Surya Namaskara – Der Sonnengruß: Mehr als eine Aufwärmübung?

Der Sonnengruß ist für Yoga-Neulinge oft eine große Herausforderung und nach längerer Yogapraxis nicht selten Automatismus. Dabei ist der Sonnengruß so viel mehr und wir können – bei achtsamer Ausführung – großen Nutzen aus dieser Praxis ziehen. Dazu ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, was der Sonnengruß eigentlich ist – nämlich ein eigener Übungsweg, ein eigenständiges Sadhana.

Fast jede Yogastunde beginnt mit dieser Aufwärmübung, dem Sonnengruß, einen unabdingbaren Teil unserer Praxis. Dennoch scheint es so, dass einigen Yogis der Sonnengruß schon fast langweilig geworden ist, sie Stellungen und Übergänge unachtsam und geistesabwesend ausführen.

Und sogar die Lehrenden scheinen teilweise gelangweilt – rattern den Sonnengruß entweder unachtsam herunter oder peitschen sogar ihre Schüler in einem wahnsinnigen Tempo durch die Übungen, von dem glauben, sie würden dann schneller warm werden. Doch es hat sehr gute Gründe, dass der Sonnengruß einen so großen Stellenwert in der Yogapraxis hat und mit Achtsamkeit geübt werden sollte.

Herkunft und Symbolik des Sonnengrußes

Surya Namaskara bedeutet übersetzt “Verneigung vor der Sonne”. Es gibt Überlieferungen, die zeigen, dass diese Praxis schon über 5000 Jahre alt ist. Die Sonne bedeutet für uns Wärme und Licht. Ohne sie wäre das Leben auf unserem Planeten nicht möglich.

Die Sonne kann außerdem im übertragenen Sinn für unser Bewusstsein stehen sowie für unsere Verbindung oder unsere Einheit mit dem Göttlichen. Rufen wir uns also vor dem nächsten Sonnengruß in Erinnerung, dass wir uns vor etwas sehr Verehrungswürdigem verneigen. So kann das Sonnengebet gleichzeitig zum Bhakti-Yoga werden.

Der Sonnengruß bringt uns in Einklang mit den natürlichen Rhythmen des Universums: 12 Monate, 12 Tierkreiszeichen im Jahr, 24 Stunden an einem Tag. Schwingt unser System synchron mit den natürlichen Biorhythmen, leben wir im Einklang mit dem Universum. Dies wiederum verhilft uns zu einer natürlichen Fülle im Leben.

Geistige und energetische Wirkungen des Sonnengrußes

Surya Namaskara

Die zwölf Asanas der Übungsabfolge werden fließend und in Synchronisation mit der Atmung ausgeführt. Wird Surya Namaskar in einer Gruppe geübt, kann durch die synchrone Atmung eine schöne Gruppendynamik entstehen. Gleichzeitig kommen Körper, Geist und Seele in Einklang und die Praxis wird zur Meditation in Bewegung. Der Geist wird klar und frisch.

Auf unser Energiesystem hat Surya Namaskara eine aktivierende Wirkung. Es bringt die Sonnenenergie in Pingala-Nadi zum Fließen und verhilft bei regelmäßiger Praxis dem körperlichen und geistigen Energiesystem zu Ausgewogenheit.

Körperliche Wirkungen

Natürlich hat das Sonnengebet auch viele körperliche Wirkungen. Es dehnt und kräftigt nicht nur die wichtigsten Muskeln des Körpers und lockert die Gelenke, sondern regt auch die Organe und den Kreislauf an und fördert somit eine gesunde Verdauung.

Wirkungen der einzelnen Stellungen im Sonnengruß

Pranamasana (Gebetshaltung – pranam bedeutet respektvolle Verneigung)
Sich sammeln, zur Ruhe kommen, Konzentration aufbauen
Chakra: Anahata

Hasta Utthanasana & Urdhva Hastasana (Arme nach oben strecken & leicht zurück beugen)
Dehnung des Unterleibs, Streckung der Wirbelsäule
Chakra: Vishuddha

Padahastasana/Uttanasana (stehende Vorwärtsbeuge)
Dehnung der Körperrückseite, Verneigung vor der Sonne oder dem spirituellen Bewusstsein
Chakra: Swadhisthana

Ashwa Sanchalanasana (Reiterstellung, Sprinter)
Dehnung der Hüftbeuger und der vorderen Oberschenkelmuskeln (Quadrizeps), Ausgleich des Nervensystems
Chakra: Ajna

Phalakasana (Liegestütz)
Kräftigung der Arme, Schultern und Bauchmuskeln, Verbindung mit der Erde
Chakra: Muladhara

Ashtanga Namaskara (Verneigung mit acht Punkten)
Kräftigung der Bein- und Armmuskulatur, Öffnung der Brust
Chakra: Manipura

Bhujangasana (Kobra)
Kräftigung der Rückenmuskulatur und des Sägemuskels, Öffnung im Brustraum
Chakra: Vishuddha, Swadhisthana

Adho Mukha Svanasana (herabschauender Hund)
Dehnung der Beinrückseite, Kräftigung der Körpervorderseite, vor allem der Schultern, der Kreislauf wird angeregt, Bereich zwischen den Schulterblättern wird aktiviert
Chakra: Muladhara

Tadasana (Berghaltung)
Dehnung der gesamten Körperrückseite, Verbesserung der Körperhaltung, Stärkung der Rückenmuskeln, Entlastung der Wirbelsäule und der Hüften
Chakra: Muladhara, Sahasrara

Wann und wie übe ich den Sonnengruß am besten?