Sich selber leben

* von Satyadevi Bretz

Hast du dich schon mal gefragt, ob du dich selber lebst? Oder lebt irgendjemand oder irgendetwas durch dich hindurch? Das sind große Fragen des Vedanta, dem Yoga der Philosophie.
Geprägt von Eindrücken, Erziehung, Familie und Freunden, Büchern und Filmen, entwickeln wir unser scheinbares Selbst mit den verschiedensten Mustern. Wie sieht dein Muster aus?

Lebst du dein Leben? Erheben dich die Menschen in deinem Umfeld oder ziehen sie dich eher runter?

Aufbruch in die Freiheit

Wenn wir uns selber leben, schöpfen wir aus unserer eigenen Quelle. In ihr ist ein unermessliches Potenzial. Wir können Vieles bewirken und bekommen den Raum dafür. Alles, was im Leben geschieht, seien es auch Schicksalsschläge, sind Sprungbretter in deine Freiheit. Wenn du erst mal bei ihr angekommen bist, heißt es nicht, dass alles einfacher ist, aber du lebst aus dir selbst heraus. Du bist dir deines Selbst bewusst und gleichzeitig selbstbewusst! Du bist der/ die Handelnde, aber gleichzeitig der/die stille Beobachter/in, der/die die Zusammenhänge des Lebens erkennt und meistert. Deine Intuition führt dich gemeinsam mit deinen geistigen Helfern in deine Lebensthemen und hilft dir, sie zu meistern. Sich selbst zu leben heißt auch, sein Karma abzuarbeiten und aufzulösen. Und ganz wichtig:

Wir dürfen auch unsere Träume leben! Hast du noch irgendwelche Lebensträume? LEBE SIE!

Ablenkungen

Nachrichten, Filme, Bücher, Klatsch und Tratsch können große Hindernisse auf dem Weg zu dir selbst sein. Du brauchst dich nicht ganz von der Welt abzuwenden, doch vergeuden viele Menschen viel zu viel Zeit mit Problemen und Schicksalen anderer und vergessen dabei, ihr Leben zu leben. Schon gleich beim Eintreffen auf der Arbeit wird über die letzte Sendung im Fernsehen gesprochen oder über den aktuellen Buch-Besteller oder über die Arbeitskollegin, die jetzt mit einem jüngeren Mann zusammen ist usw. Wo bleibt das Wesentliche im Leben, wo die Vergeistigung, wo die grenzenlose Kreativität und wo die Stille …?

Suche den Schatz in dir

Wenn du von oben auf einen See herunterschaust, siehst du nur die Wellen. Sie sind aufregend und du kannst dich auf ihnen bewegen. Doch sie machen mit dir, was sie wollen, und du erkennst nicht, was für ein wertvoller Schatz auf dem Grund strahlt.

  • Die erste Erkenntnis ist: Da ist ein See.
  • Die zweite Erkenntnis ist: Da sind Bewegungen.
  • Die dritte Erkenntnis ist: Ich bin nicht die Wellen (Gedankenwellen).
  • Die vierte Erkenntnis – bei Gedankenruhe – ist: Dieser Schatz, dieses Strahlen auf dem Grund bin ich.

Wie bringe ich meinen See zur Ruhe?

Wir haben diverse Muster und sind Meister/innen in Ablenkungen. Wir tun alles, um nicht in den Spiegel zu schauen. Doch eines Tages kommen sie, die lieben Herausforderungen und Lebensthemen. Durchleben wir sie bewusst?

Es erfordert am Anfang sehr viel Mut, sich selbst in die Augen zu schauen. Bis man zum Selbst durchdringt, gibt es diverse Emotionen, Ängste oder Zwänge. Je mehr ich mich im Leben ablenke, umso mehr weiß ich, dass ich nicht bereit bin, mich selbst zu leben. Bringe deinen See zur Ruhe, indem du erst mal anfängst, ruhiger und bewusster zu atmen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass wir uns mit unseren Ängsten und Unannehmlichkeiten intensiv auseinandersetzen müssen. Einfacher und angenehmer ist es, neben unseren Ängsten und Herausforderungen ein Pflänzchen der Tugend zu kultivieren. Irgendwann ist es so groß, dass es die Unannehmlichkeiten in unserem Leben überragt. Die Ängste lösen sich dann oft von selber auf. Somit wird der See automatisch ruhiger.

Tägliche Meditation und tägliches Reflektieren unserer Handlungen ersparen so manchen Nachwind.

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu deinen Worten. Achte auf deine Worte, denn sie werden zu deinen Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu deinen Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Schicksal!

Ein Satz aus dem Talmud sagt:

Dort, wo du deine Energie hin ausrichtest, das nährst du in dir.

Beuge schon vor, indem du Gedankenhygiene betreibst. So bekommt deine Intuition immer mehr Raum und dein Leben fühlt sich immer geführter und immer freier an, durchdrungen von Liebe, Verbundenheit mit dir und dem ganzen Sein.

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Satyadevi Bretz

verhilft in ihren Klangyogastunden und Klangreisen Menschen, ihr Innerstes zu spüren. In ihren Natur-Workshops, Seminaren und Ausbildungen kannst du dich auf mystische Weise verzaubern lassen. Satyadevis besondere Fähigkeit ist es, Menschen zu tiefen spirituellen Erfahrungen zu führen.

 

Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 38.

12 Kommentare zu “Sich selber leben

  1. Ruth Dischlatis

    Die Wahrheit sucht das Licht….ich wundere mich nicht mehr,und Gegenstellungen unter einen Hut bringen…wie Tag und Nacht…
    Aufmerksamkeiten ausrichten auf Wuensche und Dankbarkeit ,da ist deine energie und es wird mehr…
    Ruth

  2. Ja, es gibt keine Zufälle. Alles ist determiniert. Wie können wir dann glauben, dass wir unsere Gedanken selber produzieren. Doch irgend wo im Verborgenen finden wir dann dieses Quentchen was uns ausmacht. Wir berühren es zärtlich damit es uns nicht abhanden kommen. Heben den Schatz der auf dem Grunde funkelt. Danke für diese erinnernden Worte. LG Marina

  3. Ines Lehmann

    Liebe Satyadevi, vielen Dank für Deine inspirierende Worte! Was meinst Du mit dem Pflänzchen der Tugend konkret?

    Liebe Grüße!

  4. Danke für diesen inspirierenden Artikel. Ich liebe es, still zu sein, in mich hinein zu horchen u immer wieder zur tiefen Atmung zurückzukehren- diese Atmung verschafft tiefe Entspannung u macht mich zufrieden mit mir selbst. Dieser Artikel hat mich wieder neu bereichert u mir bestätigt, dass Fernsehen u Tageszeitungen Zeitverschwendung sind, die ich schon lange nicht mehr gebrauche u auch nicht vermisse! Ich liebe solche Artikel, wie deinen!

  5. Liebe Satyadevi,
    auch ich finde Deinen Artikel sehr schön! 🙂 Es ist auch schon viele Jahre meine Übung. Den See ruhig werden lassen und in die Tiefe schauen können, das gelingt mir schon sehr gut, glaub ich. Ich würde auch sagen, ich habe mein Selbst dort gefunden und kennen- und lieben gelernt. Im Moment geht es bei mir, glaube ich, um den Ausdruck dessen, was ich in mir gefunden habe, im Außen. Da weiß ich noch nicht genau, wo es hingehen soll. Insbesondere die Frage, wie kann ich MEIN echtes Leben damit vereinen oder verbinden, in dieser Welt meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Letzteres konnte ich bisher gut, ich bin Ärztin. Aber dieser Job ist zumindest so, wie er in Deutschland mittlerweile überwiegend gelebt wird, nicht MEIN Leben. Ich war nie wirklich glücklich damit.
    Also Danke Dir, dass Du mich durch Deinen Artikel gerade wieder daran erinnert hast! 🙂 Genau zum richtigen Zeitpunkt, wo ich versuche meine Kräfte (neu) auszurichten 🙂
    Liebe Grüße an Dich! Janina

  6. Christoph

    Danke für diese Worte.
    Ich kultiviere seit langem eine Vermeidung von Ablenkungen. Leider fassen die Menschen in meiner Umgebung das als etwas negatives auf, da ich mich nicht um jede Kleinigkeit sorge und ihr nachhänge. Aber mir geht es damit besser und ich kann meine Energie auf die Erreichung meiner Ziele verwenden.

  7. Rita Lüdecke

    Was für ein toller Artikel. Bin total begeistert. Wie wahr.

  8. Gabriele Angermeier-Mendes

    Liebe Satyadevi, ich bin heute Morgen aufgewacht: Sonntag-strahlend blauer Himmel. Habe mir Zitronenwasser gemacht und mich mit meinem Handy (Ablenkung?!) auf’s Sofa gesetzt. Das erste was mir beim Checken meiner Emails in die Hände fiel, war Dein Artikel. Vielen Dank dafür. Kein Zufall- eher Synchronität der Dinge. Im Prinzip lenke ich mich den ganzen Tag ab. Lese viel, sehe ausgesuchte Sendungen im Fernsehen, bin am Handy, Tablet, im Sein einfach nur auf dem Sofa…und überlege wo fängt Ablenkung an…ist es in gewisser Weise nicht alles was ich tue? Auch der Haushalt etc? Das fragte ich mich nachdem ich Deinen Artikel gelesen habe. Und bin zu meiner Antwort gekommen: alles was ich bewusst und gerne tue, wenn es mich bereichert, ist keine Ablenkung. Aber…ich lese auch gerne und viel..ich werde darüber nachdenken inwieweit es denn Ablenkung ist, auch wenn ich es gerne tue… Vielen, vielen Dank für Deine Anstöße und dass Du deinen Artikel Yoga Vyda zur Verfügung gestellt hast, liebe Grüße Gabriele💥

  9. Ein sehr schöner Text! Satyameva jayate! – Allein die Wahrheit siegt! Vielen Dank!

  10. Kornelia Hanke

    Danke, liebe Satyadevi, für die Inspiration. Genau das übe ich jeden Tag und es gelingt mir immer besser. <3

  11. Valentina Schnaider

    Herzlichen Dank!

  12. Satyavati

    Dankeschoen.

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