Die Kogi als Hüter der Erde haben eine Botschaft an jeden Einzelnen von uns!

Die Kogi sind die letzte lebende Zivilisation aus der Welt der Inka und Azteken im Norden Kolumbiens. Ihr Lebensort bleibt bislang von der Welt unberührt. Das Gebirge Sierra Nevada de Santa Marta auf dem die Kogi leben, ist eine isolierte Pyramide, die mehr als 5.500 Meter über das Meer hinausragt. E ist damit der höchste Küstengebirge der Erde. Die Sierra Nevada de Santa Marta befindet auf einer separaten tektonischen Platte und die einzigartige Struktur ist eine Miniversion unseres Planeten. Sie repräsentiert alle Klimazonen. Das Gebirge ist ein Mikrokosmos, ein Spiegel unseres Planeten, auf der jede ökologische Zone repräsentiert ist und auf dem beinahe alle Pflanzen und Tiere ein Zuhause finden können.

Es leben etwa 21.000 Kogi, die sich mit drei anderen Brüderstämmen auf ein Gebiet von der Größe des Saarlandes verteilen. Die Kogi leben wie vor tausenden Jahren und wollen ihre Kultur erhalten und genauso weiterleben. Das Volk ist somit eines der wenigen Völker auf der Erde, die ihr Land größtenteils behalten haben, ihre Sprache und Kultur erhalten konnte und sich nicht von anderen Kulturen beeinflussen ließ. Sie leben auch bis heute isoliert und zurückgezogen.

Ihre Heimat, die Sierra Nevada de Santa Marta, hat nicht nur die Form eines Herzens, die Kogi sehen ihr Gebiet auch als das Herz der Welt an. Sie sehen sich seit Menschengedenken als die Hüter der Erde. Sie leben, um die Erde zu erhalten und im Gleichgewicht zu halten. Sie glauben, wenn das Herz stirbt, stirbt auch die gesamte Erde. Ihre Rituale und Gebete verrichten die Kogi an heiligen Plätzen in der Natur: an Quellen, Felsen, Bergseen, Flussmündungen und anderen. Jeder dieser Plätze hat eine bestimmte Bedeutung. Sie selbst nennen sich „Ältere Brüder“ und uns nennen sie „Jüngere Brüder“, welche seit geraumer Zeit die Balance der Welt zerstören.

Das natürliche Gesetz war den ersten Menschen, den „Älteren Brüdern“, gegeben. Es steht in den Farben geschrieben. Es ist auf die Steine geschrieben und es ist im Wasser, es ist in den Farben der Berge und dem Land, es ist in der Farbe der Ozeane und den Flüssen und dem Schnee. Es ist in den Farben der Pflanzen und der Bäume. Es ist in den Farben der Vögel, der Fische und allen anderen Tiere. Es ist in den Farben der Menschen – die braunen, die weißen und die schwarzen Menschen, die roten und die gelben Menschen und in den Menschen aller Farben, die dazwischen liegen. Der „Jüngere Bruder“ kann lernen, die Farben zu lesen, mit viel spiritueller Arbeit und Bemühung, sagen die Kogi.

Aluna – das All-Eins

Nach der Vorstellung der Kogi existierte am Anfang nichts: kein Land, kein Wasser, keine Pflanzen oder Tiere, keine Menschen. Es existierte allein Aluna. Aluna ist die kreative Vorstellung, der Geist, das Bewusstsein. Alles ist durch Aluna kreiert. Nichts existiert ohne die Vorstellung dessen. Nichts entsteht, bevor es nicht gedacht und gefühlt ist. Genauso verhielt es sich mit Aluna. Alles war zunächst in Aluna gedacht. Alles entstand durch die Kraft der Gedanken. Die Gedankenkraft ist die Quelle allen Seins. Aluna ist alles, alles, was war und jemals sein wird. Die „Älteren Brüder“  und die „Jüngeren Brüder“  sind durch die kreative Kraft der Gedanken Alunas geboren. Die Mutter Aluna kreierte alle Menschen. Die ersten Menschen kreierte sie, weil sie auf die Erde aufpassen sollten: die Pflanzen, die Bäume, die Tiere. Sie sollten auf sie aufpassen und sie nicht dominieren oder ausbeuten.

Die Kogi errichten ihrer Muttergöttin Aluna einen hüttenartigen Tempel in der Form einer Gebärmutter. Durch eine Öffnung, die die Vagina symbolisiert, soll die Göttin befruchtet werden.

Die Botschaft der Kogi an uns

Wir sind da, um dieses Gebirge zu beschützen, denn so beschützen wir die Erde und die Welt. Alle Gebirge liegen im Sterben, denn der „Jüngere Bruder“ zerstört sie, indem er Kohle und Öl daraus hervorholt und die Erde überwärmt. Wir sind dafür nicht verantwortlich, aber wir leiden darunter. Wir sind die Älteren Brüder, es liegt in unserer Verantwortung, über die Erde und die Welt zu wachen. Wir müssen das Gleichgewicht bewahren und wir führen dafür die ganze spirituelle und geistige Arbeit aus. Wir sind traurig, zu sehen, dass nicht alle Menschengruppen das tun, was sie tun sollten, um die Erde zu achten. Wir brauchen den „Jüngeren Bruder“, damit er uns hilft. Ihr müsst die Erde und die Welt verstehen lernen. Der „Jüngere Bruder“ muss uns helfen, unsere Erde wieder zurückzuerhalten. Helft uns, das Herz der Welt zu schützen!

Die Kogi entschieden sich nach jahrhundertelanger Zurückhaltung, uns zu warnen. 1990 gingen sie mit ihrer Botschaft an die „Jüngeren Brüdern“ an die Öffentlichkeit. Sie luden den Filmemacher Alan Ereira ein, der eine Dokumentation „From the Heart of the World – The Elder Brother`s“ mit der BBC erstellte.  Eine Nachricht lautet:

Die Erde wird schwächer, wir müssen sie schützen, wir müssen sie respektieren, denn der „Jüngere Bruder“ respektiert nicht die Erde. Er denkt: Ja, hier bin ICH. Ich weiß viel über das Universum! Aber dieses Wissen zerstört die Welt, zerstört alles. Es zerstört alle Menschlichkeit.“ Sie wollen uns zeigen, wie die Natur unsichtbar mit allem verbunden ist. Orte sind durch einen schwarzen Faden der Gedanken verbunden. Unsere materielle Welt ist mit Mutter Aluna durch einen goldenen Faden verbunden.

Der Film half dabei die Rio-Konferenz 1992 zu gestalten. Er bewirkte, dass die Kolumbianer ihre Sichtweise auf die Kogi veränderten. Heute hat jeder kolumbianische Präsident die Aufgabe, die Kogi zu besuchen und ihren Segen zu erbitten. Da im Großen und Ganzen jedoch die Botschaft unerhört blieb, folgte 2016 ein weiter Film „Aluna“, der hoffentlich mehr Wirkung erzielen kann.

Die Mámas – Schamanen, Weise und Priester

Für die Kogi  hat alles Spirit: jeder Baum, jeder Stein, jede materielle Kraft der Natur. Die Màmas, übersetzt „Erleuchtete“ sind die spirituellen Führer der Kogi. Sie sorgen seit vielen Jahrhunderten für die Bewahrung der spirituellen und materiellen Kraft. Diese weisen Männer leben weit oben in den Bergen. Sie wissen alle Details darüber, wie die Welt und alles auf ihr entstanden ist. Sie sagen, es würde neun Jahre dauern, um alles zu erklären. Jedes Wesen hat eine Aufgabe auf dieser Welt. Jede Pflanze, jedes Tier hat eine Aufgabe zu tun. Es gibt keine Trennung, wir sind All-Eins: die Berge, die Menschen, das Herz der Welt. So wird alles, jede noch so kleine Aufgabe bei den Kogis in einer speziellen Weise getätigt, um Gesundheit und Wachstum sicherzustellen. Jedes Jahr beten sie in einer speziellen Zeremonie für die Welt. Die Kogi können jederzeit in Aluna hineintreten. Wir „Jüngeren Brüder“ können das rein theoretisch auch.

Die Jüngeren Brüder haben nur vergessen, dass sie es können. Als sie die Berge verlassen haben, haben sie den Kontakt mit Aluna verloren und damit das Bewusstsein des All-Eins.

Die Kogi haben es nie verloren, sie halten sich bei Aluna auf. Dort entdeckten sie die universellen Gesetze. Sie hören, was sie tun sollen, was ihre Aufgabe ist. Sie lernten den Sinn und Zweck von allem im Leben. So erkennen sie ihren Platz im Leben und im Großen Plan der Mutter Aluna.  In der Aluna sehen sie, was in der Welt, auch außerhalb der Berge, geschieht.  Sie können die Vergangenheit und die Zukunft lesen, sie können Gedanken lesen.  In der Tradition der Kogi wird alles noch mündlich überliefert. Es sind für sie keine Verabschiedungen oder Grüße aussenden notwendig, denn Alles ist eins. Sie sind bekannt dafür, dass sie über hohe telepathische Fähigkeiten verfügen. Wenn eine Entscheidung ansteht, befragen die Màmas  mit der Technik „tu-tuma“ Aluna. Sie werfen heilige Perlen „Tuma“, in das Wasser und lauschen sie auf die Antworten. Diese kommen als Blasen an die Wasseroberfläche.

Die Mámas verbringen die ersten 18 Jahre ihres Lebens in Dunkelheit in der Abgeschiedenheit der Berge. In kleinen Steinhäusern leben mehrere Schüler bei der Familie ihres Lehrers in einem separaten Haus und lernen, sich mit der unsichtbaren Welt der Spirits zu verbinden. Ihre Gebete erhalten die kosmische Ordnung. Um immer in Verbindung mit Mutter Erde zu stehen, tragen die Mámas keine Schuhe. Während der Ausbildung bekommen sie eine salzarme Diät ohne Gewürze und wenig Fleisch. Weiße, helle Lebensmittel wie Mais, Kürbis, Pilze und Süßwassergarnelen werden bevorzugt. Die Ausbildungsinhalte gehen von Kosmologie und Mythologie über verschiedenste Bereiche der Naturwissenschaften bis hin zu Ritualen und Heilwissen. Den Kogi ist klar, dass intellektuelle Tätigkeiten von der sprachlichen Kompetenz abhängen. Daher ist die Sprache ein Schwerpunkt der Ausbildung, sie lernen ein sehr umfangreiches Vokabular.

Am Ende der Initiationsphase werden die neuen Màmas zum Sonnenaufgang ans Tageslicht geführt. Wenn sie die Augen öffnen, sehen sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Sonnenaufgang. Sie sehen zum ersten Mal Mutter Erde, die sie nur aus den Erzählungen kennen. In diesem Moment des ersten Tageslichts, wenn die Sonnenstrahlen langsam über diese Landschaft wandern, tritt der Lehrer-Schamane zurück und sagt: „Siehst Du? Es ist wirklich, wie ich es Dir erzählt habe. Es ist so wundervoll, Du musst es beschützen!“ Alles wovon die jungen Mámas zuvor nur abstrakt gehört hatten, wird in diesem Augenblick in dieser großartigen Pracht in ihre Welt geboren.

Die Kogi arbeiten an speziellen Kraftplätzen, da sie davon ausgehen, dass dort an diesen speziellen Punkten Energie in die Welt eindringt. Sie erhalten sich ihre Isolation und Abgeschiedenheit, damit sie diese Arbeit weiterhin ungestört fortsetzen können.

Ältere Schwester – Priesterin des Volkes

Die Ältere Schwester lebt in einem Tempel  in 7.000 Meter Höhe, wo sie  ein auserwähltes Mädchen erzieht und unterrichtet, welches später ihre Nachfolge übernehmen wird.  Die Vorbereitung darauf  dauert elf Jahre, dazu gehört auch das Erlernen der Meditation. Das Mädchen darf den Tempel während der Zeit nicht verlassen. Die Priesterin ist von Geburt an der einzige Mensch, dem erlaubt ist, das es zu berühren.

Die Gemeinschaft der Kogi

Eine Familie bei den Kogi lebt in zwei Hütten, so wie es der Brauch der „Großen Mutter Aluna“ ihren Söhnen und Töchtern vorschreibt. Eine Hütte ist für die Frau und die Kinder, die andere für den Mann und die Liebe. Die Kogi bauen runde Hütten. In ihnen steht nur wenig Inventar, da für sie die Natur ihr Zuhause ist.

Die Kogi machen alles gemeinsam. Nur bestimmte Tätigkeiten wie zum Beispiel die Feldarbeit sind zwischen den Geschlechtern aufgeteilt: Während die Männer die Felder roden und bestellen, ist die Ernte hauptsächliche Sache der Frauen. Auch beim Bau der Hütten gibt es eine Arbeitsteilung. Während die Männer des Dorfes, das aus Ästen bestehende Haus herstellen, holen die Frauen die Materialien für das Dach. Nach der Fertigstellung weiht der Màma des Dorfes die Feuerstelle ein. Dazu werden rituelle Steine verwendet. Geht der Rauch in die richtige Richtung, ist das ein gutes Zeichen. Der Bewohner des Hauses wird das Feuer bis zum nächsten Morgen weiter unterhalten, erst dann ist die Einweihungszeremonie beendet.

„Poporro“ ist ein wichtiges rituelles Instrument. Die Menschen saugen die heilige Mischung aus Koka und zermahlenen Muscheln aus einem ausgehölten Kürbis gefertigten Gefäß. Koka stimuliert in Verbindung mit einer alkalischen Substanz wie dem Muschelkalk.

Cafè Kogi – eine Initiative mit der heiligen Pflanze „Kaffee“

Da die Kogi festgestellt haben, dass die Erde aus dem Gleichgewicht geraten ist, dass ihre Rituale immer schlechter wirken, sind sie zu dem Entschluss gekommen, dass dies zwei Gründe hat.

  1. Sie haben zu einigen heiligen Plätzen keinen Zugang mehr, können dort also keine Rituale mehr begehen und eben gewisse Aspekte, die mit genau diesen Plätzen verbunden sind, nicht bearbeiten.
  2. Wir, die „Jüngeren Brüder“ betreiben Raubbau an der Natur, der so groß ist, dass sie dagegen nicht ankommen können.

Sie haben erkannt, dass sie ihre Funktion als Hüter der Erde und unsere „Großen Brüder“ nicht erfüllen können, wenn diese beiden Punkte nicht gelöst werden. Die Màmas hatten vor einigen Jahren die Vision, dass die heilige Pflanze Kaffee, die in den Wäldern der Kogi wild wächst, diese Probleme lösen kann. Diese Vision brachte ihnen der Gott des Waldes und der Bäume „Kalashe“. Kalashe riet ihnen, die wild wachsenden Kaffeebohnen zu ernten und mit Hilfe von Partnern um die ganze Welt zu schicken, um die Botschaft der Kogi zu verbreiten. Mit den Einnahmen ist es ihnen auch möglich, nach und nach heilige Plätze zurückzukaufen. Der Kaffee wird mit viel Liebe gepflegt und mit Ritualen beim Wachstum begleitet. Pestizide und Dünger gibt es nicht.

Inspiration: Atem-Meditation der Kogi

Die universellen Gesetze der Natur, der Atem, alle Gedanken sowie die Himmelsrichtungen sind in der Tradition und den Zeremonien der Kogi von großer Bedeutung.

Atme die schlechte Energie aus. Drehe dich nach Osten und denke nur gute Gedanken. Lass dein Herz rein werden. Atme in alle Himmelsrichtungen aus und denke in alle Himmelsrichtungen nur gute Gedanken…

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Anu Neumeyer Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Fußreflex-Therapeutin, Diplom Sozialpädagogin, Naturpädagogin und Erlebnispädagogin.

Anu praktiziert Yoga seit 2001. Nach ihrer vier Wochen Intensiv Yogalehrer Ausbildung 2016 entschied sie sich im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg zu leben, wo sie seitdem ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertieft. Ihr Yoga Unterricht reicht von fortgeschrittenen Yoga Stunden mit intensiver Ausrichtung auf die Chakren über exakte Ausrichtungs-Prinzipien bis hin zu klassischen Yoga Vidya Stunden aller Level. Anu wendet mit viel Freude auch ihre therapeutischen und heilerischen Fähigkeiten in den Bereichen Ayurveda und Naturspiritualität an. Ihre nächsten Seminarthemen sind „Finde und genieße die Hilfe deines Krafttieres“ und „Verbinde dich mit deiner weiblichen Kraft“.

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