51 Innere Familienkonferenz für Gelassenheit

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Hole deine innere Familie in eine Familienkonferenz. Du hast da nämlich eine ganze Menge innere Familienmitglieder. Dieses Konzept ist aus der Transaktionsanalyse abgeleitet. Erfahre wie du das verbinden kannst mit den Konzepten des Raja Yoga. Du hast eine Menge von inneren Anteilen, unter anderem Kritisches Eltern-Ich, Fürsorgliches Eltern-Ich, Rebellisches Kind, Angepasstes Kind, Freies Kind, Erwachsenen-Ich als vermittelnde Instanz. Sukadev gibt dir ein Beispiel wie das konkret funktionieren kann.

51. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast.

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Ich werde jetzt das Modell des Königs und seiner Minister weiter ausbauen und du wirst ein sehr praktisches Instrument bekommen, ein sehr praktisches Werkzeug, Tool, um mit dir selbst besser umzugehen, um mit den Anteilen in dir besser umzugehen, um im Alltag die Kräfte deines Geistes, deines Unterbewusstseins nutzen zu können und ein engagiertes, gelassenes Leben zu führen. Bevor ich aber das Modell Minister und König weiter ausbaue, will ich noch andere Formen der Konferenz vorschlagen, denn vielleicht ist für dich ein anderes Modell geeigneter. Der wichtigste Teil des Modells ist, du etablierst dich als König, du etablierst dich als Führungspersönlichkeit, du stellst fest, alles in dir ist hilfreich und nützlich, alle Anteile in dir meinen es gut. Du erinnerst dich, ich gehe davon aus, es gibt nichts Negatives in dir, es gibt nichts, was von sich aus etwas Negatives will. Jeder Ausdruck, jede Emotion, jeder Wunsch, alles sind Ausdrücke von wohlmeinenden Anteilen in dir. Und es gilt, diese wohlmeinenden Teile in dir zu Wort kommen zu lassen, ihnen Beachtung zu schenken, und dann natürlich selbst zu entscheiden, was für dich am besten ist. Das Selbstentscheiden geschieht entweder über Intellekt, Vernunft, Entscheidungskraft, Urteilungsvermögen oder sehr häufig geschieht es intuitiv von selbst. Sowie du die inneren Anteile alle gewürdigt hast, sowie du ihrer bewusstgeworden bist, werden sie von selbst freundlich zu dir sein und werden auch zum Teil wieder ruhig werden. Auf eine gewisse Weise kannst du sagen, deine inneren Anteile sind wie Kinder. Kinder wollen auch beachtet werden, Kinder wollen wertgeschätzt werden, Kinder wollen Aufmerksamkeit haben. Und sowie du Kindern keine Aufmerksamkeit schenkst, werden sie unruhig werden, sie werden sich bemerkbar machen. Das ist ja ein großer Teil der Montessori-Pädagogik, ist ein großer Teil der Theorie von Adler und heute allgemein anerkannt.

Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Kinder brauchen Wertschätzung. Und das meiste Störverhalten, das Kinder zeigen, ist daraus erklärbar, dass Kinder sich bemerkbar machen wollen, um Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu erfahren. Kinder machen das sehr häufig mit Störungen und dann bekommen sie statt wertschätzender Aufmerksamkeit eher Schimpfen, aber wenigstens haben sie Aufmerksamkeit. Ähnlich ist es aber auch mit deinem inneren Geist. Dein innerer Geist ist auch so etwas wie ein Kind und dieses Kind will Aufmerksamkeit haben, weil es – und jetzt kommt es – weil es nicht nur Aufmerksamkeit haben will, sondern es hat etwas Wertvolles zu sagen. Und so gibt es eine Möglichkeit, auch eine Familienkonferenz einzuberufen. Dies ist ein aus der so genannten Transaktionsanalyse abgeleitetes Konzept. Die Transaktionsanalyse geht davon aus, dass du in dir Anteile hast, die aus der Kindheit erklärbar sind. Und zwar gibt es das so genannte kritische Eltern-Ich, es gibt das fürsorgliche Eltern-Ich, es gibt das rebellische Kind-Ich, das angepasstes Kind-Ich, das freies Kind-Ich und das Erwachsenen-Ich als vermittelnde Instanz.

Also, die Eltern hatten früher die Aufgabe dem Kind auch ein kritisches Feedback zu geben, also dem Kind zu sagen: „Nein, so ist es nicht ok. Bitte mache es anders. Du musst deine Aufgaben nochmal machen. Du musst deine Hausaufgaben besser machen.“ Das ist das kritische Eltern-Ich. Und dieses kritische Eltern-Ich hast du jetzt internalisiert, es existiert weiter in dir. Also, die Eltern hatten früher ihre Aufgabe, du hast die Aufgaben der Eltern internalisiert, das ist in dir als kritisches Eltern-Ich. Das kritische Eltern-Ich macht sich bemerkbar, wenn du z.B. denkst: „Das ist nicht gut genug. Du musst schneller sein. Das musst du besser machen. Da musst du dich mehr anstrengen. So geht es nicht.“ Diese innere Stimme hast du vermutlich in dir als kritisches Eltern-Ich. Das ist ein wichtiger Teil in dir, der hilft dir, dich weiterzuentwickeln, er hilft dir, dich anzustrengen. Als zweites hast du das fürsorgliche Eltern-Ich. Das fürsorgliche Eltern-Ich sagt: „Ja, es ist schon gut. Ja, ich liebe dich, was auch immer passiert. Ja, ich bin für dich da.“ Dieses fürsorgliche Eltern-Ich ist auch in dir. Irgendwo tief im Inneren weißt du: „Ja, ich bin ok. Ja, es ist schon gut. Was ich tue und bin reicht aus. Es ist ok, mal loszulassen.“

Kritisches und fürsorgliches Eltern-Ich manifestieren sich manchmal bei spirituellen Menschen in ihrem Bezug zu Gott. Manche haben das Gefühl, Gott will sie ständig auffordern, mehr zu machen. Manche haben aber auch das Gefühl: „Ja, Gott ist immer für mich da. Egal, was passiert, die Gnade Gottes ist da.“ Im klassischen indischen Bhakti Yoga ist dieses fürsorgliche Eltern-Ich sehr stark in der Hingabe zu Gott. Ich selbst glaube durchaus an Gott und ich glaube, dass letztlich Gott die Erfüllung aller menschlichen Bestrebungen ist. Man kann auch sagen, dieses Spirituelle, Gott kümmert sich um mich, Gott ist letztlich alles, ich kann mich ganz Gott anvertrauen, mag eine Erklärung haben aus dem fürsorglichen Eltern-Ich. Also, du hast vielleicht dieses fürsorgliche Eltern-Ich. Als Kind hattest du auch das rebellische Kind. Das rebellische Kind wird öfters mal die Dinge anders machen als die Eltern, wird bewusst die Grenzen austesten, wird manchmal auch eigene Vorstellungen durchsetzen. Manchmal ist das rebellische Kind so stark, wann immer die Eltern etwas sagen, dann will das Kind genau das Gegenteil machen. Es gibt auch Erwachsene, in denen dieser Rebellenanteil besonders stark ist.

Als nächstes gibt es das angepasste Kind. Das angepasste Kind sagt: „Wenn meine Mutter was gesagt hat, dann tue ich das auch.“ So wie in der katholischen Kirche: Roma loguta causa finita. Wenn Rom gesprochen hat, ist die Sache erledigt. Und viele Menschen haben dieses angepasste Kind-Ich recht stark. Das heißt, wenn der Chef etwas gesagt hat, ok, dann wird es auch umgesetzt. Zum Teil sogar, wenn Menschen jemanden als Chef interpretieren und der etwas gesagt hat, wird es umgesetzt. Nicht immer ist das für den Menschen als Ganzes ok. Manchmal ist dieses angepasste Kind so stark, dass man sich nachher unwohl fühlt. Man sagt erst einmal „ja“ und innerlich fühlt man aber, das ist nicht richtig. Als nächstes gibt es das so genannte freie Kind, das spielende Kind. Und das spielende Kind will alles Mögliche einfach ausprobieren. Es ist nicht rebellisch per se und wehrt sich nicht gegen irgendetwas, sondern es ist einfach spielerisch, findet es einfach toll, Dinge zu probieren. Draußen scheint die Sonne, das freie Kind will springen, will tanzen, will die Erde riechen, will den Baum anschauen, den Baum umarmen, will vor Freude springen, wenn etwas schön ist, gut, ist vielleicht auch traurig, wenn etwas nicht so schön ist usw. Das freie Kind wird oft auch als inneres Kind bezeichnet, manchmal sagt man, das innere Kind besteht aus allen dreien, dem rebellischen Kind, dem angepassten Kind, dem freien Kind. Und manchmal wird aber auch nur das freie Kind als echtes inneres Kind bezeichnet. Dieses freie Kind ist ein wichtiger Teil in dir.

Dann hast du ein Erwachsenen-Ich als vermittelnde Instanz. Das Erwachsenen-Ich , das gilt auch wieder als ähnlich wie Raja, der König, oder wie Buddhi. Man würde sagen, das Erwachsenen-Ich ist das, was im Raja Yoga als Buddhi bezeichnet wird. Dieses Erwachsenen-Ich will vermitteln und letztlich schauen: Wie handeln wir? Wie entscheiden wir? Nehmen wir mal ein Beispiel, wie das alles funktionieren kann, denn die Grundlage wäre, das Erwachsenen-Ich beruft eine Familienkonferenz ein und sagt: „Es gibt also jetzt verschiedene Anteile in meinem Ich, die etwas zu sagen haben. Das und das ist das Problem, die und die ist die Schwierigkeit oder das und das ist die Herausforderung, das ist die Angelegenheit, darum geht es.“ Und dann ruft das Erwachsenen-Ich die einzelnen Anteile auf und sagt: „Ok, kritisches Eltern-Ich, was hast du dazu zu sagen? Fürsorgliches Eltern-Ich, was meinst du? Rebellisches Kind, was meinst du? Angepasstes Kind, was meinst du? Freies Kind, was meinst du?“ Theoretisch könnten auch alle einen Namen bekommen. Man könnte dem kritischen Eltern-Ich den Namen geben – vielleicht war das nur ein Elternteil, der besonders stark war. Du kannst dann sagen, kritisches Eltern-Ich heißt Vater, fürsorgliches Eltern-Ich heißt Mutti oder kritisches ist Vater und fürsorgliches Papa, fürsorgliches Eltern-Ich könnte auch Mama und kritisches Mutter sein. Es kann auch ganz anders sein. Rebellisches Kind kann einen Namen haben, angepasstes Kind kann einen Namen haben, freies Kind kann einen Namen haben. Gut, und das Erwachsenen-Ich, kannst du sagen, das bin ich, im Sinne von derjenige, der jetzt alles koordiniert. Gut, das klingt jetzt theoretisch, ich mache es an einem Beispiel klar.

Du willst einen Brief schreiben an jemanden. Du bist jetzt in Konflikt, wie du ihn schreiben sollst. Du bekommst keinen Satz wirklich hin, du streichst immer wieder, du löscht immer wieder, du lenkst dich ab, isst mal einen kleinen Snack zwischendurch und kommst einfach mit dem Brief nicht weiter. Wie könntest du das jetzt machen? Du berufst eine Familienkonferenz ein, beginnend mit Erwachsenen-Ich. Das Erwachsenen-Ich beruft die Familienkonferenz ein und sagt: „Ich will diesen Brief schreiben. Irgendwie brauche ich jetzt eure Hilfe. Ich bin jetzt das Erwachsenen-Ich, ich berufe die Familienkonferenz ein.“ Dann gehst du weiter zum kritischen Eltern-Ich und sagst: „Oh, kritisches Eltern-Ich, was meinst du dazu?“ Das kritische Eltern-Ich sagt: „Der Brief muss perfekt sein. Und schreibe ihn endlich!“ „Und was meint das fürsorgliche Eltern-Ich?“ „Ja, es ist jetzt nicht so wichtig, wie du ihn schreibst, hauptsächlich du schreibst ihn. Das wirst du schon schaffen.“ „Rebellisches Kind, was meinst du?“ Rebellisches Kind: „Ja, warum soll ich überhaupt diesen Brief schreiben? Was soll das? Heutzutage kommuniziert man sowieso nicht per Brief usw. Ich habe Besseres zu tun.“ „Angepasstes Kind, was hast du zu sagen?“ „Ja, ich werde das schon machen. Irgendwie werde ich es hinkriegen.“ „Freies Kind, was meinst du dazu?“ „Wäre doch lustig, da mal was zu schreiben, womit der Empfänger nicht rechnet. Und warum soll ich mich immer an Konventionen halten? Ich schreibe Herzchen, Smileys usw.“ „Ja, freies Kind, was hast du noch für Ideen? Was soll man dort machen?“ „Ja, das und das und das.“ Sowie das freie Kind spricht, kommt plötzlich Energie in das ganze Spiel. Und dann kann das Erwachsenen-Ich dann sagen: „Kritisches Eltern-Ich, was meinst du dazu? Fürsorgliches Eltern-Ich, was meinst du dazu?“
Auf diese Weise gibt es eine wunderbare Konferenz, alle Kritiker und Fürsorglichen, Rebellischen und Angepassten haben etwas zu sagen und der Brief wird vielleicht relativ schnell geschrieben. Mein Tipp wäre, überlege jetzt und die nächsten Tage, ob das für dich etwas ist, womit du arbeiten willst. Und selbst wenn du feststellst: „Das ist doch vielleicht zu urteilend und zu sehr kindbezogen und letztlich gehe ich in die Regression, wenn ich mich dort zu sehr mit der Kindheit beschäftige.“ Selbst wenn du das meist, ist es dennoch eine gute Arbeit an dir selbst, wenn du ein paar Tage lang, vielleicht eine ganze Woche, an dieser Familienkonferenz arbeitest und dir bewusst wirst, dass es solche Anteile in dir gibt. Werde dir bewusst, wie viel von deinem inneren Dialog vielleicht kritisches Eltern-Ich ist, wie viel von deinem inneren Dialog oder auch von deinen spirituell-religiösen Überzeugungen oder Schicksalsüberzeugungen vielleicht auf das fürsorgliche Eltern-Ich bezogen werden kann.

Sei dir bewusst, wie häufig du einfach rebellisch bist aus dem rebellischen Kind heraus, wie häufig du einfach Dinge nicht tust, nur weil sie eigentlich zu tun sind. Sei dir bewusst, wie häufig du im vorauseilenden Gehorsam einfach tust, was Leute dir sagen, ohne das zu hinterfragen und vielleicht ohne, dass es sinnvoll ist. Sei dir bewusst, ob du dieses freie Kind in dir tatsächlich hast, ob du es vielleicht zu sehr unterdrückst und ob du es vielleicht mehr wirken lassen kannst. Und sei dir bewusst, du bist dein Erwachsenen-Ich. Sage nicht, „ich sollte das und das machen“ und sprich nicht zu dir selbst, „ich bin nicht gut genug, ich tauge nichts, das muss mehr sein, was ich da leiste, das muss schneller gehen usw.“, sondern sei dir einfach bewusst, „da sind Stimmen in mir, die das sagen und die haben ihren berechtigten Anteil.“ Denn natürlich, ein Mensch, der geschickt in der Welt umgeht, der hat durchaus ein kritisches Eltern-Ich als Hilfe bei steigenden Anforderungen. Er hat ein fürsorgliches Eltern-Ich, mit dem er einfach loslassen kann. Er hat ein rebellisches Kind, welches ihm immer wieder hilft, Sachen in Frage zu stellen. Er hat auch ein angepasstes Kind, denn manchmal muss man Dinge einfach tun. Und er hat ein starkes freies Kind. In einer Gesellschaft, in der Kreativität und neue Ideen immer wichtiger werden, ist es wichtig, ein starkes freies Kind zu haben. Soweit zur Familienkonferenz, die eben ableitbar ist aus dem Raja Yoga Modell. Du kannst sagen, das Erwachsenen-Ich ist Buddhi, die anderen Teile sind irgendwo im Chitta. Diese rumoren dort im Chitta, du kannst sie aus dem Unterbewusstsein herausnehmen und sie bewusst ins Manas bringen. Manas, also dein bewusstes Denken und Fühlen. Und du kannst dich lösen von Identifikationen, Ahamkara. Du kannst dir bewusstwerden: „Und hinter all dem bin ich Atman. Diese Familie, die ich innerlich in mir habe, das ist alles Antakarana, mein inneres Instrument. Ich kann mich davon lösen.“ Du kannst immer wieder zu dem kommen, was du wirklich bist, Satchidananda, unendliches Sein, unendliches Wissen, unendliche Glückseligkeit. Zum Umgang in dieser Welt hast du eine ganze Familie in dir. Diese kannst du nutzen, mit der kannst du wirken, mit der kannst du in die Welt hineinwirken, mit der kannst du Erfahrungen machen und lernen. Und immer wieder, löse dich davon, erfahre dich als dein Selbst.

1 Kommentar zu “51 Innere Familienkonferenz für Gelassenheit

  1. Kerstin

    Klingt nach einer hilfreichen Möglichkeit. Vielen dank.

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