Felix war der Grund für ProVegan

Bitte lest diese Zeilen!! Felix (* 27.07.1993 † 25.07.2012) war der Grund für ProVegan. Vorgestern ist Felix, 2 Tage vor seinem 19. Geburtstag, von uns gegangen. Felix lebte seit ca. 16 Jahren vegan. Ich bin mir sicher, dass er nur so dieses hohe Alter erreichen konnte. Am Morgen und Mittag hat er noch sein gesamtes Futter gegessen. Am Abend konnte er sich nicht mehr auf den Beinen halten und wollte kein Futter mehr. Die Haustierärztin hat ihn erlöst. Mir war wichtig, ihn nicht leiden zu lassen und den richtigen Zeitpunkt im Sinne von Felix zu finden. Lange habe ich mich vor diesem Tag gefürchtet, jetzt ist dieser Tag gekommen. Es ist besonders schlimm für mich, weil ich nur durch Felix zu einem Tierschützer, Tierrechtler und Veganer geworden bin, ihm also viel zu verdanken habe. Ich habe nach besten Kräften versucht, es ihm zu Lebzeiten zurückzugeben.

Meine Erfahrungen aus einer 19 Jahre dauernden besonderen Beziehung – meine Ratschläge als Tierrechtler und Veganer aus dieser Zeit für diejenigen, die sie lesen möchten und für sich nutzen möchten

Eine damalige Freundin wollte mir unbedingt eine Hundezucht zeigen. Also fuhren wir hin. Ich hatte keinesfalls vor, mir einen Hund zuzulegen. Erst recht keinen kleinen Hund, über die ich mich vorher immer lustig gemacht hatte. Ich war mit Schäferhund und Boxer gross geworden. Als wir dann dort waren, sahen wir einige Welpen in einer Wanne. Einer sprang am Rand immer hoch, als ob er zu mir wollte. Er wurde mir als Felix vorgestellt. Ich wehrte mich aber und ich weiss gar nicht mehr, ob ich ihn überhaupt anfasste, streichelte oder gar auf den Arm nahm. Ich merkte aber sofort, dass etwas anders war und etwas Unerklärliches mit mir passierte. Klingt merkwürdig, aber es war so. Trotz allem wehrte ich mich, einen Hund mitzunehmen. Was wollte ich als junger robuster Sportler und im Aufbau meiner Firma mit einem kleinen Hund? Das passte doch überhaupt nicht! Wir fuhren deshalb ohne Hund weg. Allerdings war tatsächlich etwas mit mir passiert. Ich konnte nicht schlafen und musste immer an diesen kleinen Hund denken. Ich versuchte immer noch mich zu wehren. Aber am nächsten Tag konnte ich nicht mehr anders, rief bei der Hundezucht an und fragte, ob der kleine Rüde noch da sei. Also holte ich Felix ab. Sein voller Name ist übrigens Felix of Mayflower. Übrigens bin ich heute strikt gegen jede Hundezucht, wo doch die Tierheime voll sind und es Millionen von Strassenhunden gibt.

Ich habe ihn von Anfang an nicht wie einen Schosshund gehalten, sondern so, wie ich es von den grossen Hunden aus meiner Familie gewohnt war. Nach einiger Zeit nahm ich ihn dann auch mit zum Jogging. Und dies haben wir auch bis 2009/2010 beibehalten. Felix war auch ein Hund, der zeigte, wenn es genug war. Denn auch ein Hund sollte keinesfalls überanstrengt werden.

Mit der Zeit durfte ich durch Felix erfahren, dass er die gleichen Reaktionen zeigte wie ich selbst. Er freute sich, war müde, er gähnte, er streckte sich wenn er ausgeschlafen hatte, hatte Lust zu spielen, forderte mich auf etwas zu tun, hatte Bedürfnis nach körperlicher Nähe usw. usw. Mit der Zeit erkannte ich, dass es ja ein Lebewesen ist, was sich kaum von mir unterscheidet. Und es stellte sich mir automatisch die Frage warum dieses Lebewesen weniger wert sein sollte als ich bzw. als ein Mensch. Mit dieser Vorstellung vom „minderwertigen Tier“ war ich aufgewachsen und so sind die gesellschaftlichen Vorstellungen von Tieren. Der Gedanke liess mich nicht mehr los. Ich kam schnell zu dem Ergebnis, dass ich den Bedürfnissen von Felix den gleichen Stellenwert einräumen sollte wie meinen eigenen. Ausserdem hatte ich die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen, also musste ich dieser Verantwortung nach besten Kräften gerecht werden.

Ich kann nicht alle Erlebnisse schildern, aber letzten Endes übertrug ich den Wert, den ich Felix zubilligte, mit der Zeit auch auf andere Tiere. Denn warum sollte ein Tier mehr wert sein, nur weil es in meiner Obhut ist? Dies führte zunächst dazu, dass ich nur noch Biofleisch und Biomilch kaufte. Denn diesen Tieren war es nach meiner damaligen Meinung gut gegangen. Aber je mehr ich mich in die Materie einarbeitete, desto mehr wurde mir klar, dass es Unrecht ist, ein Tier zu töten. Also wurde ich Vegetarier. Das Thema liess mich aber nicht los. Ich beschäftigte mich weiter mit dem Thema. Das Leid der Mutterkühe und Kälber auch in der Biohaltung, das Leid der Legehennen und der Mord an den männlichen Küken, die vergast oder im Schredder zermust werden, liessen mich nicht mehr los. Sobald ich dies erkannt hatte, wurde ich vegan. Gleichzeitig hatte ich mich als Arzt auch mit den gesundheitlichen Fragestellungen der Ernährung beschäftigt. Denn zum einen gehörte die Ernährung als gesundheitliche Prophylaxe nicht zur Ausbildung innerhalb meines Medizinstudiums. Und dies ist weltweit so. Zum anderen ging ich wie die meisten anderen Menschen und auch die ärztlichen Kollegen davon aus, dass Fleisch in Ordnung und Milch sogar gesund sei. Je mehr ich mich aber in dieses Thema einarbeitete, desto mehr konnte ich gar nicht fassen, wie sehr sich die wissenschaftlichen Fakten von der öffentlichen Meinung über Fleisch, Milch, Milchprodukte, Eier und Fisch unterschieden. Eine vegane Ernährung war also nicht nur aus ethischen Gründen der Tiere wegen geboten, sondern auch der eigenen Gesundheit wegen. Ich wusste nun, dass es nicht nur ein Verbrechen ist, Tiere zu quälen und zu töten, sondern dass der Verzehr von tierlichen Produkten eine extreme Gesundheitsgefährdung und Gesundheitsschädigung darstellt. Je mehr ich forschte, um so mehr erfuhr ich. Während etwa 50% der weltweiten Getreideernte und etwa 90% der weltweiten Sojaernte an „Nutztiere“ verfüttert wird, sterben jeden Tag etwa 40.000 Kinder an Hunger, während die gemästeten Nutztiere ausgebeutet, gequält und getötet werden. Ist es unter diesen Umständen nicht ein MUSS, sich vegan zu ernähren? Somit war es nur folgerichtig und konsequent, sofort vegan zu werden.

Aber was war mit der Ernährung von Felix? Er stammt doch von einem Raubtier bzw. einem Fleischfresser ab! Also arbeitete ich mich auch in diese Materie ein. Denn ich wollte ja keinesfalls Felix schädigen, gleichzeitig aber auch keine anderen Tiere wegen dem Futter von Felix quälen und töten lassen. Es schien mir, dass ich in einem ethischen Dilemma steckte, aus dem es keinen Ausweg gab. Aber ich hatte mich zum Glück total getäuscht. Zum einen ist der Hund domestiziert, also an das Leben mit dem Menschen und an seine Ernährung angepasst. Er ist ein Allesfresser. Auch der Wolf frisst den Mageninhalt seiner Beute. Zum anderen wurde mir der ganz simple und logische Sachverhalt klar, dass es nicht darauf ankommt, woher der Hund alle seine Nährstoffe für eine optimale Gesundheit und ein optimal langes Leben erhält, sondern DASS er alle diese Nährstoffe bekommt. Zudem gab es schon eine Anzahl von positiven Erfahrungsberichten von vegan ernährten Hunden, die in der Regel gesünder waren und auch länger lebten. Wichtig war nur, dass man bei der Ernährung der Hunde auf Vitamin B12, Carnitin und Taurin achtete. Mit der Zeit verschaffte ich mir immer mehr Literatur zu diesem Thema. Z.B. „Vegetarische Hunde- und Katzenernährung“ von Peden und die Doktorarbeit der Tierärztin Engelhard von der Veterinärmedizin der Universität München, die eine fleischfreie Fütterung von Hunden untermauerte. Also ernährte ich Felix auch vegan. Denn ich erfuhr letzten Endes, dass eine vegane Fütterung nicht nur möglich, sondern sogar gesünder für Felix ist! All das dumme Gerede von der „natürlichen“ und „artgerechten“ Fleischfütterung, der ich vorher so wie fast jeder aufgesessen war, war der Absurdität überführt. Ich halte diese Konsequenz zudem für ethisch zu 100% geboten, denn es ist ethisch nicht zu rechtfertigen, wegen dem eigenen Haustier eine Mehrzahl von „Nutztieren“ qualvoll leiden und sterben zu lassen.

Lange Zeit konnte ich es mir aber gar nicht erklären, warum vegan ernährte Hunde in der Regel gesünder sind und auch deutlich länger leben. Erst als ich die Studien von Professor Dr. T. Colin Campbell von der amerikanischen Cornell Universität las, der als einer der renommiertesten Ernährungswissenschaftler weltweit gilt, wurde mir auf einmal klar, woran dies liegt. Professor Campbell stellte nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren fest, dass der Verzehr von tierlichem Protein (im Gegensatz zu pflanzlichem Protein) die Entstehung und das Wachstum von Krebs förderte. Da der Konsum von tierlichen Produkten aber nicht nur das Krebswachstum beim Menschen fördert, sondern auch andere schwerwiegende Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Diabetes, Bluthochdruck, Demenz usw., wurde mir als Arzt auf einmal sehr klar, dass der Verzehr von Tierprodukten sich auch bei Hunden katastrophal auswirkt.

Felix entwickelte sich zu einem lebhaften, prächtigen Hund, der mir keinerlei Sorgen machte. Da ich viel auf Reisen war, nahm ich ihn überall hin mit. In den ganzen 19 Jahren waren wir vielleicht 4-5 Tage wegen eines Klinikaufenthaltes getrennt. Ansonsten habe ich mich strikt geweigert, irgendwo hinzugehen wohin ich Felix nicht mitnehmen konnte. Auch in meinem früheren Stammrestaurant in Siegen war Felix ständiger Begleiter. Felix bestand auch immer darauf, mit mir auf dem Bürostuhl zu sein, wenn ich am Schreibtisch arbeitete. Wenn er nicht auf dem Stuhl war, bellte er so lange, bis er an der gewünschten Stelle war. Dabei zwängte er sich in eine kleine Kuhle hinter meinem verlän