Demokratische und ethische Prinzipien bei Yoga Vidya

Yoga Vidya lehrt klassisches Yoga in all seinen Aspekten, für Gesundheit, Wohlbefinden, mehr Energie, Persönlichkeitsentwicklung und spirituelle Entwicklung. Uralte bewährte Prinzipien werden kombiniert mit modernen Erkenntnissen, Einsichten und Techniken.

Klassische indische Ashramprinzipien und traditionelle Yoga Didaktik werden mit modernen demokratischen, humanistischen, modern-berufsethischen Prinzipien sowie Techniken aus der gewaltfreien Kommunikation ergänzt. Insbesondere werden traditionelle hierarchische Strukturen durch basisdemokratische Elemente ersetzt soweit praktikabel und sinnvoll.

Dabei ist Yoga Vidya e.V. einem humanistisch-spirituellen Welt- und Menschenbild verpflichtet, das von Respekt zu allen Menschen unabhängig ihrer religiösen, kulturellen, ethnischen Herkunft geprägt ist und steht auf der Basis des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Traditionelles Yoga mit modernen Prinzipien

Bei Yoga Vidya werden Yoga Übungen und Praktiken angepasst gemäß medizinischen, sportwissenschaftlichen und psychologischen Studien sowie ergänzt mit Techniken aus anderen Traditionen.

Anders als rein traditionelle Yoga Bewegungen geht Yoga Vidya nicht davon aus, dass bei Konflikten und Problemen das Ego des Schülers die Ursache ist, sondern dass Konflikte zum Leben dazu gehören, Wachstumschancen für alle bieten und im Zweifelsfall die diversen Bedürfnisse des Yoga Übenden besondere Wichtigkeit haben.

Hier einige Beispiele dafür:

Demokratische Organe und Rechtsprinzipien

Yoga Vidya e.V. hat über 4000 Mitglieder aller Altersgruppen. Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung für 3 Jahre gewählt. Sie beschließt über Satzungsänderungen, große Projekte etc.

Die Gemeinschaftsmitglieder, die in den Ashrams und Zentren leben, treffen sich wöchentlich zur Sevaka-Versammlung, in der alle wichtigen Beschlüsse für das Gemeinschaftsleben per Stimm-Votum gefasst werden.

Mitglieder in Verantwortungspositionen werden von allen Sevakas oder den Team-, Center-, Ashram, Bereichsleiter*innen des betreffenden Teams gewählt bzw. abgewählt. In Schulungen durch externe Coaches werden sie u.a. in gewaltfreier Kommunikation geschult und können Supervision in Anspruch nehmen. Neue Mitglieder in der Gemeinschaft werden von der Sevaka-Versammlung gewählt bzw. ausgeschlossen.

Gewaltprävention

Zur Gewalt-/Missbrauchsprävention wählen die Gemeinschaftsmitglieder entsprechend geschulte Vertrauenspersonen. Schriftliche Richtlinien erleichtern den Umgang mit Konflikten. Verbale, physische, psychische oder sexuelle Gewalt, die schwerwiegend gegen die allgemein geltenden Gesetze verstoßen, werden zur Anzeige gebracht. Dazu gehören alle Formen von körperlichen Misshandlungen, mutwillige oder gezielte Zerstörung von Gegenständen und der Übergriff auf Tiere.

Auch Fälle psychischer Gewalt in Form von emotionaler Schädigung, verbalen Drohungen, Beleidigungen, Ausnutzung einer Machtposition oder einschüchterndes kontrollierendes Verhalten werden geahndet. Gleiches gilt für nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen, wie Belästigung, unerwünschte Berührungen und wiederholt anzügliche Bemerkungen.

Jede Form von Gewalt gegen Kinder wird als besonders schwerwiegend betrachtet, dem Jugendamt gemeldet und ggf. angezeigt. Bei Gewaltausübung gegen Tiere wird der Tierschutz hinzugezogen.

Zur Gewaltprävention werden für alle Sevakas und Angestellte in Verantwortungspositionen regelmäßige Schulungen zum Thema Ahimsa/Himsa und Konfliktlösung durchgeführt. Die Teilnahme ist für alle Gemeinschaftsmitglieder verpflichtend.

Verhaltensempfehlungen bei Vorstufen von Gewalt

Den Gemeinschaftsmitgliedern empfiehlt Yoga Vidya eine klare Kommunikation, was als unerwünscht bzw. als Regelverstoß empfunden wird. Jeder ist in der Verantwortung, seine Grenzen freundlich, aber unmissverständlich aufzuzeigen.

Für aufklärungsbedürftige Situationen sollte eine Person, die das Vertrauen des/der Betroffenen genießt, hinzugezogen oder sich an die offiziell gewählten Vertrauenspersonen gewandt werden.

Scheitern Aufklärung oder Schlichtung, sollte sich die/der Betroffene an das Sevabüro, Team-, Bereichs-, Ashramleiter*innen, die dafür bestimmte externe Ahimsa-Beauftragte und/oder Polizei/Staatsanwaltschaft wenden.

Die Ahimsa-Beauftragte ist im Umgang mit allen Formen von körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt geschult und kann jederzeit angerufen werden.

Der Shanti-Rat

Der alle 2 Jahre neu gewählte Shanti-Rat ist eine Berufungsinstanz für Sevakas, die mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind. Dies können Entscheidungen zur Unterstützungskasse, Konsequenzen bei Gewaltausübung, Ausschluss aus der Gemeinschaft, Hausverbote, ungerechte Behandlung durch Team- oder Bereichsleiter*innen u.a. sein.

Dabei wählt der Shanti-Rat – nachgeschaltet zu den unmittelbar zuständigen Gremien ‑  Mittel der Schlichtung/Anhörung. Er ist nicht zuständig für Beschwerden von Gästen und Teilnehmer*innen.

Berufsethische Prinzipien des BYV

Der Berufsverband für Yogalehrende (BYV) ist von der Mitgliederzahl her der zweitgrößte YogalehrerInnen-Verband Deutschlands und bildet jährlich um die 1000 YogalehrerInnen aus.

Hier Auszüge aus den Ethikrichtlinien des BYV:

Verhältnis LehrerIn/AnbieterIn – SchülerIn/ NachfragerIn

Die Mitglieder des BYV sind sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren SchülerInnen/ TeilnehmerInnen bewusst und verpflichten sich:

  • 7. die Würde, Entscheidungsfreiheit, Eigenverantwortung und Persönlichkeit der SchülerInnen/- TeilnehmerInnen zu achten und zu respektieren;
  • 8. zur Gleichbehandlung aller Personen ungeachtet ihres Geschlechts, ethnischen Ursprungs oder nationaler Zugehörigkeit
  • 9. alle Techniken zu unterlassen, die auf eine manipulative Beeinflussung des Willens anderer abzielen
  • 10. auf jede Art von materieller, psychischer oder sozialer Ausnutzung zu verzichten
  • 11. das Wissen über die SchülerInnen/TeilnehmerInnen vertraulich zu behandeln und nicht an Dritte weiterzugeben
  • 12. zur Toleranz gegenüber anderen Lebens- und Weltanschauungen, politischen oder religiösen Überzeugungen

Tätigkeits- und Selbstverständnis

Die Mitglieder des BYV sind sich ihrer Verantwortung gegenüber ihrem Berufsstand bzw. ihrer Arbeitsmethode bewusst und verpflichten sich

  • 13. sich fortzubilden und für ihre Weiterentwicklung zu sorgen
  • 14. nur solche Strategien und Methoden anzuwenden und anzubieten, in denen sie Kompetenz und/oder berufliche Qualifikation erworben haben
  • 15. andere Methoden und Arbeitsansätze zu achten, sowie ihren Kollegen mit Respekt und Aufrichtigkeit zu begegnen
  • 16. die Freiheit, Eigenverantwortlichkeit und Gesundheit des Einzelnen zu fördern und zu erhalten
  • 17. zur Ausrichtung auf Gewaltfreiheit

Die Mitglieder des BYV grenzen sich von allen totalitären, autoritären und solchen Tendenzen ab, die die Entfaltungsfreiheit oder die Würde des Menschen bedrohen oder verletzen. Sie teilen eine ganzheitliche Sichtweise.


Hast du Interesse, Mitglied unserer Spirituellen Gemeinschaft zu werden? Informationen zu Thema „Sevaka werden“ findest du unter nachfolgendem Link.

Sevaka werden bei Yoga Vidya→

3 Kommentare zu “Demokratische und ethische Prinzipien bei Yoga Vidya

  1. Hervorragend! Das sind Prinzipien, die meiner Meinung nach genau in die richtige Richtung weisen. Sie bestätigen mir, dass ich bei Yoga Vidya an der richtigen Stelle bin.

    Lediglich zu drei Stellen habe ich eine Anmerkung/ Frage:

    In den Berufsethischen Prinzipien heißt es:
    „Die Mitglieder des BYV sind sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren SchülerInnen/ TeilnehmerInnen bewusst und verpflichten sich: (…)
    8. zur Gleichbehandlung aller Personen ungeachtet ihres Geschlechts, ethnischen Ursprungs oder nationaler Zugehörigkeit.“
    -> Warum werden hier nur diese drei Kriterien herausgegriffen? Warum nicht auch sexuelle Orientierung? Religionszugehörigkeit…?

    Außerdem:
    „12. zur Toleranz gegenüber anderen Lebens- und Weltanschauungen, politischen oder religiösen Überzeugungen.“
    -> Das sollte dringen eingeschränkt werden: Rechtsextreme, rassistische, autoritäre und gewaltverherrlichende usw. Weltanschauungen und Überzeugungen sollten bereits hier explizit als nicht tolerierbar genannt werden, nicht erst in dem späteren Zusatz „Die Mitglieder des BYV grenzen sich von allen totalitären, autoritären und solchen Tendenzen ab, die die Entfaltungsfreiheit oder die Würde des Menschen bedrohen oder verletzen.“ Sonst stehen diese beiden Stellen im Widerspruch.
    Übrigens würde ich mir sehr wünschen, dass Yoga Vidya sich insgesamt noch expliziter öffentlich von rechtsextremen Tendenzen abgrenzt, diese als unvereinbar mit unserer Interpretation von Yoga und als innnerhalb von YV unerwünscht auch beim Namen nennt.

    Zuletzt:
    „7. die Würde, Entscheidungsfreiheit, Eigenverantwortung und Persönlichkeit der SchülerInnen/- TeilnehmerInnen zu achten und zu respektieren“
    -> Daraus folgt, dass niemand bei Yoga Vidya zur Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen, wie Satsang, Meditation, Vorträgen, gedrängt oder genötigt werden darf. Jegliche spirituelle Praxis kann nach dem oben genannten humanistischen Weltbild ausschließlich freiwillig geschehen und als Angebot weitergegeben werden. Also z.B. von Teilnehmer*innen einer Fortbildung zu verlangen, auch aunahmslos alle Vorträge, Satsänge usw. zu besuchen, ist hiermit nicht vereinbar. (Selbstverständlich kann sich YV in dem Fall vorbehalten, kein Zertifikat auszustellen.)

    Mit diesen kleinen Einschränkungen/ Ergänzungen finde ich diese Satzung und ethischen Prinzipien großartig, freue mich sehr darüber und hoffe, dass sie lebendig weiterentwickelt und gelebt werden.

    Om Shanti

  2. Finde wirklich sehr, sehr gut und in der Yogawelt wohl absolut einzigartig und zukunftsweisend. Wichtig vor Allem: Das starke Bekenntnis zur Demokratie und zu unserer Verfassung.

    Einziger, kleinerer Kritikpunkt: Von der ‚gewaltfreien Kommunikation‘ halte ich persönlich wenig, weil ich denke, dass sie nicht das Potenzial hat, Probleme zutage zu fördern und Lösungen aufzuzeigen.“

    Im Ganzen aber sehr beachtlich. Dazu kann man stehen. Bravo und tat sat.

  3. Ethische Prinzipien müssen unabhängig von persönlichen Interessen und gewohnten Verhaltensweisen alle Lebewesen mit einbeziehen und dürfen nicht unsere Brüder und Schwestern aus dem Tierreich insbesondere die Kühe, Rinder und Kälber ausgrenzen. Ansonsten distanzieren wir uns von unseren eigenen Heiligen Lehren und machen uns unglaubwürdig und zu Heuchler.

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