Die Gedankenwelt und ihre Auswirkungen

Gedankenwelt, Licht, Optimismus, Mindset, Einstellung

Laut Yoga nimmst du Dinge nicht nur über die physischen Sinne wahr, sondern auch über deine Gedanken. Man könnte sagen, dass du von der Gedankenwelt beeinflusst wirst.

Ein Artikel von Sukadev Bretz


Es gibt Gedankenfelder, die eine besondere Kraft haben. Wenn du zum Beispiel in einen Ashram gehst, wirst du feststellen, dass du dort eine besondere spirituelle Kraft erfahren kannst und dir erhabene Gedanken kommen. Bist du mit sehr aggressiven Menschen zusammen, dann merkst du, dass du davon beeinflusst wirst. Wenn du in einen Raum kommst, wo lauter depressive Menschen sind, musst du aufpassen, dass du davon nicht stark beeinflusst wirst.

Umgekehrt haben deine Gedanken auch eine Auswirkung. Wenn du einen positiven Gedanken hast, einen Gedanken des Friedens, strahlt ein Friedensgedanke in die Welt aus. Im Yoga wird angenommen, dass es eine starke Lichtkraft in der Gedankenwelt gibt. Wenn viele Menschen friedvolle, lichtvolle, mitfühlende
Gedanken haben, so hoffen wir, dass diese Gedanken sich in Ereignissen der physischen Welt sammeln für eine friedvollere Welt.

Befreie uns von Selbstsucht, Gier, Zorn und Hass

Leider scheint es so, dass Gedanken des Hasses mehr werden. Mir erscheint es, als wären es noch sehr viel mehr als noch vor zehn Jahren. Vor einigen Jahren haben wir bei Yoga Vidya überlegt, ob wir in dem “Allumfassenden Gebet”, wo steht “Befreie uns von Selbstsucht, Gier, Zorn und Hass” vielleicht nicht einfach “Hass” weglassen sollen, weil wir gedacht haben, dass kaum ein Mensch heutzutage noch Hass kennt.

Leider muss ich sagen, dass es diese Diskussion über die Veränderung des Gebets nicht mehr gibt, denn
in der Welt als Ganzes gibt es viel Hass. Die Hoffnung ist natürlich, dass diejenigen, die Yoga üben dieses Gefühl nicht oder nicht mehr kennen, aber wir als Menschheit, als Ganzes, haben leider solche Gedanken.

Wenn viele Menschen Hassgedanken haben und Gedanken der Intoleranz, schafft das ein negatives Energiefeld und dieses kann manche Menschheitsverführer mit Energie versorgen und diese
können dann Schlimmes tun. Oder diese negative Gedankenwolke kann sich in der physischen Welt manifestieren als Katastrophe, Krieg, Naturkatastrophe.

In diesem Bewusstsein wollen wir keine Angst kultivieren, denn Angst erzeugt auch keine guten Gedanken, sondern Gedanken von Licht, Liebe, Frieden, Verständnis, Einfühlungsvermögen verbreiten. Unsere Gedanken sind nicht nur wichtig, weil sie unseren physischen Körper positiv beeinflussen oder unsere Stimmung, sondern auch, weil wir damit etwas Positives bewirken.

Ereignisse werden auch von einer höheren Warte aus geschickt. Man könnte sagen, von Atman oder vielleicht eher noch von der Karana Sharira, der Kausalwelt.

Gedankenwelt, Licht, Optimismus, Mindset, Einstellung

Es kommen Dinge in diese Welt, an denen wir wachsen können. Es kommen Dinge, die uns die Erfahrungen geben, die wichtig sind, damit wir lernen können. Was auch immer kommt, hat man vielleicht
selbst beeinflusst, es sind Ereignisse, die von einer höheren Warte, erziehungsmäßig für uns gut sind oder sie sind von der Gedankenwelt, den Gedanken von uns und anderen, beeinflusst worden.

Öffne dich für Atman mit Hilfe von spirituellen Praktiken

Atman ist unser wahres Selbst, unser höheres Bewusstsein. Wir wollen uns öffnen für Atman, wir wollen durchlässig werden, also müssen wir unser Ego zur Seite stellen. Wir müssen auch vorübergehend unserer Vernunft, unserem Buddhi eine Pause geben und dann erfahren wir Inspiration und Intuition zum Beispiel in der Meditation oder in den spirituellen Praktiken von Asanas (Körperübungen) und Pranayama (Atemübungen), in der Tiefenentspannung oder auch zwischendurch.

Vielleicht sogar, wenn wir ein Gebet sprechen, uns an eine höhere Wirklichkeit wenden, uns ganz offen und ruhig machen und schauen, ob wir eine Inspiration bekommen.

In Verbindung mit Ishvara, Gott, könnte man sagen, dass Inspirationen nicht nur von Atman, vom Selbst, kommen sondern von Ishvara, von Gott. Man könnte es auch so sehen, dass Ishvara, Guru und Atman alle Ausdruck der einen höchsten Wirklichkeit – Brahman – sind.

Gedankenwelt: Die Rolle von Buddhi

Der Mensch ist besonders gekennzeichnet durch Buddhi, die Vernunft, den freien Willen. Der Mensch hat das Potenzial, nicht einfach eine Reiz-Reaktions-Maschine zu sein oder eine Gewohnheitsmaschine. Es gibt so viele Menschen, die, wenn man die richtigen Knöpfe drückt, vorhersehbar reagieren. Der Mensch hat aber die Fähigkeit, das eben nicht zu machen.

Du musst nicht

  • sofort reagieren, wenn dich jemand schief anschaut.
  • sofort etwas kaufen, nur weil du diesen Wunsch hast.
  • direkt wegrennen, nur weil du vor etwas Angst hast.
  • das weiter machen, was du bisher gemacht hast.

Du kannst überlegen, warum du es machst und was du machen könntest, um dich spirituell zu entwickeln, um Gutes zu bewirken. Buddhi ist also ein Schlüsselbegriff.

Der zweite Schlüsselbegriff ist Atman, das höchste Selbst und auch die Inspiration. Manchmal gilt es, sich loszumachen, zu öffnen und um Führung zu bitten, Inspiration zu bekommen. Dann brauchst du aber wieder die Buddhi, die das interpretiert und schaut, wie du damit umgehst. Die Buddhi kann Einfluss
haben auf Manas, dein Denken und Fühlen.

Mit der Buddhi kannst du

  • Einfluss nehmen auf dein Chitta, dein Unterbewusstsein. Du kannst deine Vasanas (unbewusste geistige Eindrücke) verändern, du kannst deine Samskaras (Prägungen, Eindrücke) verändern.
  • auch dein Ahamkara, also dein Ich-Gefühl, deine Identifikation bewusst machen und dich dann davon lösen.
  • entscheiden, was du tun willst und wie du das interpretierst, was kommt.
  • sagen, dass du bewusst positive Gedanken haben willst. Du kannst auch sagen, dass du dich von den Gedanken, die aus der Gedankenwelt kommen, nicht beeinflussen lassen willst.

Ein Beispiel

Buddhi analysiert etwas und greift auf das Wissen von Chitta (Unterbewusstsein) zurück und entscheidet entweder, dass es nicht herauszufinden ist, was etwas ist, oder dass zu wenige Informationen da sind oder vielleicht kommst du zu dem Schluss, dass etwas dieses oder jenes sein könnte, zum Beispiel ein Teppichfusel mit einem Stück grünem Blatt.

Dann sagt Ahamkara, welches nun ins Spiel kommt: “Ich weiß, dass es ein Teppichfusel mit einem grünen Blatt ist”. Dann sage ich, dass der Teil vom Teppichfusel korrekt ist, aber dass es kein grünes Blatt von der Pflanze ist, sondern ein Stück von einem grünen Papier. Wenn du dies selbst vielleicht zuvor gewusst hast,
zuvor gedacht hast, dann würdest du dich großartig fühlen, obgleich es keiner weiß und niemand dich dafür lobt. Das Ego, Ahamkara, will nämlich Bestätigung finden.

Das Ego und seine Suche nach Bestätigung

Angenommen, du hast etwas anderes gedacht, vielleicht weißt du, es ist März und es könnte ein Stück von einer Tulpe oder Ähnliches sein, dann bist du vielleicht leicht enttäuscht. Natürlich nur leicht, denn es kommt ja hier auf nichts an. Das Ego identifiziert sich mit dem, was man denkt und fühlt und noch mehr mit dem, was man sagt und tut. Das Ego will Bestätigung haben.

Vielleicht kommt, während du all dies liest, etwas in dein Chitta, so dass du an Blumen denkst, vielleicht weil dir durch den aktuellen Monat oder die aktuelle Jahreszeit diese Idee aus dem Unterbewusstsein kommt. Diese Ideen gehen ins Manas und Buddhi kommt ins Spiel und sagt: “Ja, es wäre gut Blumen zu kaufen”. Ahamkara sagt: “Ich will Blumen haben”. Danach kommt noch Buddhi ins Spiel und sagt “Wie bekommt man sie am besten?”.

Du wirst überlegen, wo es den nächsten Blumenladen gibt, wie du dorthin gelangst usw. Buddhi ist dann auch die praktische Vernunft und die praktische Weise, wie man etwas umsetzt. Aber dann könnte Buddhi auch sagen, dass Blumen eher in der Natur schön sind, und sich für einen Spaziergang entscheiden und die Blumen genießen, ohne etwas kaufen zu müssen.

Anregungen

Das Modell des Geistes hat also viele verschiedene Aspekte. Es ist ratsam, sich damit etwas zu beschäftigen: Nimm wahr, dass du etwas wahrnimmst. Nimm wahr, dass dabei unterbewusste Eindrücke und damit Identifikationen kommen. Und dann nimm wahr, dass es einen Moment gibt, in dem du entscheiden kannst, wie du auf deine Wahrnehmungen reagierst und welche Gefühle sie auslösen. Das ist Buddhi und in ihr liegt die Freiheit.

Weitere Empfehlungen zum Thema Gedankenwelt

Nutze deine Gedanken positiv. Nimm dir vor, Gedanken des Friedens zu schicken, vielleicht sogar jeden Morgen, wenn du aufwachst, bevor du einschläfst, in jedem Fall vor und nach deiner Meditation und Yoga Praxis. Schick positive Gedanken in die Welt hinein.

Umgekehrt kannst du überlegen, wenn Gedanken in dir auftauchen, ob das wirklich deine eigenen Gedanken sind, oder ob du Gedanken von anderen aufgreifst und du dich davon beeinflussen lassen willst.

Wenn dein Geist irgendwann sagt: “Das will ich haben!”, dann sage nicht “Ich will es haben”, sondern du kannst sagen: “Da ist ein Wunsch in meinem Geist”.

Unterbrich die Identifikation von Ahamkara mit den Wünschen, die in Manas auftauchen, indem du mit deiner Buddhi sagst: “Da ist ein Wunsch in meinem Geist” und nicht “Ich will…”, denn nicht du willst, sondern es ist ein Wunsch aus dem Unterbewusstsein, vielleicht angeregt durch Erfahrung, manifestiert in Manas – und Ahamkara identifiziert sich damit.

Löse dich von der Identifikation

Nicht du hast den Wunsch, sondern da ist ein Wunsch. Noch weniger wünschst du das, sondern da ist ein Wunsch da. Du kannst auch bewusst entscheiden, welche Inhalte du in Manas haben willst, du kannst auch entscheiden, was du anschaust, um dich diesen Jnana Indriya Eindrücken auszusetzen.

Wenn du merkst, da sind Gedanken in deinem Geist, die nicht so schön sind, dann ersetze sie durch andere. Wenn du feststellst, dass bestimmte Dinge, die du tust oder wahrnimmst, einen Einfluss auf deinen Geist haben, der nicht so schön ist, dann überlege, was du stattdessen tun könntest, welchen Eindrücken du dich stattdessen aussetzen könntest.

Öffne dich öfters zu Atman, zur Inspiration

Nimm das Spiel deines Geistes wahr, die Gedanken und Gefühle in Manas und das Unterbewusstsein, das dort hinein spielt, die Identifikationen, die Reiz-Reaktions-Ketten. Sei dir über den Einfluss der Gedankenwelt bewusst. Nutze die Einflussnahme auf die Gedankenwelt und nutze deine Buddhi um Geist, Psyche, deine Gedanken und das, was du tust, zu gestalten.

Gedankenwelt: Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt

Die Welt, in der wir leben, ist zu großen Teilen Kopfsache. Wenn dich also oft bedrückende oder aufreibende Gedanken über die Vergangenheit und Zukunft grübeln lassen, deine Konzentration schnell zerstreut oder immer wieder dieselben Gedankenschleifen plagen: Immer mit der Ruhe, ist alles Training.

Schon die alten Yogis haben sich Gedanken darüber gemacht, wie wir unser Denken willentlich gestalten können und haben diese Disziplin “Raja Yoga” genannt, den königlichen Weg des Yoga. Lerne in Yoga Seminaren und Ausbildungen über die Geda