Yoga – Traditionelle Weisheit für die Zukunft

Der Europäische Yogakongress vom 14. bis 16.11.2014 in Bad Meinberg

veranstaltet vom Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/Innen e.V. (BYV) und der Portugese Yoga Confederation (PYC) mit ihrem Präsidenten Jagat Guru Swami Amrta Suryananda

Eindrücke von Christine Endris (BYV)

 

Freitag, 16.11.2014

Zu diesem Europäischen Yogakongress über das Thema „Yoga – Traditionelle Weisheit für die Zukunft“ sind Delegationen und Vertreter vieler Länder gekommen: Portugal, Spanien, Russland, Belgien, Holland, Luxemburg, Frankreich, Ungarn, Polen, England und andere.

Allein die portugiesische Delegation unter Swami Amrta Suryananda zählt über 60 Teilnehmer/Innen, darunter vorwiegend junge Menschen. Die Gruppe ist bunt und lebendig, dabei wirkt sie gleichzeitig konzentriert. Swami Amrta Suryananda, der international viele Funktionen ausübt und für seine Aktivitäten zur Verbreitung des Yoga zahllose Auszeichnungen erhielt, zeigt sich in seiner Begrüßungsrede begeistert über dieses einzigartige Ereignis in Bad Meinberg – schon jetzt! Er nennt Bad Meinberg die Yogastadt Europas. Überall in Europa entstehen fortwährend neue Yogazentren, Yoga ist in der ganzen Welt sehr präsent.

Elmar Brock, Abgeordneter im Europa-Parlament und seit vielen Jahren Schirmherr der Yoga Vidya Kongresse, kündigt in seinem Grußwort an, bald auch persönlich zum Kongress kommen zu wollen.

22 SukadevSukadev stimmt auf das Thema dieser Tage ein: Die Yogatradition ist vermutlich 6000 Jahre alt. In Indien entstanden, hat sie auch andere Kulturen in sich aufgenommen. Von 4000 bis 2000 v.Chr. war der Hinduismus eine friedvolle Hochkultur, man fand keine Waffen aus dieser Zeit. Es folgte die Zeit des Ayurveda, die Antike mit der griechischen Kultur und Philosophie, der Buddhismus, das Christentum, der Islam, der Sufismus. Schelling, Schlegel, Novalis, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Hesse ließen sich vom östlichen Denken inspirieren, ebenso Sigmund Freud und C.G. Jung. Dann kam der Pazifismus des 20. Jahrhunderts – Ahimsa, Mahatma Gandhi – und das neue Bewusstsein für Erde, Natur und Umwelt. 300 Millionen Menschen, die rund um den Globus Yoga praktizieren, geben Hoffnung auf eine friedlichere Welt. Yoga verbindet alle und alles. Der Lebensstil wird bewusster hinsichtlich Ernährung, Gesundheit, der Körper weiß, was er braucht und sorgt dafür, dass wir es zur Kenntnis nehmen! Energie und Kraft fördern das Selbst-Bewusstsein und die Fähigkeit, auch nein sagen zu können – gut gegen Burnout und Existenzängste.

Mitgefühl, Liebe und Güte sind der Weg zur Einheit, Yoga ist gelebte Ethik und erweckt das Gute im Menschen. Wir brauchen viel mehr Gerechtigkeit in der Welt und – Sukadev spricht aus, was viele denken: Die Weltwirtschaft kann nicht ewig wachsen! Gemeinsam werden wir leben, geteilt werden wir untergehen! Er dankt der portugiesischen Delegation für ihr Engagement für diesen Kongress und auch Amba, die als geschickte Organisatorin seit Jahren für die Einladung und Betreuung der Referenten sorgt, ehrenamtlich und zusätzlich zur Leitung ihres Yogazentrums in Darmstadt.

Die internationalen Delegationen stellen sich vor. Allen gemeinsam ist das Bewusstsein der Einheit auch in der Vielfalt, das Streben nach Frieden.

Yogademonstration auf dem Europäischen Yoga Kongress
Yogademonstration auf dem Europäischen Yoga Kongress

Am Abend erleben wir eine Asana-Vorführung von jungen Leuten aus der portugiesischen Gruppe. Es ist bewundernswert, wie akrobatisches Können mit großer Disziplin und Ernsthaftigkeit in Asanas umgesetzt werden, im Saal ist es ganz still. Dann begeben sich etwa 50 junge Portugiesen auf die Bühne, eine Gruppe sitzt rechts, die andere links: Kirtan-Darbietung! Eine Gruppe beginnt, die andere wiederholt. Es geht kräftig hin und her, hört sich gut an …. bis ….. das kenne ich doch! Klar! Das Jaya Ganesha, genau so, wie wir es Tag für Tag im Satsang singen! Jaya Saraswati – der ganze Saal stimmt ein, Sharavanabhava – und schon ertönt die Antwort aus hunderten von Kehlen. Die Überraschung ist groß, auf der Bühne und im Saal. Aus vollem Herzen singen wir gemeinsam unser Jaya Ganesha bis zum Ende: Anandoham, ich bin Wonne, und erfahren die Einheit in der Vielfalt, hautnah, mit Gänsehaut. Eigentlich wollte niemand am Ende aufhören. Wir hätten am liebsten noch stundenlang so weitergesungen. Es war ein magischer Moment!

 

Chandra Mohan Bhandari
Chandra Mohan Bhandari

Dann der erste Abendvortrag von Chandra Mohan Bhandari „Yoga-Tradition für die Ewigkeit“. Chandra Mohan Bhandari, ehemaliger indischer Botschafter in Polen, Litauen, den VAE, Kambodscha, Kanada und anderen Ländern, widmet heute sein Leben der Verbreitung von Frieden und Freundschaft durch wissenschaftliche yogische und ayurvedische Techniken. Er fördert ganz konkret umweltfreundliche Entwicklungsprojekte und bessere Lebensbedingungen für Frauen und Jugendliche. In den Schriften, der Bhagavad Gita oder Patanjalis Raja Yoga Sutras, steht alles, was wir für unser ethisches Verhalten brauchen. Krishna lehrt uns in der Gita das Handeln und auch die Pflicht zu Handeln, frei von Eigennutz, aus einem reinen Geist heraus. Patanjali sagt: Yogas citta vrtti nirodhah, Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist. Wie macht man das? Patanjali erklärt jeden einzelnen Schritt für diese Erfahrung, alles kann überprüft werden durch unser eigenes Tun. Wir müssen nur gehen! Das Singen bringt uns in einen starken Energiefluss, es bringt Körper, Geist und Seele immer wieder in Harmonie. Wenn wir den reinsten Zustand erreicht haben, sind wir frei.

 

Didi Sudesh
Didi Sudesh

Der zweite Abendvortrag ist von Didi Sudesh „Spirituelle Kräfte durch traditionellen Raja Yoga“. Sie ist Mitbegründerin der 1. Brahma Kumaris World Spiritual University in London, deren europäische Zentren sie gegenwärtig leitet. 55 Jahre lang war sie in über 85 Ländern eine herausragende Lehrerin, Vortragsrednerin u.v.m. Einige Kernsätze aus ihrem Vortrag: Ich bin eine reine Seele, reine Energie. Ich habe die Kraft der Klarheit und Entschlossenheit zur Selbst-Verwirklichung, in der Innenschau kann ich mich, meine Schwächen und Stärken erkennen. Ich kann mit reiner Seele unterscheiden, was richtig und falsch für mich ist. Weisheit ist die Balance der Demut. Positives, kraftvolles Denken führt zur Wahrheit. Wir sind alle funkelnde Diamanten, strahlende Sterne und können mit den Seelen anderer sprechen.

Das ist eine schöne Aufgabe! Sie spricht aus einer langjährigen Erfahrung heraus, man spürt es.

 

Samstag, 15.11.2014

Wie jedes Jahr gibt es am frühen Morgen ab fünf das umfassende Angebot für alle Bedürfnisse der Yogis und Yoginis in Form von Pranayama, Homa, fünf parallelen Meditationen; dann den großen gemeinsamen Satsang. Sukadev spricht über „Traditionelle Weisheit“. Er unterscheidet sieben Hauptprinzipien:

  1. Brahman

Es gibt eine höhere Wirklichkeit in diesem Universum, in Allem erfahrbar und unendlich, fühlbar in der Verbundenheit mit anderen Menschen und dem Erleben von Liebe und Freude im Herzen. Wenn wir Vergangenheit und Zukunft loslassen, sind wir da.

  1. Maya (Täuschung)

Die Welt ist nicht so, wie wir sie sehen. Sie wird als getrennt von Gott erfahren, jeder Einzelne lebt eine andere Welt, hat seine eigene Maya. In Wahrheit gibt es nur ein Brahman, allumfassend, namenlos, formlos und ewig. Wenn wir das verstanden haben, können wir über uns selbst lachen, unsere Maya loslassen, die Maya unseres Gegenüber vielleicht ein wenig kennenlernen und dann gemeinsam über das alles lachen. Humor ist …. naja ihr wisst es selbst – einfach gut!

  1. Dukha, das Leiden an der Existenz

Das Beste ist, wir erkennen es an! Wir können unser Leben nicht in Allem manipulieren. Und wenn wir meinen: Ich brauche unbedingt dies, oder das, von dem wir denken, dass wir es unbedingt brauchen, und bekommen es dann auch noch, kann dies das Schlimmste sein, was uns seit langem zugestoßen ist ….. Wer hat diese Erfahrung nicht schon gemacht?! Danke, Sukadev, dass du es uns wieder einmal gesagt hast! – Noch ein Tipp: Es hilft, genauer auf die sog. kleinen Freuden des Lebens zu schauen, das wirkt Wunder.

  1. Moksha (Befreiung)

ist ein Versprechen für die Zukunft: Langfristig sind wir alle tot, und langfristig sind wir alle gottverwirklicht. Der Gedanke an die Reinkarnation ist ein großer Trost.

  1. Abhyasa

Regelmäßiges Üben für einen achtsamen und respektvollen Lebensstil beginnt im Alltag, beim Partner, im Beruf. Es bedarf der Konzentration und der Hingabe dafür, die Teilnahme an einem Kongress wie diesem ist sehr hilfreich.

  1. Karma

Die beste Einstellung zum Karma lautet: Was auch immer geschieht, es ermöglicht mir zu wachsen! Es ist besser für uns (und für andere!), wenn wir uns nicht dauernd beklagen, sondern unsere Aufgaben in der Welt erledigen. Yoga ist Gelassenheit und Geschick im Handeln, s. Bhagavad Gita 2. Kapitel! Manche Yogis sagen „Ich tu jetzt mal was Nettes und spür in mein Herz, dann isses aber auch wieder gut“ meint Sukadev. Höre ich da eine gewisse Prise Ironie in diesen Worten?!

  1. Gnade

Haben wir uns ausreichend engagiert und die Lektionen des Lebens erfahren, uns immer wieder an das Göttliche erinnert, uns humorvoll von unserer Maya gelöst, dann können wir mit Hilfe der Gnade Gott verwirklichen.

Also – alles ist möglich mit Hilfe traditioneller Weisheit! Mit Wissen, Vidya!

 

Surabhi
Surabhi

Dann der Vortrag „ Oberflächlichkeit und Tiefe, das Paradoxon des Lebens“ von Surabhi, Vorsitzender der Spanish Satsanga Yoga Federation. Er zählt all die Werte auf, die der Mensch für ein gutes Leben braucht, von Freigiebigkeit bis Vergebung, von Enthusiasmus bis Einfachheit und Stille, von Urteilskraft bis Glauben, Demut und Güte. Streite nicht, wenn du Recht hast, es wird für dich sprechen. Erdulde Kritik mit Freundlichkeit. Gib und nimm mit Gleichmut. Lass die Dinge los – beispielsweise Zeitschriften, Fernsehen, Schmuck – Nichtverhaften erzeugt Freiheit. Sorge dafür, dass alte Denkmuster und Glaubenssätze aus deinem Geist verschwinden. Ersetze sie durch neue, die deine Entwicklung fördern. Praktiziere Selbstkontrolle bei Ärger, Wut, Angst, Traurigkeit, Begehren, Faulheit un