62 Einführung in die Ärger-Transformations-Atmung

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Es ist recht einfach, Alltagsärger und Reizbarkeit umzuwandeln in positiv nutzbare Energie – mit dem Ärger-Transformations-Atem. Diese Atemtechnik ist eine Abwandlung der Hatha Yoga Übung Murcha Pranayama. Sukadev erläutert dir in diesem Podcast, warum und wie diese Übung wirkt, und wie du sie einsetzen kannst.

Dies ist die 62. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast. Ein Mitschnitt eines Seminars „Gelassenheit entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg

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Ich werde heute eine kurze Einführung geben, was ist die Ärger-Transformationsatmung, auch Murcha genannt, eine Atemübung, um dich gelassener zu machen und Ärger umzuwandeln in positiv nutzbare Energie.

Neben der Angst ist die zweite Sache, die einem natürlich die Gelassenheit rauben kann, Ärger, Zorn. Auch hier, vom Kundalini Yoga Standpunkt aus, Ärger, insbesondere Alltagsärger, ist nichts anderes als manifestierte Energie, auch wieder Energieerweckung. Und Energieerweckung ist doch eigentlich gut. Angenommen es ist später Nachmittag, eigentlich ist man müde, man kriegt nicht mehr ganz hin, die letzten Emails zu bearbeiten, die man sich klugerweise für den Nachmittag aufgehoben hat. Kreative Tätigkeiten setzt man ja besser auf den Vormittag, das gilt zumindest für die meisten Menschen, es sei denn, man ist der spätnachmittags kreative Mensch. Irgendwo freut man sich, der Arbeitstag ist bald zu Ende. Und plötzlich liest man eine Email, die unverschämt ist. Frage: Wie fühlt man sich? Wie ist das Energieniveau? Plötzlich, Kundalinierweckung. War man noch vorher müde spürt man jetzt plötzlich, wie alle Fasern des Wesens durchdrungen sind von dieser Energie. Eigentlich hätte man jetzt große Lust, schnell hoch zu rennen und diesen Kollegen zur Rede zu stellen. Aber zunächst einmal, wenn man es objektiv und neutral betrachtet, es ist Energie. Energie ist gut. Übrigens vermutlich, was ihr alle wisst, wenn man eine Email kriegt, über die man sich ärgert, was darf man unter keinen Umständen machen? Sofort antworten. Wenn man antwortet, unbedingt wichtig, nicht abschicken. Am besten in den Papierkorb oder irgendwo ablegen und vielleicht als Beispiel aufheben, wie man niemals eine Email beantworten darf. Also niemals eine Email am gleichen Tag schreiben, wenn man sich über etwas geärgert hat. Diese Stürme der Entrüstung, die dort entstehen… Normalerweise funktioniert es nicht. Stattdessen, was man machen kann, ist, auch wieder erst mal sich bewusst machen, Ärger ist auch wieder vom Kundalini Yoga Standpunkt her gesehen eine Energieaktivierung, vom evolutionsbiologischen Standpunkt etwas sehr Sinnvolles, dass der Mensch, wenn er angegriffen wird, sofort Energie bekommt, sich zur Wehr setzen kann, dass, wenn er nicht berücksichtigt wird, von der Gruppe nicht ausreichend zu Essen kriegt oder ausgeschlossen wird, dass er Energie bekommt, um sich durchzusetzen. Oder wenn Ungerechtigkeit irgendwo herrscht, dass Menschen dagegen etwas tun, deshalb hat die Natur diese Energiemanifestationen aktiviert und so war das sinnvoll und ist auch jetzt sinnvoll.

Erster Schritt wäre also, erst mal sich darüber freuen. Also, das nächste Mal, wenn euch etwas ärgert, erster Schritt wäre, freut euch darüber. Zweiter Schritt ist natürlich, diese Ärgeraktivierung nicht gleich ausdrücken. In unserer heutigen Gesellschaft sagt man: „Wer schreit, hat unrecht.“ Weshalb in den seltensten Fällen ihr etwas Positives bewirkt, wenn ihr gleich schreit. Wenn ihr gleich eine Mail abschickt, dann könnt ihr einen Kunden verlieren, ihr könnt eine Abmahnung kriegen, ihr könnt das Verhältnis mit einem Kollegen dauerhaft stören, ihr könnt mit euren Freunden in Probleme geraten, es kann eine Partnerschaftskrise geben usw. Hoffentlich ist es so, dass eine gute Partnerschaft so etwas aushält, wenn man mal sehr ärgerlich ist und so eine Email verschickt. Oder auch wenn es mündlich ist, wenn ihr gleich voller Ärger antwortet, könnt ihr euren Job verlieren, Kunden verlieren, Kundenbeziehung stören, Kollegenbeziehung stören usw. Und selbst, wenn das nicht so schlimm wird, euer Anliegen wird zumindest nicht ernstgenommen.

In Deutschland gilt: „Wer schreit, hat unrecht.“ Wenn ihr das gegenüber eurem Partner macht, angenommen, ihr habt so ein cholerisches Temperament, was macht ein Partner in einer guten Partnerschaft? Hört weg, abschalten, warten bis Sturm vorbei ist, „meiner Liebsten ist eine Laus über die Leber gelaufen, warte ich erst mal ab, in einer Stunde ist sie wieder zurechnungsfähig“. Ist auch eine Strategie. Anders wäre es, wenn ihr nur einmal im Vierteljahr ärgerlich werdet, dann kann das unglaublich wirkungsvoll sein. Oder auch wenn ihr Chef seid und cholerisch seid, selbst dann, Sevaka haben sich irgendwann daran gewöhnt, „warten wir mal ab, bis er wieder ruhig ist, hat vielleicht Probleme zu Hause, hat vielleicht eine schwierige Partnerschaft oder hat mit den Kindern Probleme oder ist gerade besonders gefordert, Pflegefall in der Familie, muss ich irgendwie aushalten“. Menschen haben ja so ihre Strategien. Damit ist einem aber nicht gedient, denn wenn man ärgerlich ist, hat man ja typischerweise ein Anliegen. Und dass es ignoriert wird, macht es auch nicht besser, und wenn man dann lauter schreit, macht es das auch nicht besser.
Daher, besser ist erst mal, wie es so schön heißt, tief durchatmen. Tief durchatmen heißt übrigens TIEF durchatmen und tief ist hier unten. Die meisten Menschen, denen man sagt, tief durchatmen, was machen sie? Hoch atmen. Übrigens, wenn man bisher noch nicht richtig ärgerlich ist, da muss man hier oben atmen. Im Sinne von Gemütsmodifikation, ihr wollt irgendwie ein bisschen ärgerlicher sein, könnt ihr auch mal ausprobieren. Aus einem leichten Ärger kriegt ihr so einen etwas stärkeren Ärger zustande. Yoga heißt ja auch Freiheit. Im Raja Yoga ist eines der Ziele, die man hat, Freiheit, da kann es ja mal gut sein, wenn man sagt, man will ein bisschen ärgerlicher sein. Das kann ja auch mal hilfreich sein. Dann kann man auch gelassener sein, man ist dem Ärger gar nicht so ausgeliefert, man kann ihn auch steigern, wenn man will, und man kann ihn umwandeln, wenn man will. Und wenn man ihn umwandelt, macht man das über tiefe Bauchatmung. Aber jetzt gibt es einen Unterschied zur Lampenfieber-Transformationsatmung.

Bei der Ärgertransformation atmet man doppelt so langsam aus wie ein. Um das mal zu probieren ist es hilfreich, aufzustehen. Diese Übung nennt sich auch Murcha, für diejenigen, die wissen wollen, wie diese Übungen heißen. Eine Übung zur Beruhigung des Geistes. Jetzt für die Ayurveda Experten unter euch, das ist eine Übung, um Pitta-Element zu reduzieren und umzuwandeln in ruhige Energie. Pitta, für die Nicht-Ayurvedaexperten, ist Feuer in einem. Also, das unruhige Feuer zu harmonisieren, dazu ist Murcha da. Diese Übung kann übrigens auch helfen, Entzündungsschmerz zu reduzieren, kann auch helfen, Kopfschmerzen zu reduzieren, kann auch helfen, Allergien zu reduzieren, auch Heuschnupfen usw. Insbesondere aber hilft sie, Ärger reduzieren. Was heißt das? Langsam einatmen und doppelt so langsam ausatmen. Beim nächsten Mal werde ich zu dieser Atemübung anleiten. Du kannst also gespannt sein, wie sie tatsächlich geht.

4 Kommentare zu “62 Einführung in die Ärger-Transformations-Atmung

  1. Liebe Aruna, die Anleitung ist jetzt als Video mit eingefügt. danke für deine Geduld.

  2. Etwas ärgerlich, dass die Anleitung am Ende noch nicht dabei ist… da muss ich wohl solange das Geduldspranayama üben…
    Namasté
    Aruna

  3. Etwas ärgerlich, dass die Anleitung am Ende noch nicht dabei ist… da muss ich wohl soange das Gedultspranayama üben…
    Namasté
    A

  4. Gerade habe ich mich so geärgert, also einatmen und doppelt solange ausatmen!
    DANKE
    Om om om Wuschel

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