Yoga im Sommer: Mit Feuer in den Pfau

[/caption]

Sommermonate sind Feuermonate. Also, sagte ich mir, schreibe ich über Feuer Asanas. Über Mayurasana zum Beispiel, den Pfau. Der bringt das Verdauungsfeuer zum Lodern und steht in allen möglichen Kulturen für das Feuer der Sonne. Gesagt, geforscht. Nur stieß ich bei meinen Recherchen auf unerwartete Hindernisse. Im Yoga-Symbol-Buch von Swami Sivananda Radha, „Das Geheimnis des Hatha Yoga„, ist der Pfau ein Schwan. Was kurzzeitig mein Vertrauen in die Welt der Symbole erschütterte.

Der Schwan ist doch eigentlich eher ein Wassertier, oder? Das war wohl nichts mit Feuer und Sommerenergie. Andererseits sieht man auch Schwäne meistens im Sommer. Also las ich doch mal nach, und siehe da: Der Schwan steht unter anderem für den Einfluss der Sonne. Und zugleich für Zurückgezogenheit, Majestät, Würde, Eleganz und für den Tagesanbruch. Eine interessante Mischung. Wenn der Schwan allerdings sein Element verlässt und über Land watschelt, wird er ganz schon plump und ungeschickt.

Und der Pfau? Der ist ein Feuervogel. Na bitte. Sein imposantes Rad ist ein perfektes Sonnenzeichen. Im Yoga stärkt der Pfau (oder der Schwan) das Gleichgewicht und die innere Klarheit. Und er regt das Verdauungsfeuer an wie kaum eine andere Asana. Drum ist er auch die einzige Asana, die in der Hatha Yoga Pradipika erwähnt wird – als äußerst heilsam, entschlackend und reinigend.

Na bitte! Reinigung, innere Klarheit, Rückzug zum Selbst und die Kunst, das eigene Element zu finden: Das sind doch Themen, mit denen sich etwas anfangen lässt. Und auf die man sich sogar noch besinnen kann, während man – so wie ich –  darum kämpft, überhaupt für ein oder zwei mühsame Sekunden derart über dem Boden zu schweben. Wer den Pfau beherrscht, kann vermutlich bestätigen: Dazu braucht man eine ganze Menge Kraft und inneres Gleichgewicht.

In der Symbolsprache bewegt sich der Pfau irgendwo zwischen Fassade, Eitelkeit und wirklichem Erfolg, auf der Gradwanderung zwischen dem Sein und dem Schein des Lebens. In der Antike symbolisierte der prächtige Vogel Tod und Wiedergeburt. Und in Indien gilt er als Nationalvogel. Wie passend. Schein und Sein, die große Diskrepanz zwischen der mühseligen äußeren und der ruhenden inneren Welt kann man ja nirgendwo so gut erforschen wie im Ursprungsland des Yoga. (In dem es mitunter schwierig ist, überhaupt einen guten Yogalehrer zu finden.)

Übrigens haben Pfauen und Schwäne noch etwas gemeinsam: Sie können fliegen, und bewegen sich trotzdem hauptsächlich im Erd- oder Wasserelement. Ganz so, als wüssten sie schon, wie es ist, die Erde einfach hinter sich zu lassen. In dem Wissen kann man dann leichten Herzens wieder zurückkehren und sich am Boden der Tatsachen genauso elegant und in aller Seelenruhe bewegen, wie man sich das Fliegen am Himmel immer vorgestellt hat. Man muss nicht immer fliegen, um glücklich zu sein. Mit dem Mut, Rückzug zu sich selbst und genug innerem Feuer kann man auch hier unten das Glück finden, und die eigene Lebendigkeit aus tiefster Seele genießen.

Hier kann man den Pfau lernen >>

Der Pfau im Mitmach-Video >>

Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

1 Kommentar zu “Yoga im Sommer: Mit Feuer in den Pfau

  1. Beifallswürdig wie diese einmalige Asana (Pfau-Mayurasana)schön beschrieben wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.