Yoga – Traditionelle Weisheit für die Zukunft

Der Europäische Yogakongress vom 14. bis 16.11.2014 in Bad Meinberg

veranstaltet vom Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/Innen e.V. (BYV) und der Portugese Yoga Confederation (PYC) mit ihrem Präsidenten Jagat Guru Swami Amrta Suryananda

Eindrücke von Christine Endris (BYV)

 

Freitag, 16.11.2014

Zu diesem Europäischen Yogakongress über das Thema „Yoga – Traditionelle Weisheit für die Zukunft“ sind Delegationen und Vertreter vieler Länder gekommen: Portugal, Spanien, Russland, Belgien, Holland, Luxemburg, Frankreich, Ungarn, Polen, England und andere.

Allein die portugiesische Delegation unter Swami Amrta Suryananda zählt über 60 Teilnehmer/Innen, darunter vorwiegend junge Menschen. Die Gruppe ist bunt und lebendig, dabei wirkt sie gleichzeitig konzentriert. Swami Amrta Suryananda, der international viele Funktionen ausübt und für seine Aktivitäten zur Verbreitung des Yoga zahllose Auszeichnungen erhielt, zeigt sich in seiner Begrüßungsrede begeistert über dieses einzigartige Ereignis in Bad Meinberg – schon jetzt! Er nennt Bad Meinberg die Yogastadt Europas. Überall in Europa entstehen fortwährend neue Yogazentren, Yoga ist in der ganzen Welt sehr präsent.

Elmar Brock, Abgeordneter im Europa-Parlament und seit vielen Jahren Schirmherr der Yoga Vidya Kongresse, kündigt in seinem Grußwort an, bald auch persönlich zum Kongress kommen zu wollen.

22 SukadevSukadev stimmt auf das Thema dieser Tage ein: Die Yogatradition ist vermutlich 6000 Jahre alt. In Indien entstanden, hat sie auch andere Kulturen in sich aufgenommen. Von 4000 bis 2000 v.Chr. war der Hinduismus eine friedvolle Hochkultur, man fand keine Waffen aus dieser Zeit. Es folgte die Zeit des Ayurveda, die Antike mit der griechischen Kultur und Philosophie, der Buddhismus, das Christentum, der Islam, der Sufismus. Schelling, Schlegel, Novalis, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Hesse ließen sich vom östlichen Denken inspirieren, ebenso Sigmund Freud und C.G. Jung. Dann kam der Pazifismus des 20. Jahrhunderts – Ahimsa, Mahatma Gandhi – und das neue Bewusstsein für Erde, Natur und Umwelt. 300 Millionen Menschen, die rund um den Globus Yoga praktizieren, geben Hoffnung auf eine friedlichere Welt. Yoga verbindet alle und alles. Der Lebensstil wird bewusster hinsichtlich Ernährung, Gesundheit, der Körper weiß, was er braucht und sorgt dafür, dass wir es zur Kenntnis nehmen! Energie und Kraft fördern das Selbst-Bewusstsein und die Fähigkeit, auch nein sagen zu können – gut gegen Burnout und Existenzängste.

Mitgefühl, Liebe und Güte sind der Weg zur Einheit, Yoga ist gelebte Ethik und erweckt das Gute im Menschen. Wir brauchen viel mehr Gerechtigkeit in der Welt und – Sukadev spricht aus, was viele denken: Die Weltwirtschaft kann nicht ewig wachsen! Gemeinsam werden wir leben, geteilt werden wir untergehen! Er dankt der portugiesischen Delegation für ihr Engagement für diesen Kongress und auch Amba, die als geschickte Organisatorin seit Jahren für die Einladung und Betreuung der Referenten sorgt, ehrenamtlich und zusätzlich zur Leitung ihres Yogazentrums in Darmstadt.

Die internationalen Delegationen stellen sich vor. Allen gemeinsam ist das Bewusstsein der Einheit auch in der Vielfalt, das Streben nach Frieden.

Yogademonstration auf dem Europäischen Yoga Kongress
Yogademonstration auf dem Europäischen Yoga Kongress

Am Abend erleben wir eine Asana-Vorführung von jungen Leuten aus der portugiesischen Gruppe. Es ist bewundernswert, wie akrobatisches Können mit großer Disziplin und Ernsthaftigkeit in Asanas umgesetzt werden, im Saal ist es ganz still. Dann begeben sich etwa 50 junge Portugiesen auf die Bühne, eine Gruppe sitzt rechts, die andere links: Kirtan-Darbietung! Eine Gruppe beginnt, die andere wiederholt. Es geht kräftig hin und her, hört sich gut an …. bis ….. das kenne ich doch! Klar! Das Jaya Ganesha, genau so, wie wir es Tag für Tag im Satsang singen! Jaya Saraswati – der ganze Saal stimmt ein, Sharavanabhava – und schon ertönt die Antwort aus hunderten von Kehlen. Die Überraschung ist groß, auf der Bühne und im Saal. Aus vollem Herzen singen wir gemeinsam unser Jaya Ganesha bis zum Ende: Anandoham, ich bin Wonne, und erfahren die Einheit in der Vielfalt, hautnah, mit Gänsehaut. Eigentlich wollte niemand am Ende aufhören. Wir hätten am liebsten noch stundenlang so weitergesungen. Es war ein magischer Moment!

 

Chandra Mohan Bhandari
Chandra Mohan Bhandari

Dann der erste Abendvortrag von Chandra Mohan Bhandari „Yoga-Tradition für die Ewigkeit“. Chandra Mohan Bhandari, ehemaliger indischer Botschafter in Polen, Litauen, den VAE, Kambodscha, Kanada und anderen Ländern, widmet heute sein Leben der Verbreitung von Frieden und Freundschaft durch wissenschaftliche yogische und ayurvedische Techniken. Er fördert ganz konkret umweltfreundliche Entwicklungsprojekte und bessere Lebensbedingungen für Frauen und Jugendliche. In den Schriften, der Bhagavad Gita oder Patanjalis Raja Yoga Sutras, steht alles, was wir für unser ethisches Verhalten brauchen. Krishna lehrt uns in der Gita das Handeln und auch die Pflicht zu Handeln, frei von Eigennutz, aus einem reinen Geist heraus. Patanjali sagt: Yogas citta vrtti nirodhah, Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist. Wie macht man das? Patanjali erklärt jeden einzelnen Schritt für diese Erfahrung, alles kann überprüft werden durch unser eigenes Tun. Wir müssen nur gehen! Das Singen bringt uns in einen starken Energiefluss, es bringt Körper, Geist und Seele immer wieder in Harmonie. Wenn wir den reinsten Zustand erreicht haben, sind wir frei.

 

Didi Sudesh
Didi Sudesh

Der zweite Abendvortrag ist von Didi Sudesh „Spirituelle Kräfte durch traditionellen Raja Yoga“. Sie ist Mitbegründerin der 1. Brahma Kumaris World Spiritual University in London, deren europäische Zentren sie gegenwärtig leitet. 55 Jahre lang war sie in über 85 Ländern eine herausragende Lehrerin, Vortragsrednerin u.v.m. Einige Kernsätze aus ihrem Vortrag: Ich bin eine reine Seele, reine Energie. Ich habe die Kraft der Klarheit und Entschlossenheit zur Selbst-Verwirklichung, in der Innenschau kann ich mich, meine Schwächen und Stärken erkennen. Ich kann mit reiner Seele unterscheiden, was richtig und falsch für mich ist. Weisheit ist die Balance der Demut. Positives, kraftvolles Denken führt zur Wahrheit. Wir sind alle funkelnde Diamanten, strahlende Sterne und können mit den Seelen anderer sprechen.

Das ist eine schöne Aufgabe! Sie spricht aus einer langjährigen Erfahrung heraus, man spürt es.

 

Samstag, 15.11.2014

Wie jedes Jahr gibt es am frühen Morgen ab fünf das umfassende Angebot für alle Bedürfnisse der Yogis und Yoginis in Form von Pranayama, Homa, fünf parallelen Meditationen; dann den großen gemeinsamen Satsang. Sukadev spricht über „Traditionelle Weisheit“. Er unterscheidet sieben Hauptprinzipien:

  1. Brahman

Es gibt eine höhere Wirklichkeit in diesem Universum, in Allem erfahrbar und unendlich, fühlbar in der Verbundenheit mit anderen Menschen und dem Erleben von Liebe und Freude im Herzen. Wenn wir Vergangenheit und Zukunft loslassen, sind wir da.

  1. Maya (Täuschung)

Die Welt ist nicht so, wie wir sie sehen. Sie wird als getrennt von Gott erfahren, jeder Einzelne lebt eine andere Welt, hat seine eigene Maya. In Wahrheit gibt es nur ein Brahman, allumfassend, namenlos, formlos und ewig. Wenn wir das verstanden haben, können wir über uns selbst lachen, unsere Maya loslassen, die Maya unseres Gegenüber vielleicht ein wenig kennenlernen und dann gemeinsam über das alles lachen. Humor ist …. naja ihr wisst es selbst – einfach gut!

  1. Dukha, das Leiden an der Existenz

Das Beste ist, wir erkennen es an! Wir können unser Leben nicht in Allem manipulieren. Und wenn wir meinen: Ich brauche unbedingt dies, oder das, von dem wir denken, dass wir es unbedingt brauchen, und bekommen es dann auch noch, kann dies das Schlimmste sein, was uns seit langem zugestoßen ist ….. Wer hat diese Erfahrung nicht schon gemacht?! Danke, Sukadev, dass du es uns wieder einmal gesagt hast! – Noch ein Tipp: Es hilft, genauer auf die sog. kleinen Freuden des Lebens zu schauen, das wirkt Wunder.

  1. Moksha (Befreiung)

ist ein Versprechen für die Zukunft: Langfristig sind wir alle tot, und langfristig sind wir alle gottverwirklicht. Der Gedanke an die Reinkarnation ist ein großer Trost.

  1. Abhyasa

Regelmäßiges Üben für einen achtsamen und respektvollen Lebensstil beginnt im Alltag, beim Partner, im Beruf. Es bedarf der Konzentration und der Hingabe dafür, die Teilnahme an einem Kongress wie diesem ist sehr hilfreich.

  1. Karma

Die beste Einstellung zum Karma lautet: Was auch immer geschieht, es ermöglicht mir zu wachsen! Es ist besser für uns (und für andere!), wenn wir uns nicht dauernd beklagen, sondern unsere Aufgaben in der Welt erledigen. Yoga ist Gelassenheit und Geschick im Handeln, s. Bhagavad Gita 2. Kapitel! Manche Yogis sagen „Ich tu jetzt mal was Nettes und spür in mein Herz, dann isses aber auch wieder gut“ meint Sukadev. Höre ich da eine gewisse Prise Ironie in diesen Worten?!

  1. Gnade

Haben wir uns ausreichend engagiert und die Lektionen des Lebens erfahren, uns immer wieder an das Göttliche erinnert, uns humorvoll von unserer Maya gelöst, dann können wir mit Hilfe der Gnade Gott verwirklichen.

Also – alles ist möglich mit Hilfe traditioneller Weisheit! Mit Wissen, Vidya!

 

Surabhi
Surabhi

Dann der Vortrag „ Oberflächlichkeit und Tiefe, das Paradoxon des Lebens“ von Surabhi, Vorsitzender der Spanish Satsanga Yoga Federation. Er zählt all die Werte auf, die der Mensch für ein gutes Leben braucht, von Freigiebigkeit bis Vergebung, von Enthusiasmus bis Einfachheit und Stille, von Urteilskraft bis Glauben, Demut und Güte. Streite nicht, wenn du Recht hast, es wird für dich sprechen. Erdulde Kritik mit Freundlichkeit. Gib und nimm mit Gleichmut. Lass die Dinge los – beispielsweise Zeitschriften, Fernsehen, Schmuck – Nichtverhaften erzeugt Freiheit. Sorge dafür, dass alte Denkmuster und Glaubenssätze aus deinem Geist verschwinden. Ersetze sie durch neue, die deine Entwicklung fördern. Praktiziere Selbstkontrolle bei Ärger, Wut, Angst, Traurigkeit, Begehren, Faulheit und Ungeduld – jede(r) möge sich aussuchen, was gerade ansteht. Übe 21 Tage lang mit einer Sache und – beginne mit Geduld und Liebe von vorn, wenn es noch nicht geklappt hat, empfiehlt Surabhi. Ich finde, das ist machbar. Ähnlich gut ist es, etwas Hilfreiches und Freundliches für jemand anderen zu tun.

 

Sieben Themenyogastunden stehen nun zur Auswahl! Ich entscheide mich für den Yogaflow mit Harfe. Das ist es genau, was ich nach dem vielen Zuhören für Körper, Geist und Seele brauche: Augen zu und durch im besten Sinne, alles fließt, schön langsam, ich spüre meine Kraft. Ich entspanne mich. Es gibt nichts zu tun, hier und jetzt …..

Mittagessenszeit ist von 9 bis 13 Uhr und geht vom Brunch zum Lunch über. So entstehen kaum Wartezeiten. Im Speiseraum ist es wie in einem Bienenkorb, wer seine Ruhe haben möchte, geht in den Schweigeraum.

An dieser Stelle ein großes Lob an die Küchenmitarbeiter/Innen: Sie haben durchgängig mit Hochdruck gearbeitet, Vorbereiten, Zubereiten, Abräumen, Saubermachen, Spülen und gleich wieder um 18 Uhr das Abendessen. Vielen Dank!

 

Nada Yoga Workshop mit Anne-Careen Engel
Nada Yoga Workshop mit Anne-Careen Engel

Etwas frische Luft schnappen im Salvaticum Kurpark und dabei ein paar bunte Sommerblumen-Nachzügler entdecken, schon geht es weiter mit „Nada Yoga – klassische Weisheit im Licht einer ökologischen Spiritualität“. Anne-Careen Engel beginnt bei den Anfängen vor 6000 Jahren. Für sie, die sich mit Nada Yoga beschäftigt, ist sozusagen das Ohr der Weg: Am Mund des Meisters ist das Ohr des Schülers, am Ohr des Meisters ist die Natur. Das Auge bringt uns nach außen, das Ohr nach innen. Auch Joachim-Ernst Berendt, der große Erforscher des Klangs, sagte einmal: Das Ohr ist der Weg. – Im Schöpfungsvorgang wird von der Klangschwingung OM oder AUM gesprochen – die Welt wurde aus Klang geboren. Quantenphysiker sagen heute: Alles ist Schwingung. Unsere Nadis und Chakras sind die Träger des Klangs. Ich erinnere mich an den gestrigen Abend und das gemeinsame Singen, an die strahlenden Gesichter – wir waren ES. Klang schafft Formen, wirkt auf das Pflanzenwachstum. Wir müssen unser Wissen zusammenführen und alle Sinne nutzen, um neue Bewusstseinsfelder zu erschließen, auch für die Ökologie. Dazu gibt es Experimente, die unter den Begriffen Kymatik, Morphogenetik im Internet zu finden sind. – Der Vortrag hat mich nachdenklich gemacht: Es wird mir bewusst, wie achtsam ich zu sein habe bei meinem Reden und Handeln, bei meiner alltäglichen Beschallung und der Stille, die ich mir gewähre!

 

In der Yogastunde „Yoga und Mantra“ sind zwei Meister des Mantrasingens am Werk, nämlich Sundaram und Katyayani. Mein Kopf wird leer, der Geist ist frei.

 

17_Sukadev, Amrta Suryananada und Swamini Chandra DeviNach dem Abendsatsang hält Swami Amrta Suryananda Maha Raja aus Portugal seinen Vortrag „Globaler Tag der Menschheit – Weltyogatag 21. Juni – Sommersonnenwende – Tag des Lichts“. Ich kann mir gut vorstellen, mit welcher ansteckenden Kraft Swami Amrta Suryananda den Weltyogatag initiiert hat. Er praktiziert seit 42 Jahren und hat überall auf der Welt wichtige Funktionen und Aufgaben für die Verbreitung des Yoga übernommen. Dafür wurde er vielfach geehrt. Er hat Kontakte zu den Päpsten Benedikt und Franziskus, zu Politikern in der ganzen Welt. 2001 schlug er den Vereinten Nationen und der UNESCO die Einrichtung eines Weltyogatages (WYD) vor, der zur Sommersonnenwende am 21. Juni gefeiert werden soll. Ein Tag des Friedens auf der ganzen Erde. Die UN stimmen noch darüber ab, die portugiesische Regierung hat seine Idee im Jahr 2013 bereits befürwortet: Am 21. Juni d.J. findet dieser Weltyogatag in Lissabon statt, viele Delegationen werden da sein, auch Yoga Vidya. (Siehe dazu den Nachtrag am Ende!)

Swami Amrta Suryananda beschreibt die Organisation des Yoga in Portugal: Es gibt Gruppen für Paare, Sportler, Militär, Senioren, Polizei, Blinde, Jugendliche, Kinder, gegen den Prüfungsstress an Universitäten und yogische Theater- und Tanzgruppen. Wir staunen – das ist nachahmenswert!

 

21 Shanmug EckhardtShanmug Westley Eckhardt – er ist Mitbegründer des spanischen Yogaverbandes, hat ein Yogacenter in Madrid und bildete Tausende von Studenten aus – meint nach diesem Vortrag bescheiden, er habe dem nichts hinzuzufügen. Hat er doch. Er ist Psychologe und belegt mit neuen Forschungsergebnissen die Übereinstimmung yogischer Praktiken mit denen der heutigen Psychotherapie, Stichwort Neuroplastizität. Westen und Osten sind in einem Dialog und befruchten einander. Seine Vorträge sind stets klug und lebendig, als langjähriger Wegbegleiter von Swami Vishnu ist es auch schön, wenn er von seinen Erlebnissen mit ihm erzählt.

 

Sonntag, 16.11.2014

Eine stille Meditation am Morgen zusammen mit etwa 300 Menschen wirkt lange nach. Es verbindet.

17 Oleg NikulinDanach hält Oleg Nikulin, Vertreter des Russischen Yogaverbandes (RYF), seinen Vortrag zum Kongressthema. Seine Praxis beruht auf der Bihar School of Yoga. Noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es kaum Yogameister in Russland, dafür viele Yogaenthusiasten. Sie praktizierten meist in den größeren Städten. Yoga passt gut zur russischen Seele und Indien ist nicht so weit von Russland entfernt, sagt Oleg. Nach Öffnung der Grenzen kamen auch Meister ins Land und 2008 wurde begonnen, eine gesamtrussische Organisation zu gründen. Es ging und geht immer noch darum, Yoga gegenüber dem Staat zu legalisieren. Diplome und Zeugnisse haben keine Gültigkeit, wenn sie nicht von den staatlichen Universitäten anerkannt sind. Insbesondere die Sportuniversitäten profitieren vom Yoga und sie ermöglichen, dass Dokumente vom Staat anerkannt werden. Schwerpunkte des Unterrichts sind hier vor allem Anatomie und Sportmedizin. Die RYF möchte mit den europäischen Verbänden kommunizieren und erhofft sich Unterstützung bei der Gestaltung ihrer umfassenden Yogalehreraus- und weiterbildung und deren Anerkennung bei den staatlichen Institutionen, insbesondere den Sport- und Gesundheitsministerien. Die Bildung klarer Strukturen und gute zertifizierte Lehrkräfte sind das Ziel. Diese Unterstützung wird Oleg Nikulin von europäischer Seite mit Sicherheit erhalten, die herzliche Umarmung zweier Swamis, Sukadevs und ihm am Ende des Yogakongresses sprach mehr als tausend Bände.

Ich merke, dass die Vorträge mich sehr bewegen, so viele Themen, so viele Lebenswelten. Ich könnte jetzt den Stift auch einfach mal weglegen – ich tu es nicht. Was ich hier er-lebe, kommt nicht wieder. Wir tragen Verantwortung füreinander, und hier beim Kongress bekomme ich die Kraft und auch das Wissen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Egal ob im Kleinen oder im Großen, aber – was ist schon klein, was ist groß?

Der Workshop „Nada Yoga Sadhana“ mit Ann-Careen Engel kommt mir gerade recht. Wir verbinden Töne mit Bewegung, spüren dem Klang der Sitar nach und unserer eigenen Stimme, wunderbar. Dann noch die Yogastunde „Der spirituelle Weg in den Asanas“ – wenn Katyayani beim Luft anhalten so schön das Gayatri Mantra singt, kommt die Ruhe ganz von allein.

 

Abschlussrede mit Narendra
Abschlussrede mit Narendra

Narendras Vortrag „ Yogapraxis im Wandel der Gesellschaft“ bringt ganz konkrete Fakten: Die Verrenkungen von früher waren einstmals Standard, in den 1980er Jahren wurde Yoga zur Edelgymnastik, dann kam der ganzheitliche Aspekt dazu. Viele kamen trotz der Spiritualität, was heute größtenteils anders ist. Die Sinnsuche beschäftigt viele Menschen wie auch der Wunsch, gesund zu altern. Derzeit wird ein Alter von 125 bis 150 Jahren als realistisch eingeschätzt, die Zahl der Hundertjährigen verdoppelt sich momentan alle 10 Jahre! – Fleißige und optimistische Menschen leben länger. Yogalehrer helfen den Älteren dabei, in Bewegung, also auch länger gesund und schmerzfrei zu bleiben. – Wir haben immer mehr Übergewichtige und 6 Millionen Diabetiker in Deutschland, 5 Millionen Deutsche praktizieren Yoga. Kinder sind mittlerweile von einer „motorischen Degenerierung“ betroffen, das will sagen, in der stehenden Vorwärtsbeuge bleiben die Fingerspitzen 5 cm über dem Boden hängen. In Folge dessen wurden die Standards im Sportlehrerstudium bereits heruntergesetzt. Bei Depressionen wird Yoga als Therapie eingesetzt. – Narendra verweist auf eine Studie von Prof. Arndt Büssing (Univ. Witten/Herdecke) über die Wirkung von Yoga, s. Internet. Auch Yogawiki bringt sehr viele Informationen zu diesen Themen. Für die Gesundheitsvorsorge wird die Yogalehrerpraxis immer komplexer.

In seinen Abschlussworten streicht Sukadev das Wesentliche dieses Kongresses hervor: Es geht um Toleranz, Gerechtigkeit und eine Kultur des Friedens. Der Mensch ist seit jeher ein kooperatives Lebewesen. Swami Amrta Suryananda hat diesbezüglich für eine weitere Überraschung gesorgt: Er initiierte die Gründung einer Europäischen Yoga Konföderation noch während des Kongresses. Papiere dazu hatte er schon vorbereitet! Alle zwei Jahre wird es einen großen Europäischen Yogakongress geben. Alle sind dabei! – Chandra Mohan Bhandari sagt: „Seit ich hier bin, kennt meine Freude keine Grenzen!“ Er habe in Indien keinen Ashram gefunden wie diesen. – Saraswati Aranka Keseru aus Ungarn spricht Swami Sivananda und allen Teilnehmern ihren Dank aus. Sie ist fein und bescheiden und geht fast unter zwischen all den vielen Delegierten auf der Bühne. Was tut Swami Amrta Suryananda? Er holt sie kurzerhand nach vorn und rückt selbst in die zweite Reihe. So einfach ist das! Nicht nur reden, sondern ES leben.

Danke an ALLE

OM Tat Sat

Abschlusssegen nach dem Europäischen Yoga Kongress
Abschlusssegen nach dem Europäischen Yoga Kongress

 

Nachtrag aus dem Yoga Vidya-Blog vom 13.12.2014:

Gestern ist der 21. Juni offiziell von den Vereinten Nationen (UNO) zum Weltyogatag erklärt worden.

Amrita Suryananda aus Portugal, der mit uns den Europäischen Yoga Kongress im letzten November organisiert hatte und seit 14 Jahren daran arbeitet, den 21.6. zum Weltyogatag zu erklären, war es vor 2 Jahren gelungen, Narendra Modi von dieser Idee zu begeistern. Narendra Modi ist dieses Jahr indischer Premierminister geworden, und hat die UNO vom Weltyogatag 21.6. überzeugt.

Laut der UN-Vollversammlung dient der Weltyogatag als Aufruf an alle Regierungen weltweit, diesen Tag zu nutzen, um Menschen auf die “Vorteile des Praktizierens von Yoga” aufmerksam zu machen.

Modi praktiziert nach eigenen Angaben selbst jeden Tag Yoga und hat letzten Monat sogar einen Yoga-Minister für Indien ernannt.

Wir sollten jetzt auch selbst als größte europäische Yoga Gemeinschaft den Weltyogatag am 21.6. feiern und freuen uns darüber, dass Yoga inzwischen eine solch große Anerkennung gefunden hat!

Einige Infos auf

http://www.n-tv.de/panorama/UN-Vollversammlung-empfiehlt-Yoga-article14143116.html

 

Christine Endris – Yogalehrerin seit 1996, langjährige Tätigkeit bei Yoga Vidya Frankfurt, erfahren in PR-Arbeit berichtet sie regelmäßig von den Yoga-Kongressen.

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