Reisebericht Indien 2015 – Teil 7

Dies ist der 7. Teil des Indien-Reiseberichts von Vani Devi, die im Oktober/November diesen Jahres mit der Yoga Vidya Reisegruppe in Indien im Sivananda Ashram in Rishikesh zu Besuch war.

Teil 7 – Reisebricht: 

Dienstag 03.11.2015

Ganztagesausflug in die Berge zu Swami Bodichitananda. Swami Bodichitananda hat einen kleinen Mini-Ashram – wunderschön idyllisch gelegen, ein Paradies für jeden Aussteiger (herzlichen Glückwunsch!) Auf dem Weg dorthin werden wir immer wieder von Affen begleitet, allmählich fast schon normal, wie es in Deutschland zum Beispiel die Katzen sind. Es gibt noch viel Arbeit zu tun; demnächst kann Swamiji aber mehrere Gäste dort beherbergen. Ganz liebevoll bewirtete er unsere 17-köpfige Gruppe mit Essen und natürlich: mit Chai.

Die Menschen fragen Swamiji manchmal, warum er so viel Frauenbesuch bekommt, er sei doch schließlich Swami. (Mönch). Das liegt einfach daran, dass es im Westen vor allem Frauen sind, die Yoga praktizieren und nach Indien in einen Ashram reisen. 

Auch hier gibt es wieder einen Vortrag. Ich selbst bin überwältigt von der Umgebung und dem Harmonium, und ich freue mich, dass ich (endlich mal wieder) im Freien spielen darf.

Unter anderem erzählt Swami Bodichitananda con seinem Swami-Dasein, und dass er erst später begriffen hat: Für einen Swami gibt es keinen Regeln mehr, er hat seinen Körper verbrannt, es gibt ihn nicht mehr – somit gibt es auch keine äußeren Regeln oder Gesetze mehr für ihn. Er ist FREI. Auf die Frage an seinen Lehrer, wie man ‚Bodichitananda‘ richtig schreibe: mit „t“ oder mit „d“, antwortete dieser in einem anderem Zusammenhang: „t“ is right. Swami Bodichitananda wusste zunächst nicht, was sein Lehrer meinte – er war doch nicht mehr zuständig, seinen Lehrer mit Tee zu versorgen. Er war nun selbst Swami und nahm an, sein Lehrer richtete sich mit der Aufforderung an ihn, „Tee“ (sprich: t) zu kochen. Manches erschließt sich uns also auf seine ganz eigene Weise.

Gemeinsam mit Swami Bodichitananda gingen wir in einen Devi Tempel, hatten dort einen kleinen Satsang und begannen ohne den Swami den Abstieg zum Nilakantha Tempel. Der Weg führte durch eine traumhafte Landschaft bei traumhaften Temperaturen. Der Nilakantha Tempel sorgte für Ernüchterung: Hier war es laut und erinnerte an eine Baustelle. Aber es gab einen kleinen Wasserfall, unter dem man ein erfrischendes Bad nehmen konnte. Oder man bewunderte einen ShivaLingam und stieg dann auf zu einer verräucherten Höhle voller Dreizacks, in der man Shiva-Asche auf die Stirn gestrichen bekam. Die Energie von Shiva, wohl eher der Aspekt Rudras, war hier deutlich zu spüren.

Von hier aus brachten uns vier Taxen wieder glücklich in den Ort. Die Strecke war sehr kurvig und der Weg sehr schmal – es gab Gegenverkehr, und einige von uns vertrugen diese Autofahrten weniger gut. Lauthals sangen wir das ganze Kirtanheft rauf und wieder runter. Sitaram meinte hinterher, es sei ein wahres Geschenk für den Taxifahrer gewesen, solche singenden und gottverehrenden Menschen fahren zu dürfen. Ein echter Taxi Satsang.

P1330489Ausnahmsweise gab es ein Abendessen im Restaurant in Lakshman Jhula, dem Ort in Rishikesh, Ganga aufwärts gelegen, an dem die 2. Brücke über die Ganga geht. Hier steht ein Tempel mit 7 Ebenen. Ein Tempelraum reiht sich an den anderen. In jedem Tempel sind andere Murtis untergebracht und besonders faszinierend waren die vielen Glocken, die vor jedem Tempelraum hingen. So erklomm man also die 7 Ebenen und schlug dabei alle Glocken an, so dass es ein wunderbares Glockengeläut gab. Weil das viele Besucher machen, ist es dort nie wirklich still. Immerzu hört man die Glocken und denkt an Gott.

Mittwoch 4.11.2015

Ein Vortrag mit Swami Amritarupananda (Tochter von Swami Atmasvarupananda)

Brahman ist allein ohne ein Zweites – Yoga ist die Umsetzung dieser Wahrheit. Reines Vedanta ist das rettende Wissen, dass dich befreien wird. Diese Wahrheit kann unsere Freiheit erst dann bewirken, wenn wir sie glauben.

Die ganze spirituelle Praxis dreht sich darum, das Wissen aus dem Kopf in den Bauch zu bekommen. Westliche Menschen brauchen mehr Zeit, um zu lernen zu glauben (Swami Amritarupananda ist Amerikanerin).

„Herr, du kommst zu mir in Form dieser hässlichen Gedanken aber du wirst mich nicht mehr hereinlegen“ , so kann man sich helfen, wenn ungute oder ungewollte Gedanken auftauchen. Es ist leicht, Gott als Alles zu sehen in der Natur oder in der Stille der Meditation, aber es ist nicht mehr leicht, wenn unschöne Dinge auftauchen. Wenn Gott das Eine ohne ein Zweites ist, dann ist er auch alles Unschöne.

Ein befreites Wesen hat keinen Widerstand mehr. Suche das Jenseits, erkenne die Non-Dualität. Die Basis für Liebe und Mitgefühl ist der „Nullpunkt“. „Nullpunkt“ bedeutet: Erkenne, das alles, was du machst, durch Gott kommt.

Gott allein ist; das Ego ist nichts. Wenn Gott allein ist, ist kein Platz für ein Zweites, z.B das Ego.

Es geht um das Loslassen durch vedantische Selbstbefragung: Frage: Wer bin ich ? Was ist der Teil in mir, der sich niemals ändert ?

Donnerstag 5.11.2015

Vortrag Swami Padmanabhananda, der General Secretary der Divine Life Soceity

Zuächst schaut Swami Padmanabhananda zur Ganga hinunter, bevor er zu uns in den Raum kommt. Dann erklärt er sein Tun: „Es ist wie mit dem Handgepäck. Wenn ich ins Flugzeug steige, verstaue ich das Handgepäck, dann kann ich unbelastet fliegen. Wenn ich in eine Gruppe gehe, um einen Vortrag zu geben, lasse ich alles Ungelöste zurück, um es dann hinterher wieder aufzunehmen.“

Swamiji erzählt von einem Buch (bzw. Film): „City of Joy“, das Buch des Franzosen Dominique Lapierre, der seine Beobachtungen in einem Slum in Kalkutta beschreibt. „Anandanagar“ – Stadt der Wonne. Wie erstaunlich, dass Menschen in einem Slum tatsächlich Wonne und Freude ausstrahlen können. Westliche Menschen könnten dort nicht sein, meint der Swami.

So wie Hunde nur Hunde zur Welt bringen können, ein Apfelbaum nur Äpfel, so kann Gott nur Götter zur Welt bringen. Alles ist göttlich, den alles ist von Gott gemacht. Alle sind Avatare, wir alle sind Kinder Gottes. Die Göttlichkeit in uns ist nur verschleiert. Es ist wie mit einer Glühbirne: Wenn sie verschmutzt ist, kann die Leuchtkraft nicht durchdringen – man muss sie putzen, damit sie wieder hell strahlen kann. Was ist das Wichtigste im Leben? Der Atem.

Im nächsten Teil (Teil 8) wird es mit den spannenden Tagesberichten von Vani Devi weitergehen.

Alle Teile dieser Reisebericht-Serie werden nach und nach auch unter folgendem Schlagwort zu finden sein:

 

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