Parole: Tigernussmilch

Pflanzliche Milchersatzprodukte gibt es zuhauf. Es ist also nicht zwingend notwendig, dass ich euch das Rezept eines Getränks vorstelle, nach dem ich 25 Jahre gesucht hatte – aber ein inneres Bedürfnis. Denn es ist sooo lecker. Dazu ist es gesund, vegan, glutenfrei und natürlich sattwig. Und als wäre das nicht schon genug, es trägt, u.a., den tollen Namen Tigernussmilch.

Tigernuss. Tikkanuss?

Stell dir vor, 1990, Sommer in Berlin. Du bist grade 18 Jahre alt und das erste Mal in Berlin. Seit Tagen bist du Nachts im Osten der Stadt in irgendwelchen, zu Elektro-Musik-Kneipen umgemodelten Läden unterwegs, trinkst Bier aus Flaschen, dass da aus dem Kasten verkauft wird, ernährst dich von Döner für 2,50 Mark. Das Gefeiere geht dir langsam an die Substanz, alle Erlebnisse verschwimmen zu einem grauen Teppich. Und dann sitzt du vor einem Laden am Heinrichplatz in Kreuzberg und du siehst Leute etwas genießerisch trinken – eine milchige Flüssigkeit auf gecrushtem Eis.

Du fragst die Bedienung, was das ist. Tigernuss, Tikkanuss? 4 Mark! Egal. Das wird bestellt. Und dann kommt das Glas und kalte, süße, milchige, Leichtigkeit trifft deine verrohten Geschmacksknospen. Das Licht ändert sich, die Farben ändern sich. Wow. Noch ein Glas. Immer noch absurd gut. Deine Bekannten wollen weiter. Du fragst nochmal die Bedienung, wieder undeutlich Tigernuss, Tikkanuss? Du wirst weitergezerrt, ihr müsst noch hierhin oder dorthin, wo ihr dann rumhängt bis es Nacht wird.

Und du lutschst an deiner Zunge und erinnerst dich an den Geschmack. Dir geht es richtig gut.

Tigernussmilch – wo bist du?

Der Geschmack hat mich über die Jahre nicht losgelassen. Den Laden am Heinrichplatz gab es nicht mehr. Ich hab immer wieder Leute aus allen Herren Ländern gefragt. Als es das dann gab, im Internet rumgesucht. Hab Verkäufer in allen möglichen Läden gefragt, nüscht.

Und dann stellt mir 25 Jahre später, inzwischen endlich um einiges weiser, vegan und abstinent, jemand einen kleinen Kannister vor die Nase: Horchata de Chufa, aus Spanien. Und ich denk, ich werd’ bekloppt, das isses. Ohne Witz. Spanien? Bißchen Internet und schau einer an: chufa = Erdmandel `= Tigernuß. Gemahlene Erdmandel steht bei mir im Schrank, zum Backen. Bitte? Wieso heißt das jetzt Erdmandel?

Tigernussmilch, Erdmandelmilch, Horchata de Chufa

Wer auch immer für das Branding verantwortlich ist: wenn man die Wahl hat zwischen Tigernuss und Erdmandel nimmt man nicht Erdmandel. Punkt. Der Name “Tigernuss” leitet sich von der Optik der kleinen, knubbeligen Knollen ab, die an die gemusterte Haut eines Tigers erinnern können. Vielleicht auch, wegen des Kraftkicks, den man davon bekommt?

Der Name “Erdmandel” bezieht sich auf die Form und den Geschmack, beides an Mandeln erinnernd. Sie wachsen in der Erde, daher der Name “Erdmandel”. Beide Namen beziehen sich auf die gleiche Pflanze, Cyperus esculentus, die in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich genannt wird. Im spanischen Sprachraum: chufa.

Der Name Horchata de Chufa soll so entstanden sein:

Als König Jaume I. (1208-1276) sich in Valencia nach dem Kampf gegen die Mauren ausruhte, soll ihm ein Mädchen einen Krug mit Tigernussmilch gereicht haben. Das süße und erfrischende Getränk soll dem König so sehr gemundet haben, dass er begeistert die Worte „això és or, xata“ („Das ist Gold wert, meine Schöne“) ausgerufen haben soll. Von nun an hieß das Getränk „hor-chata“. König Jaume dem I. ging es im 12. Jahrhundert in Valencia genau wie mir 700 Jahre später in Berlin-Kreuzberg!

König Jaumes Energiekick oder was gibt uns Tigernussmilch?

  1. Hoher Ballaststoffgehalt: Tigernüsse haben einen hohen Gehalt an Ballaststoffen, die für eine gesunde Verdauung unerlässlich sind. Sie können dazu beitragen, Verstopfung zu verhindern und ein gesundes Gewicht zu fördern.
  2. Reich an Nährstoffen: Sie sind reich an vielen wichtigen Nährstoffen, darunter Vitamin E und C, Kalium, Zink, Eisen und Folsäure. Diese Nährstoffe sind für viele Körperfunktionen notwendig, einschließlich des Immunsystems und der Herzgesundheit.
  3. Gute Quelle für pflanzliches Protein: Tigernüsse sind eine hervorragende Quelle für pflanzliches Protein, was sie zu einer guten Option für Vegetarier und Veganer macht.
  4. Herzgesunde Fette: Sie enthalten auch herzgesunde Fette, einschließlich ungesättigter Fettsäuren, die dazu beitragen können, den Cholesterinspiegel zu senken und das Risiko von Herzkrankheiten zu reduzieren.
  5. Antioxidanten: Tigernüsse sind reich an Antioxidantien, die dazu beitragen können, Zellschäden zu verhindern und das Risiko von chronischen Krankheiten wie Herzkrankheiten und Krebs zu reduzieren.

Bitte beachte, dass…

  • obwohl Tigernüsse viele gesundheitliche Vorteile haben, sie auch ziemlich kalorienreich sind. Sie sollten daher in Maßen konsumiert werden, insbesondere wenn du grade im Gewichtsreduktionsmodus bist.
  • der besondere Stoff in der Tigernuss, die Phospholipide, sind nur in der naturbelassenen, nicht industriell verarbeiteten Form vorhanden

Rezept Tigernussmilch

Wie alle Pflanzenmilchsorten, kannst du auch diese für deinen Kakao, Tee, Müsli, … oder ähnliches nehmen. Tigernuss hat per Se schon eine leichte Süße.

Zur Horchata de Chufa wird es allerdings erst mit etwas zusätzlicher Süße, die du nicht nur mit Datteln, sondern natürlich auch mit Zucker (ca. 1/2 Tasse) oder Stevia, Ahornsirup, o.ä., zufügen kannst. Auch der Zimt ist unerlässlich, der Zitronenabrieb eine übliche Zutat.

Zutaten:

  • 1 Tasse Erdmandeln
  • 5 Tassen kaltes Wasser
  • 5 Datteln (optional, je nach Geschmack; sind die Datteln sehr fest, weiche sie ebenfalls separat mit etwas Wasser ein)
  • 1 Messerspitze Zimt (optional)
  • Zitronenabrieb (optional)

Außerdem:

  • Mixer
  • Nußbeutel, Käsetuch oder Sieb

Schritte:

Tigernüsse einweichen:

Spüle die Tigernüsse einmal ab und lege sie in eine große Schüssel und bedecke sie mit Wasser. Weiche sie so für mindestens 12 Stunden ein. Besser sind 24 Stunden, dann aber zwischendurch 1x Wasser wechseln. Falls welche oben schwimmen – in den Kompost damit!

Abgießen und Abspülen: Gieße danach das Wasser weg und spüle die Erdmandeln unter fließendem Wasser ab, bis das Wasser klar ist.

Mixen: Gib die Tigernüsse,

die Datteln und

das kalte Wasser

in einen Mixer und mixe sie, bis sie gut zerkleinert sind.

Filtern: Gieße die Mischung, über einer Schüssel oder einem Krug, entweder …

….durch ein feines Sieb: Drücke mit einem Löffel, um so viel Flüssigkeit wie möglich herauszubekommen.

… oder in ein Käsetuch: Drehe und presse den Kloß, bis der Inhalt nichts mehr hergibt.

Ich spüle immer den Mixer kurz aus und gieße die Flüssigkeit wieder hinein. Ist aber nicht nötig!

Abschmecken: füge den Zitronenabrieb und den Zimt hinzu. Wenn du keine Datteln benutzt hast, jetzt auch das Süßungsmittel deiner Wahl einrühren oder durchmixen..

Kühlen: Stelle die Horchata in einem geschlossenen Gefäß für ein paar Stunden (mind. 2h) in den Kühlschrank, damit sie gut gekühlt ist und durchziehen kann. Das ist wichtig!

Servieren: Serviere deine Horchata kalt, gern auf Eis, eventuell mit einer Prise Zimt obendrauf.

Això és or, xata!

Anmerkungen:

  • Den Trester kann man gut zum Backen verwenden.
  • Die Horchata hält sich nur max. 3 Tage im Kühlschrank, deshalb Reste am Besten kurz aufkochen, dann halten sie sich länger!

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