, aber gelassen. Ich kann nicht wirklich etwas falsch machen, denn es ist ja eigentlich ein Traum. Und es ist Traum Gottes. Gott träumt ihn. Und ich tue, was ich kann, aber ich weiß, letztlich bin ich Teil des Traumes Gottes. So kann ich sehr ruhig und gelassen umgehen.“

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