Die geistige Symbolik der Asanas – Raja Yoga auf der Yogamatte – Teil 1

Namasté ihr Lieben und herzlich willkommen im neuen Jahr! Über Weihnachten gab es bei Yoga Vidya Bad Meinberg ein wunderschönes Asana Intensiv Seminar zu dem Thema “Hingabe an Gott”. Dabei war eine Yogastunde der geistigen Symbolik der Asanas gewidmet. Es ist sehr wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, warum wir auf die Yogamatte steigen …

Das Ziel aller 6 Yoga Wege …

Hatha Yoga – Asanas, Pranayama, Kriya, Mudra, Bandha, Ernährung, Entspannung.
Kundalini Yoga – Arbeit mit Chakren und Energiefluss in den Nadis, länger gehaltene Asanas, intensiveres Pranayama, mit Chakrakonzentration.
Raja Yoga – Arbeit mit dem Geist nach den Yoga Sutras von Patanjali, Erlangung der Herrschaft über den Geist
Karma Yoga – Yoga des Nicht-Handelns, selbstloser Dienst an der Schöpfung
Jnana Yoga – Yoga des Wissens, Vedanta Philosophie, Studium der Schriften wie der Bhagavad Gita und der Veden.
Bhakti Yoga – Yoga der Hingabe, Mantra Rezitation oder Chanting, Rituale

… ist es, uns dazu zu befähigen zu erkennen, wer wir sind. Das Erkennen unserer wahren Natur. Selbsterkenntnis.

Wenn wir mit dieser Einstellung auf unsere Yogamatte gehen, wird das unsere Praxis von Grund auf verändern. Es geht nicht darum ein Asana zu beherrschen oder Rückenschmerzen los zu werden (was natürlich ein toller Nebeneffekt sein kann …). Die Asanapraxis wird zu einem Übungsfeld. Einem Spielplatz auf dem Du Deinen Körper und Geist besser kennenlernen kannst.

Du lernst die aktuellen Fähigkeiten und Grenzen Deines Körpers kennen und kannst beobachten, wie Dein Geist darauf reagiert. Und während Du Körper und Geist beobachtest, wird Dir immer klarer, dass du keines dieser beiden Objekte bist, sondern das Subjekt, das beobachtet. Diese Erkenntnis bedeutet jedoch nicht, dass wir dann unseren Körper vernachlässigen. Ganz im Gegenteil!

Körper und Geist sind unsere Werkzeuge, um in dieser materiellen Welt zu sein und Erfahrungen zu machen. Daher ist es wichtig, beide gut zu pflegen, gesund und kräftig zu halten und gut mit ihrer Funktionsweise vertraut zu sein. Das erleichtert das Leben ungemein 😉

Die Asanas bringen nicht nur körperliche und energetische Wirkungen mit, sondern fordern auch unseren Geist heraus oder symbolisieren durch ihre Form oder ihren Namen bestimmte geistige Praktiken, die Du Dir während des Übens bewusst machen kannst, um Deiner Praxis noch mehr Tiefe zu verleihen.

Der Gruß Namasté

Das Zusammenführen der Hände vor dem Herzen steht für die Einheit in Allem. Dualität und Trennung wie rechts und links, ein- und ausatmen, Ebbe und Flut, Tag und Nacht, Sommer und Winter, hell und dunkel, Erfolg und Misserfolg usw. sind Illusion. In Wahrheit ist alles Eins und dieses Eine wohnt in unserem Herzen.

In der Dämmerung ist weder Tag noch Nacht. Die scheinbaren Gegensätze verschwimmen und sind in diesem magischen Augenblick untrennbar miteinander verbunden. Die Stille, die zwischen Ein- und Ausatmung entsteht, ist keinem der beiden Vorgänge zuzuordnen und verbindet sie zu einer Einheit. In jedem Menschen fließen Sonnen- und Mondenergie, jeder hat männliche und weibliche Aspekte und vereint alles in einem Wesen.

Während Du Asanas übst, kannst Du Dich daran erinnern, dass es niemals um Extreme geht, sondern immer um die Mitte: Zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen fordern und leicht nehmen – einatmen und ausatmen, Festigkeit und Weichheit.

Tadasana

Tadasana heißt übersetzt „Bergstellung“. Für was steht der Berg? Der Berg hat ein stabiles Fundament, über das er fest in und mit der Erde verankert ist. Gleichzeitig ragt er weit nach oben in den Himmel. Dazwischen bietet er Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Er strahlt eine unglaubliche Erhabenheit aus und steht für Ruhe, Stille, Stabilität und Kraft.

Um einen Berg herum gibt es oft Unwetter, starke Stürme und Gewitter. Er ist extremen Unterschieden ausgesetzt. Während es an seinem Fuß sehr warm sein kann, liegt oben Schnee. Von einer Minute auf die andere kann sich das Wetter ändern – aber der Berg bleibt von all dem unberührt…

Wenn Du diese Stellung einnimmst, bevor du mit dem Sonnengebet beginnst, kannst du dir einen Moment Zeit nehmen, um dieses Bild vom Berg in dir aufzurufen. Über die Füße bist du mit der Erde verbunden, findest hier Stabilität und Kraft. Dein Körper spannt sich auf als lebendiges Wesen zwischen Erde und Himmel.

Alles steckt in Dir. Du bist die Verbindung zwischen Maya (das manifeste Universum, der Illusion) und Brahman (das alles umfassende Bewusstsein), zwischen Shiva und Shakti. Du vereinst alle Gegensätze in Dir. Und egal was um Dich herum passiert, welche Stürme des Lebens auch toben mögen, – Du bleibst davon unberührt, wie der Berg. Der Sturm geht vorüber und schon bald wird die Sonne wieder scheinen.

Virabhatrasana 2 – Held oder friedvoller Krieger

In Virabhatrasana 2 öffnest Du Hüfte und Brustkorb und findest Dein Gleichgewicht zwischen Kraft im vorderen gebeugten Oberschenkel und der Gewichtsverlagerung nach hinten auf das gestreckte Bein. Der Blick ist hoffnungsvoll mit offenem Herzen nach vorn gerichtet. Der friedvolle Krieger braucht Kraft, Körperbeherrschung und Offenheit.

Mit wem kämpft der Krieger? Für oder gegen was kämpft er? Kämpft er überhaupt? Ich sage: NEIN! Der friedvolle Krieger steht für Frieden im Inneren. Und Frieden ist ein natürlicher Zustand, der nicht durch Kampf oder irgendeine andere Handlung hergestellt werden kann. Frieden ist die Abwesenheit von Handlung.

Es braucht den Mut und die Stärke eines Helden oder eines Kriegers, um sich allen Gedanken, Emotionen und eingeschliffenen Mustern, die in unserem Inneren toben, zu stellen. Sie in der Stille offen anzuschauen und da sein zu lassen, ohne gegen sie zu kämpfen.

Es ist so leicht sich abzulenken, auszuweichen oder Gefühle zu unterdrücken. Sie still zu erleben, ohne sie aus zu agieren, ist heldenhaft. Nur so können sie sich im Licht Deines Bewusstseins und Liebe auflösen.

Im nächsten Teil diese Blogs werden wir die Asanas der Yoga Vidya Grundreihe unter den geistigen Aspekten betrachten.Das oben genannte Seminar wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Mehr Infos dazu findest Du hier.

Bis dahin alles Liebe!

Om Shanti

Ein Artikel von Gauri D. Reich

Alle Teile dieser Serie:

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

 

Quellen:

  • Als Vishnu eine Lotosblüte gebar, Alanna Kaivalya, Arjuna van der Kooij
  • Licht auf Yoga, B.K.S. Iyengar

9 Kommentare zu “Die geistige Symbolik der Asanas – Raja Yoga auf der Yogamatte – Teil 1

  1. Harald Hein

    Einen schönen Sonntag
    Der christliche Gedanke aus dem arabischen Kulturkreis und der Yoga-Gedanke aus dem indischen. Wichtig ist wohl daß es von weit weg kommt um hier interessant zu sein.
    Beides von Männern entwickelt und in der Hierarchie von Männern dominiert.
    Bin mal gespannt ob sich auch etwas weiblich europäisches finden kann.
    Viel Spaß
    Harald

  2. Premajyoti

    Vielen Dank, liebe Frau Niebergall,

    🙂

  3. Margit Niebergall

    Liebe Premajyoti,
    wo genau soll denn „so viel Aggression durchgekommen“ sein?
    Ich bin auf niemanden wütend, auch auf Frau Reich nicht. Es ist so, wie ich geschrieben habe: ich war vor allem verwundert, dass sie davon auszugehen schien, dass die meisten ihrer Leser Yoga als eine Art Selbstzweck ansehen – als Lebensphilosophie halt.
    Nachdem ich mich inzwischen öfter in Yoga-Foren im Internet bewege, sehe ich, dass sie damit wohl nicht falsch liegt.
    Wie gesagt: Leben und lassen.
    Auch Ihnen alles Gute – und wenn Sie sich durch irgendeine Äußerung von mir verletzt fühlen sollten, so bitte ich hiermit um Verzeihung.
    Das war zu keinem Zeitpunkt meine Absicht.

  4. Premajyoti

    Hallo liebe Margit Niebergall,

    danke für Ihre Antwort, wenn es so ist für Sie, ist es auch richtig und gut , das Ihnen Yoga auf körperlicher Ebene hilft, wie vielen Menschen auch.Ich für meinen Teil kam zum Yoga da diese Philosophie mir viele Antworten gab die mir die Kirche „erstmal“ nicht geben konnte. Was mich nur etwas schockte,nachdem ich auch Ihren anderen Kommentar las, das so viel Aggression durchkam, aber vielleicht täusche ich mich ja , aufgrund meiner Verbindung Thema Jesus = Sanftmut…. Auf alle Fälle wünsche ich Ihnen alles Gute und weiterhin gute Heilung zur Genesung Ihres Körpers.

  5. Margit Niebergall

    Liebe Michaela,

    ganz richtig: da hat Jesus noch viel Arbeit vor sich und eben nicht irgendein Yoga-,Feldenkrais- oder Pilates-Trainer.
    Für mich ist Yoga ebenso wenig wie Pilates, Feldenkrais, Nordic Walking oder Wassergymnastik eine Lebensphilosophie oder Ersatzreligion.
    Es hat aber seinen Platz in meinem Leben als eine schöne und angenehme Freizeitbeschäftigung und als etwas, das – so wie die drei anderen genannten Sportarten auch – sehr viel dazu beigetragen hat, dass inzwischen die Opiatdosis reduzieren konnte.
    Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

  6. Premajyoti

    hihi, liebe Frau Margit Niebergall,

    muss mich immer wieder wundern über so manche „katholische Zeitgenossen“ , da hat Jesus noch viel Arbeit vor sich….

    Viele Grüße
    Michaela

  7. Margit Niebergall

    Sehr geehrte Frau Reich,

    gerade eben habe ich den ersten Teil Ihrer Artikelserie über die „geistige Bedeutung der Asanas“ gelesen und bin einigermaßen perplex. Sie schreiben, es ginge „nicht darum, Rückenschmerzen los zu werden“…..doch, für mich geht es genau darum und nichts sonst. Für alles, was mit Religiosität und Spiritualität zu tun hat, ist in meinem Leben die katholische Kirche zuständig.
    Von Yoga erwarte ich mir diesbezüglich nichts. Wenn ein Yogalehrer meint, die Stunde nicht ohne Absingen von „Om Shanti“ beenden zu können, ist mir das inzwischen egal(vor ein paar Jahren fand ich das problematisch), aber ich brauche es nach wie vor nicht. Aber wie man im Rheinland so schön sagt:Lieve un lieve losse…..
    Eines noch: von Ihnen als – unter anderem – Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung hätte ich eigentlich erwartet, dass Sie für den Wunsch, Rückenschmerzen oder andere Beschwerden loszuwerden, mehr Verständnis und Sympathie aufbringen.

  8. Liebe Gauri,
    ein schöner Beitrag über das Bewußtmachen der geistig und spirituellen Dimension der Asana Praxis. Ich freue mich auf die weiteren Teile!
    Om Shanti

  9. Ein sehr inspirierender Artikel liebe Gauri, Danke Dir!

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