Reisebericht Indien 2015 – Teil 6

Dies ist der 6. Teil des Indien-Reiseberichts von Vani Devi, die im Oktober/November diesen Jahres mit der Yoga Vidya Reisegruppe in Indien im Sivananda Ashram in Rishikesh zu Besuch war.

Teil 6 – Reisebricht: 

Montag 02.11.2015

Heute ist es soweit: Anja und ich dürfen zur Shiva Lingam Puja. Parallel zum Morgen-Satsang findet jeden Morgen um 5.30 Uhr im Vishwanath Mandir neben der Samadhi Shrine Hall diese Puja statt. Fülle ohne Ende! Der Lingam wird mit Bananenmus, Honig und anderen wohlriechenden Flüssigkeiten verehrt, mit Wasser gereinigt und dann mit Blumen (orangefarbene Tagetesblüten) geschmückt.

Während der Zeremonie singt eine Frau „om namah shivaya“, nachdem die stille Meditation im Shrine nebenan beendet ist. Den Höhepunkt bildet ein „ohrenbetäubender Lärm“ mit großen Gongs und einer elektronisch betriebenen Trommel. Es ist so unglaublich laut, dass du alles vergisst und nur noch Raum für Gott in dir ist.  

Nach diesem Ritual ist die Müdigkeit definitiv verschwunden. Es geht weiter zum Frühstück: warmer süßer Chai, Reisbrei und manchmal auch andere Leckereien wie z.B. Toast mit Erdnussbutter oder gedünstetes und gut gewürztes Gemüse.

P1330126Morgens gab es drei verschiedene Möglichkeiten, den Tag zu beginnen und Gott zu verehren:

  1. Morgensatsang ab 5.00 – 6.00 Uhr, dann weiter stille Meditation mit Rezitationen am Shrine von Swami Sivananda
  2. Morgensatsang ab 5.00 – 6.00 Uhr, dann Spaziergang etwa 120 Stufen hinunter zum Gurudev Kutir an die Ganga, um dort weiter zu meditieren oder auch Pranayama zu praktizieren
  3. Shivalingam Puja ab 5.30

Bevor der Satsang beginnt, wandert man einmal um den Shrine von Swami Sivananda herum, verehrt den Shrine und den kleinen auf ihm stehenden Shivalingam und sucht sich dann seinen Platz für die Meditation. Männer und Frauen sitzen getrennt.

Meister, die in Mahasamadhi eingegangen sind, werden nicht verbrannt. Es wird eine Art Mausoleum gebaut – dort finden die Satsangs statt. Der Körper von Swami Sivananda ist u.a. mit Salz präpariert und bleibt der Nachwelt als solches erhalten. Ich denke: Vielleicht ist es ganz gut, dass man nicht in diesen Marmorsarg hineinschauen kann.

Heute ein Vortrag von Swami Atmaswarupananda (Autor des Buches: „Vertraue Gott“) mit dem Thema: Simplicity – also: Einfachheit.

Die Sehnsucht nach Einfachheit wird immer größer, weil die Welt immer komplizierter wird. Das spirituelle Leben ist einfach. Es ist der einzige Platz, an dem man absolute Einfachheit findet. Vor 1000 Jahren, als wir die Bhagavad Gita bekommen haben, muss das Leben sehr einfach gewesen sein – aber es gab Schlachten zu kämpfen und jeder musste Verbündete finden.

Die Kern-Aussage der Gita findet sich im 18. Kapitel, so jedenfalls sagte es Swami Chidananda, und nicht im 11. Kapitel, wie so viele Menschen meinen. Sie lautet: Wenn du eine Pflicht zu erfüllen hast, tue sie, ohne zu murren.

Wenn du mit der falschen Voraussetzung beginnst, kannst du nicht die richtige Antwort bekommen (Swami Chidananda). Das Leben, das in seiner Essenz sehr einfach ist, wird oftmals dadurch komplex, wenn man mit falschen Voraussetzungen beginnt.

Die richtige Haltung ist :

  • Gott allein ist
  • Brahman allein ist – ohne ein Zweites

Auch du bist dieses Brahman! Wie wir sind, hängt von unserer Wahl ab. Letztendlich ist alles nur eine Rolle. Auch wenn wir heilig geworden sind und die Geheimnisse des Universums verstehen, dann spielen wir die Rolle des Heiligen. Wenn wir unser Leben darauf aufbauen, werden wir in Frieden sein – in absoluter Einfachheit. Wenn unsere Seele sich als individuelle Seele empfindet und als getrennt vom Universum, dann ist es egal, wie viel Yoga du praktizierst; du wirst in Aufruhr sein.

Die einzige Heilung ist, die Grundeinstellung richtig zu stellen – das ist der Grund des spirituellen Lebens. Gut sein und Gutes zu tun kann unser Leben um vieles verbessern – aber in letztendlicher Konsequenz werden wir keine Lösung finden für unsere unterschwelligen Zweifel. Jedes Problem kann nur gelöst werden, indem wir es zurückbringen zur richtigen Haltung: „Gott allein ist. “ Mit diesem Denken kannst du alle Probleme lösen. Kämpfe entstehen, weil jeder meint, er sei das Zentrum des Universums.

Dharma – Gottes Wille

Wenn alles eins ist, ist in letzter Konsequenz alles, mit dem ich zu tun habe, auch »ich«. Wie verhalte ich mich also dann anderen gegenüber? Wir sind in Wirklichkeit immer DAS, was beobachtet, ohne zu werten, ohne zu richten –  immer im Frieden, ohne andere zu kritisieren. Unverändert, von Geburt bis Tod. Wir haben offensichtlich die Wahl: Soll ich im Dienste meines Egos leben oder soll ich leben, damit sich das manifestiert, was sich niemals verändert? Das, was automatisch andere so behandelt, wie es selbst behandelt werden möchte…

Aus dem Inneren heraus zu leben bedeutet, das eigene Dharma zu leben.

So folgten in den folgenden Tagen immer wieder inspirierende Vorträge.

Im nächsten Teil (Teil 7) wird es mit den spannenden Tagesberichten von Vani Devi weitergehen.

Alle Teile dieser Reisebericht-Serie werden nach und nach auch unter folgendem Schlagwort zu finden sein:

 

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