77 Leben als Schule – Wachsen durch Lernen

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Gelassenheit gegenüber dem Schicksal ist die dritte Säule der Gelassenheit: Gelassenheit gegenüber dir selbst ist die erste, Gelassenheit gegenüber anderen die zweite, Gelassenheit gegenüber dem was dir passiert ist die dritte Säule der Gelassenheit. Wie kannst du diese Gelassenheit erlangen? Gehe von der Arbeitshypothese aus: Leben ist eine Schule, Schicksal ist eine Chance. Werde dir bewusst: was auch immer geschieht – du kannst daraus lernen. Du weißt zwar in der Situation oft nicht, was deine Lernaufgabe ist. Aber du kannst fest davon ausgehen, dass du eine hast.

Dies ist die 77. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast. Konzept, Sprecher, Produktion: Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya. Mitschnitt aus einem Seminar „Gelassenheit entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

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Heute: Leben als Schule – Wachsen durch Lernen, durch die Aufgaben, die das Leben dir schenkt. Gelassenheit gegenüber dem Schicksal ist die dritte Säule der Gelassenheit. Gelassenheit gegenüber dir selbst, ist die erste. Gelassenheit gegenüber anderen, die zweite. Gelassenheit gegenüber dem, was dir passiert, ist die dritte Säule der Gelassenheit. Wie kannst du diese Gelassenheit erlangen? Heute geht es insbesondere um die Arbeitshypothese: Leben ist eine Schule. Schicksal ist eine Chance. Werde dir bewusst, was auch immer geschieht, du kannst daraus lernen. Du weißt zwar in der Situation oft nicht, was deine Lernaufgabe ist, aber du kannst fest davon ausgehen, dass du eine hast. Wenn du von dieser Hypothese ausgehst, wirst du merken, was auch immer geschieht, du lernst davon.

Schicksalsakzeptanz. Ein paar Anregungen dazu. Ich hatte es schon etwas angedeutet, als ich über Karma gesprochen habe. Und man kann sagen, Karma heißt, Leben als Schule. Wir sind hier, um zu lernen und um zu wachsen. Und das kann man zunächst mal als Grundhypothese nehmen. Ich werde euch nachher noch sagen, man kann es auch noch komplizierter haben. Aber das einfachste wäre, einfach davon auszugehen, Leben ist eine Schule, Dinge passieren, damit wir wachsen. An anderer Stelle hatte ich schon mal ein paar Beispiele gebraucht. Man könnte z.B. sagen, angenommen, ihr geratet in einen Stau auf dem Weg nach Hause. Eine Möglichkeit wäre, genießt es als geschenkte Zeit. Zweite Möglichkeit, erst mal geht ihr davon aus: „Das ist geschickt worden, damit ich davon lerne. Ich komme deshalb in den Stau, damit ich davon lerne. Was ich davon lerne, kriege ich später raus, aber ich lerne erst mal davon.“ Oder ihr kommt von einem Seminar hier in Bad Meinberg zum Thema Gelassenheit nach Hause und ihr freut euch auf ein Wiedersehen mit eurer Familie. Was ist? Die Bude ist leer. Die Kinder sind ausgeflogen und der Mann ist im Büro und das Geschirr stapelt sich und das Katzenklo ist für Katzen unzumutbar. Da könnt ihr natürlich sofort sagen: „Toll, ich habe gerade ein Gelassenheits-Seminar mitgemacht, jetzt habe ich die wunderbare Gelegenheit, das gleich jetzt auszuprobieren.“

Vielleicht hat er es sogar gewusst und hat gedacht, wir geben jetzt mal eine Gelegenheit, zu gucken, ob sie was gelernt hat… Vielleicht haben sie sich sogar zusammengetan und fünfzehn Minuten später kommt die Familie hereingestürmt. Ist auch schon mal irgendjemandem passiert, dass sie sich abgesprochen haben, um zu schauen, wie jemand nach einem Yogaseminar reagiert auf solche Situationen. Das kann auch passieren.
Oder ihr denkt: „Oh, wenn ich nach Hause komme, muss ich mich wieder um alles kümmern.“ Und dann kommt ihr an und alles ist blitzblank, große Tafel am Eingang „Herzlich willkommen“ und Kerzen und Blumen und Duftlampe usw., und ihr könnt es gar nicht fassen. Und vielleicht seid ihr sogar so ein Temperament, wie es manchmal Pitta-Temperamente sind, die wollen immer nur geben und es fällt schwer, etwas anzunehmen. Und dann müsste man sagen, auch wenn ich sage, man soll sein Temperament leben, in dem Fall ist auch eine Lernlektion drin, nämlich? Sich freuen, einen Gang runterschalten, dankbar sein, sich verwöhnen lassen. Ist manchmal auch nicht so einfach, auch das mal anzunehmen. Ich hatte irgendwann mal vor einigen Jahren so eine Erkrankung gehabt, eine Borreliose, die irgendwie fehldiagnostiziert und mehrmals fehlbehandelt wurde. Schließlich bin ich im Krankenhaus gelandet. Und eine Lernlektion, die ich dort hatte, ich muss mir helfen lassen, noch dazu beim Arzt, noch dazu im Krankenhaus, noch dazu von einem Schulmediziner, noch dazu intravenöse Antibiotika. Und die Krankenschwestern waren so nett. Und die Ärzte waren so nett. Und die Sevaka hier waren so nett. Sie waren alle so nett. Aber ich dachte eigentlich immer nur, ich muss doch was machen, ich muss doch selber aktiv sein. Das war eine wichtige Lektion. Also, Leben ist Schule und man kann erst mal davon ausgehen, was auch immer passiert, davon können wir lernen. Wir können von Verlusten lernen, wir können von Gewinnen lernen, wir können von Herausforderungen lernen, wir können auch von schwierigen emotionalen Situationen lernen. Also, wenn ihr es euch einfach machen wollt, seht einfach nur das Leben als Schule, und das hilft schon ungemein. Und eben der Sinn des Lebens ist in diesem Sinne nicht, mehr Geld zu bekommen, auch nicht, ein größeres Haus zu haben, sondern der Sinn ist, lernen und wachsen.

Du kannst an allem lernen, du kannst an allem wachsen. In der nächsten Zeit gehe wirklich von dieser Arbeitshypothese aus. Nimm jede Herausforderung an. Nimm jede Kritik an als Lernaufgabe. Nimm jeden Verlust als Lernaufgabe. Nimm jedes Geschenk an als Lernaufgabe. Was auch immer kommt, es ist dazu da, dass du daran wachsen kannst, dass du daran lernen kannst. Eine schöne Aufgabe kann auch sein, dass du einfach mal überlegst: Wie war dein Leben bis jetzt? Was hast du bis jetzt in deinem Leben an Herausforderungen gehabt? Schaue dir insbesondere schwierige Situationen an, in denen du vielleicht verzweifelst warst. Und im Nachhinein überlege: „Was habe ich daraus gelernt? Was ist in mir heute wirklich Wertvolles entstanden, was es vielleicht nicht gäbe, wenn du diese Erfahrungen nicht gemacht hättest?“ Es kann auch eine gute Hilfe sein, einfach mal dein Leben aufzuschreiben, die wichtigsten Phasen deines Lebens, und dann zu überlegen: „Was habe ich gelernt? Wie bin ich gewachsen durch die Situation?“ Das Interessante ist, du wächst und lernst, auch ohne dass du es mitbekommst. Du kannst gar nicht leben, ohne zu wachsen. Das Leben wird aber besonders erfüllend und du kannst vor allem auch gelassener in herausfordernden Situationen bleiben, wenn du dir bewusst bist, Leben ist eine Schule, Schicksal eine Chance, was auch immer kommt, ist eine Lernaufgabe, du kannst daraus lernen und darin wachsen. Mehr also beim nächsten Mal, da wird ein anderer Aspekt von Schicksalsakzeptanz untersucht, ein etwas komplexeres Konzept, nämlich der fünffache Sinn des Lebens. Du kannst dich schon darauf freuen.

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