Wie ich den Umstieg auf Rohkost geschafft habe – Ein Erfahrungsbericht

Nach einigen gescheiterten Versuchen, meine Ernährung auf Rohkost umzustellen, hat es dieses Jahr endlich geklappt. Seit über drei Monaten beträgt der Anteil an Rohkost meiner täglichen Ernährung zwischen 70 und 100%.

Seitdem fühle ich mich nach den Mahlzeiten satt, zufrieden und gleichzeitig frisch und vital, ohne müde zu sein. Mein Heißhunger auf Schokolade und Salziges ist sehr stark zurück gegangen, meine Verdauung funktioniert super und mein Hautbild hat sich deutlich verbessert.

Frühere Versuche, auf Rohkost umzustellen, sind aus verschiedenen Gründen gescheitert, z.B. daran, dass ich nicht satt geworden bin.

Aber diesmal hatte ich dank ausführlicher Gespräche mit unseren Ernährungs- und Rohkostexperten Julia Lang (Heilpraktikerin und Leiterin der Ayurveda Oase bei Yoga Vidya Bad Meinberg) und Marcel Scherreiks (Berater für holistische Gesundheit mit langjähriger Erfahrung mit Rohkost), alle Informationen, die ich brauchte, um meinen Umstieg klug zu gestalten.

Warum Rohkost?

Wenn man schaut, was Ernährungsexperten wie T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell (Wissenschaftler und Autoren der China Study) oder Dr. Rüdiger Dahlke (Arzt, Autor zahlreicher Bücher, u.a. Peace Food) in ihren Büchern schreiben, dann ist die Aussage eindeutig:

Die gesündeste Form der Ernährung für den Menschen von heute ist pflanzlich und enthält einen möglichst hohen Anteil an Rohkost.

Rohe Pflanzen enthalten einerseits alle Nährstoffe, die unser Körper braucht und, im Unterschied zu gekochter Nahrung, auch noch ihr volles Potenzial an Prana (Lebensenergie). Diese Lebendigkeit steckt unter anderem in den Enzymen, die in der Rohkost in aktiver Form enthalten sind und den Körper bei der Verdauung unterstützen.

Somit gibt Rohkost auf doppelte Weise Energie: Einmal liefert sie mehr Energie als gekochte Nahrung und gleichzeitig wird bei der Verdauung weniger Energie verbraucht. Bei mir äußert sich das dadurch, dass ich weniger Schlaf brauche und mich im Alltag frischer, stärker und gelassener fühle.

Was man beim Umstellen auf Rohkost beachten sollte:

  1. Langsam einschleichen

Wenn man gekochte Nahrung gewohnt ist, dann ist Rohkost zunächst schwerer verdaulich, weil dafür andere körpereigene Enzyme gebraucht werden. Deswegen ist es gut, den Körper allmählich daran zu gewöhnen, damit er Zeit hat, die notwendigen Enzyme zu produzieren und auszuschütten.

Da mittags die Verdauungskraft am höchsten ist, bietet es sich an, das Mittagessen zuerst durch Rohkost zu ersetzen. Danach das Frühstück und das Abendessen.

Ein Tipp von Julia: Wenn Du Speisen kochst, dann nasche bereits beim Schnippeln von dem Gemüse, das danach in den Kochtopf kommt. So bekommt der Körper lebendige Enzyme aus dem rohen Gemüse und die Information, was da gleich an Gemüse kommt und kann schon beginnen, die entsprechenden Magensäfte auszuschütten.

  1. Die Verdauung unterstützen

Um die Verdauungskraft so richtig schön in Fahrt zu bringen, gebe ich über mein Essen etwas frischen, geriebenen Ingwer oder trinke vor dem Essen ein kleines Glas heißes Ingwerwasser. Man kann die Verdauung natürlich auch mit verdauungsfördernden Gewürzen wie Pfeffer, Chili, Kardamom oder Kurkuma unterstützen.

  1. Das Geheimnis des Satt-Werdens: Einweichen und Sprießen lassen

Meine früheren Versuche, auf Rohkost umzusteigen, scheiterten daran, dass ich nicht satt wurde oder schon kurze Zeit nach einer Mahlzeit wieder Hunger hatte. Heute ist mir klar, dass Rohkost nicht bedeutet, dass man einfach nur Salat und Gemüse isst.

Der Körper braucht Makro-Nährstoffe: Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Diese kann man sich einfach und lecker in Form von Getreide, Hülsenfrüchten, Saaten und Nüssen holen. Und hier heißt die Zauberformel: einweichen und sprießen lassen.

Bei Nüssen reicht es, sie ein paar Stunden oder über Nacht einweichen zu lassen und danach abzuspülen. Bei Mandeln kann man dann auch die Schale entfernen. So werden Stoffe, die die Verdauung behindern, ausgewaschen und der Körper kann die Nährstoffe der Nüsse leichter aufnehmen.

Getreide, Hülsenfrüchte und Saaten kann man sprießen lassen, um den selben Effekt zu erzielen. Ich war wirklich erstaunt, als ich feststellte, dass ich rohe Linsenkeimlinge wesentlich besser vertrage, als gut durch gekochtes Dahl oder Kitchary.

Meine Sprossen züchte ich aus Buchweizen, Quinoa, Linsen, Mungbohnen und Sonnenblumenkernen. Dazu weiche sie über Nacht in Wasser ein. Am nächsten Morgen wasche ich sie ab und lasse sie in einer Glasschale auf der Fensterbank für 1-3 Tage stehen. Dabei werden sie jeden Morgen einmal über einem Sieb abgewaschen.

Je nach körperlicher Aktivität und Hunger esse ich zu einer Mahlzeit 1 – 3 Hände voll Sprossen. Auf meinem Teller befindet sich meistens die gleiche Menge an Sprossen wie an Gemüse. So werde ich satt und führe meinem Körper ausreichend Energie und Eiweiß zu, sowie jede Menge Mineralstoffe und Spurenelemente.

In Saaten und Nüssen ist normalerweise genug Fett enthalten, um den Fettbedarf des Körpers zu decken. Dennoch nehme ich gerne noch einen zusätzlichen Schuss Oliven- oder Leinsamenöl über meinen Salat.

  1. Vata im Auge behalten

Als ein Mensch, der von sich aus zu erhöhtem Vata (eins der drei Doshas im Ayurveda) neigt, ist es für mich wichtig, darauf zu achten, dass das Vata-Dosha durch die Rohkost nicht zu stark ansteigt. Deshalb sorge ich immer wieder mit entsprechenden Tees, warmer Hafer- oder Mandelmilch, Fett in Form von Öl über dem Essen und Vata-reduzierenden Gewürzen für Ausgleich.

  1. Auf den Körper hören

Durch die rohköstliche Ernährungsweise ist meine Körperwahrnehmung feiner geworden. Besonders wenn es ums Essen geht, vertraue ich mehr denn je meinem Bauchgefühl, das inzwischen sehr deutliche Signale sendet.