Fotoshow: Europäischer Yogakongress – Eröffnung

In Sukadevs Eröffnungsrede zu Beginn des Europäischen Yoga Kongresses am letzten Wochenende sprach er über den Einfluss, den Yoga auf verschiedene Kulturen in der Vergangenheit genommen hat, und das Potential, welches er in der Verbreitung von Yoga in der Gesellschaft sieht. Sehr inspirierende Worte über eine Zukunftsvision des friedvollen Zusammenlebens der Kulturen:

Yoga – Traditionelle Weisheit für die Zukunft

Yoga ist uralt, mindestens 4000 Jahre alt, vermutlich 6000 Jahre oder noch älter. Was hat eine solche alte Tradition für die Zukunft zu sagen?

Ich meine, sehr viel: Für die vielen Probleme, Herausforderungen und Chancen unserer nahen und fernen Zukunft kann Yoga wichtige Anregungen geben.

Yoga entstand in Indien und hat in immer neuen Wellen andere Kulturen beeinflusst und befruchtet, und hat auch die Einflüsse anderer Kulturen immer wieder in sich aufgenommen. Zur Zeit der frühen Hochkulturen, 4000-2000 v.Chr. war die Induskultur die Bevölkerungsreichste und friedvollste. Zur Zeit der Antike hatte Ayurveda entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der griechisch-römischen Medizin, hat die griechischen Lebensphilosophien wie Stoa und die Cyniker entscheidend mit geprägt. Der aus dem Yoga hervorgegangene Buddhismus breitete sich nach China und Japan aus – und trug so entscheidend zur Entwicklung Oastasiens bei. Durch den Kontakt des Islams mit Indien entstand der Sufismus, die islamische Mystik, welche über die Ostkirche z.B. die Entwicklung des immerwährenden Jesusgebetes prägte. Zur Zeit der Romantik um 1800 bekamen Dichter, Philosophen, Musiker wie Schelling, Schlegel, Novalis, Goethe, danach auch Schopenhauer, Nietzsche entscheidende Impulse. Die Lebensreformbewegung im 19. Jahrhundert mit der Reformpädagogik, Wanderbewegung, Vegetarismus Bewegung, Naturheilkunde, Kurwesen (Bad Meinberg), war stark von der Auseinandersetzung mit Yoga geprägt. Der Beginn der Psychologie mit William James, Sigmund Freud, C.G. Jung, Schultz und anderen bekam viele Anregungen aus dem Yoga. Der Pazifismus seit dem 19. Jahrhundert, die Friedensbewegung, war stark vom Ahimsa-Gedanken des Yoga geprägt – und wirkte dann auch zurück in die indischen Unabhängigkeitsbewegung von Mahatma Gandhi. Auch die 1968er Bewegung, die Ökologie-Bewegung, die Grünen, bekamen viele Eindrücke aus dem Yoga.

Was heißt das für uns heute, noch mehr: Was heißt das für die Zukunft?

Was in der Vergangenheit seit Jahrtausenden die Entwicklung der Zivilisation mit geprägt hat, kann auch die zukünftige Entwicklung weiter prägen.

Was hat Yoga für die Zukunft zu bieten?

 

  • Völkerverständigung: Yoga heißt Einheit, Harmonie. Yoga ist religionsübergreifend, kulturübergreifend, länderübergreifend. Yoga ist schon jetzt mit etwa 300 Millionen Übenden (Hatha Yoga) prägend für den Geist der Einheit und Verbindung
  • Gesundheit: Gesundheit kann nicht nur Reparaturbetrieb sein durch Arzneimittel und Operationen. Gesundheit braucht einen gesunden Lebensstil. Yoga setzt dabei auf die somatische Intelligenz: Der Mensch kann spüren, was ihm gut tut. Durch die Übung des Yoga kommt das intuitive Spüren für die Bedürfnisse des Körpers. Die Empfehlungen des Yoga, vegetarische vollwertige Ernährung, Bewegung, Entspannung, richtige Atmung, liebevolles Denken, Meditation haben sich als entscheidende Säulen der Gesundheitslehre auch der Schulmedizin gezeigt
  • Leistungsfähigkeit: Die moderne Zivilisation fordert dem Menschen viel ab. Yoga gibt dem Menschen Energie, neue Kraft, macht ihn leistungsfähiger – aber auch selbstbewusster, um auch mal nein sagen zu können. Yoga ist der psychischen Gesundheit förderlich, hilft gegen Ängste und Burnout
  • Mitgefühl, Ahimsa: Die Entwicklung der Kultur geht in Richtung mehr Mitgefühl. Darauf hat Yoga entscheidenden Einfluss gehabt, und hat es immer noch. Beim Yoga kommt Mitgefühl nicht nur als Vernunftsethik wie bei Kant, so wichtig auch eine Vernunftsethik ist. Yoga führt zum Zugang zu seinem eigenen Herzen, ermöglicht in der Meditation die Erfahrung von Verbundenheit zum anderen Menschen. So wächst der Mensch in Mitgefühl. Das betrifft nicht nur Menschen, sondern auch Tiere (Vegetarismus, Veganismus) und die Umwelt, Ökologie
    Yoga ist auch erlebte, erfahrene Ethik. Yoga glaubt an das Gute im Menschen. Yoga ist das Gegenteil einer dualistischen Glaubensform, Gut und Böse. Vielmehr glaubt Yoga daran, dass in jedem Menschen das Gute ist. Es gibt keinen Kampf Gut gegen Böse. Es gibt ein Ri