Vortrag: Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Vortrag von Nepal Lodh

Am 06.03.2015 hielt der renommierte Referent Nepal Lodh den Vortrag „Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern“ auf dem 8. Kinderyoga-Kongress im Yoga Vidya Seminarzentrum Horn-Bad Meinberg.

In seinem Vortrag führte Nepal Lodh die Besucher in von ihm entwickelte Rituale und Lockerungs-Übungen ein, die zur gewaltfreien Geisteshaltung und einer dementsprechenden Kommunikation verhelfen und diese unterstützen sollen. Es wurde deutlich, dass der Bedarf sowie der Nutzen einer grundlegenden, gewaltfreien Geisteshaltung nach wie vor essentiell für ein friedliches menschliches Zusammenleben ist. In Familien, in Schulen und bei allen Zusammenkünften unterschiedlicher Altersgruppen ist gelebte Gewaltfreiheit ein Gebot der Stunde. „Der Ton macht die Musik“, so Nepal Lodh. Die Ernte fällt entsprechend der vorgenommenen Saat aus – deswegen gilt: Säe Frieden, und du wirst Frieden ernten. So ist der Vorsatz zur Gewaltfreiheit nicht zuletzt etwas sehr Aktives, das durch die Intention und als ein aktiver Handlungsansatz bewusst für friedliche Resultate genutzt werden kann.

Angeeignete Verspannungen des alltäglichen Lebens können durch einfache Koordinations- und Wahrnehmungsübungen gelöst werden. Sich selbst und den anderen vorbehaltlos anzunehmen und zu respektieren – auch das ist Teil einer friedlichen Kommunikationsbasis. Mit der Durchführung begleitender Handhaltungen sagen sich die Beteiligten zum Beispiel: „(1.) Ich bin, wie ich bin. (2.) Das ist okay. (3.) Namasté.“ Solche Rituale helfen, die Selbstakzeptanz zu stärken und aus einer positiven Einstellung zu sich selbst heraus gleichzeitig seine Mitmenschen in deren Integrität zu achten.

Auch gilt es, Sorgen und Ängste abzubauen und seinen Geist rein zu halten. Möglichkeiten dazu bietet etwa ein tägliches Wasser-Ritual oder indem man sich mit spirituellen Gesten an sich selbst, an die Sonne, die Erde und an den Himmel wendet. Auch bestimmte Schrittabfolgen, Klatschen mit den Händen sowie das Stampfen der Füße auf den Boden in Verbindung mit begleitenden einsilbigen Ausrufen (TE-RE, KA-TA, DIN-DIN, DA-DA) helfen dabei, Spannungen abzubauen und die Bereitschaft zum friedlichen Miteinander tatkräftig zu demonstrieren. So sind es unter anderem derartige Rituale, die bei der Problembewältigung in unserer heutigen Zeit einen Beitrag zur systematischen Hilfe im gesellschaftlich-kulturellen Kontext leisten können.

Die von Nepal Lodh entwickelten Techniken sind z.B. schon in Schulen erfolgreich zum Einsatz gekommen. So geht es Nepal Lodh auch darum, dass das Ziel einer Diskussion nicht sein sollte, Recht zu haben oder „sein“ Recht behalten zu wollen, sondern sich respektvoll miteinander auszutauschen. Demnach gibt es keine Gesprächs-Gegner, sondern vielmehr Gesprächs-Partner. Die eigenen Erwartungen zu minimieren ist eine Voraussetzung, um nicht in einen blindwütigen Erfüllungszwang zur Befriedigung der eigenen Erwartungen zu verfallen. Der Geist ist die Summe seiner akkumulierten, inneren Ansammlungen, so auch der unzähligen Erwartungen und Vorstellungen, die man hegt. Eine erwartungsarme Haltung bietet wenig Angriffsfläche für Enttäuschungen. Auch darin liegt ein Grundstein, Kommunikation offen, lebendig, respektvoll und frei von bestimmten Zwängen zu halten. Sich dem anderen mitzuteilen, sich zu öffnen, und im Gegenzug zuhören, sich zum anderen hinwenden, darin liegt ein wertvoller Schatz der gewaltfreien Kommunikation. Aggressive Gesprächsmuster zu erkennen und zu minimieren, hingegen gewaltfreie Gesprächformen und –inhalte tatkräftig zu kultivieren, das ist sowohl eine Aufgabe als auch ein Ziel, um im Umgang mit Kindern, Jugendlichen sowie generell mit allen Mitmenschen die Schönheit des friedlichen Zusammenlebens zum Vorschein zu bringen.
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Portrait Nepal LodhReferent Nepal Lodh ist indischer Yogameister, Vorsitzender der Deutsch-Indischen Hindu-Gesellschaft Bremen, Dipl.-Sozialwissenschaftler, professoraler Lehrbeauftragter und Buchautor.

2 Kommentare zu “Vortrag: Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

  1. Liebe Melanie,

    herzlichen Dank für deinen Kommentar.

    Die Verbindung von Yoga und Gewaltfreier Kommunikation ist, wenn man so will, eine ganz natürliche (bzw. immanente), da im Yoga das „Ahimsa“ von elementarer Bedeutung ist.

    Ich zitiere: „In seiner umfassenden Bedeutung ist Ahimsa oder Gewaltlosigkeit ein vollkommenes Abstandnehmen davon, irgendeinem Lebewesen Schmerz oder Leid zuzufügen, in Gedanken, Worten und Taten. Nichtverletzen erfordert Arglosigkeit des Geistes, des Mundes und der Hand.“ [Quelle: https://www.yoga-vidya.de/Yoga–Artikel/Art-Artikel/art_ahimsa.html%5D

    Dieser Artikel hier entstand nach meinem Besuch des Vortrages von Nepal Lodh auf dem Kinderyogakongress. Gleichfalls beeindruckend fand ich den Workshop von Birgit Villanyi. Es ist schön zu sehen, wie respektvoll und wertschätzend solche Ansätze sind. Das ist enorm wichtig, um schon von Kindesbeinen an die Menschen in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken und somit auch eine friedfertige Achtung „dem anderen“ gegenüber zu begünstigen.

    Meinen Artikel zum angesprochenen Workshop findest du hier:
    https://blog.yoga-vidya.de/kinderyoga-kongress-workshop-ein-herz-fuer-dich/

    Mich haben beide Vorträge jedenfalls sehr beeindruckt.:-)

    Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.

    Viele Grüße
    Om Shanti

    Dirk

  2. Vielen Dank für diesen bereichernden Artikel. Ich bin gerade über die Verknüpfung zwischen Yoga und Gewaltfreier Kommunikation, so wie sie hier aufgeschlossen wird, ganz neugierig geworden.

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