Unterscheidungskraft- Der Weg zur Befreiung Teil 3

Unterscheidungskraft hilft bei der Befreiung

Auf unserem Weg zum Wunsch nach Befreiung kann uns die Unterscheidungskraft einen echten Dienst leisten. In einem Zwei-Schritte-Strategieplan führt sie uns weg vom Materiellen hin zur Freiheit. Diese mächtige Fähigkeit darf nicht fehlen, wenn wir ein glückliches Leben führen wollen. Der alte Meister Manu sagte, es gibt drei Arten von Dingen in der Welt. Wenn wir lernen sie auseinanderzuhalten, kommt der Wunsch nach Befreiung wie von selbst.

Hier geht es zum ersten und zweiten Teil der Reihe.

Im Hatha Yoga begeben wir uns in körperliche Posen, wie den Kopfstand, der uns dabei hilft, eine neue Sichtweise einzunehmen. Jeder neue Standpunkt hilft uns, bessere und informierte Entscheidungen zu treffen. Das passiert auch mit unseren Wünschen. Je mehr wir über etwas wissen, desto eher können wir sagen, ob es nur eine spontane Laune nach Schokolade oder ein tieferer Wunsch dahinter ist. Mit Unterscheidungskraft lässt sich eine ganze Menge spannender Erkenntnisse gewinnen, die uns helfen, besser mit unseren Wünschen umzugehen.  

Drei Dinge

Die erste Art von Dingen sind die, die wir nur während unserer Zeit auf Erden besitzen. Wir kommen ohne Kleidung, Geld oder Handys auf die Welt und verlassen diese auch wieder ohne etwas davon mitzunehmen. Es ist sicher, dass wir nach dem Tod auf der materiellen Ebene alles verlieren. Nicht mal die Aktien oder Omas Kuschelsocken können wir behalten. Vieles davon verlieren wir sogar noch während des Lebens. Ein Feuer und unser Haus ist weg, eine Flut und wir haben keine Papiere mehr. Sukadev erklärt in seinem Buch Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute: „Deshalb sollten wir uns überlegen, ob es sich wirklich lohnt, auf dieser Ebene so viel Energie, Zeit, Gedanken und Gefühle zu investieren.“

Die zweite Art sind die Dinge, mit denen wir kommen, die sich im Laufe des Lebens verändern und die wir dann wieder mitnehmen. In diese Kategorie fallen schon deutlich weniger Dinge. Zum einen gibt es den Charakter und zum anderen das Karma. Beides haben wir schon vor der Geburt und im Leben verändern sie sich einige Male. Wir machen Erfahrungen, lernen dazu und entwickeln uns weiter. Im Idealfall bauen wir Karma ab und gewinnen dadurch an Charakterstärke hinzu. Alles, was wir in diesem Leben an Karma angehäuft haben, nehmen wir dann mit ins nächste Leben nach der Yoga Philosophie.

Unterscheidungskraft hilft, den richtigen Weg zu finden

Die letzte Kategorie beinhaltet nur eine Sache. Etwas, mit dem wir kommen und gehen, ohne dass es sich je verändert. Das einzige, was über alle Leben hinweg gleich bleibt, ist unser wahres Selbst. Im Yoga bezeichnen wir es als Sat Chit Ananda, es ist ewig, ohne Anfang und ohne Ende. Wir können das wahre Selbst nicht verändern und es wird vom Leben nicht berührt. Du kennst vielleicht das Gleichnis der Leinwand. Wie ein Film auf einer Leinwand läuft, spielt sich das Leben auf uns ab, ohne unser wahres Selbst jemals zu berühren.

Verhaftungen lösen

Unterscheidungskraft zu üben heißt, zu erkennen, dass das Leben mit dem Tod endet. Wir kultivieren den Wunsch nach Befreiung durch Unterscheidungskraft quasi passiv. Hast du schon mal intuitiv einen Wunsch gehabt und erst später darüber nachgedacht, um festzustellen, wie unnötig er eigentlich war? Wenn wir uns unsere Wünsche ganz genau angucken und feststellen, dass sie nicht ganz so toll sind, wie wir dachten, verlieren wir wie von selbst das Interesse daran. Sehen wir beispielsweise unseren Lieblingsbonbon auf dem Tisch und merken dann beim näher kommen, dass es die ungeliebte Geschmacksrichtung ist, sind wir enttäuscht und unser Wunsch wird sehr viel schwächer. Viveka hilft uns, wie ein Fernrohr, schon von weitem zu sehen, dass uns Materielles nicht glücklich macht.

Das nächste Mal, wenn du einen Wunsch hast, kannst du ihn dir ganz genau angucken. In welche Kategorie fällt er und wo kommt er her? Wenn du dir alle Folgen der Erfüllung bewusst machst, ist es dann immer noch so attraktiv wie jetzt? Es geht hierbei nicht nur um die ganz großen Wünsche. Die machen natürlich eine Menge aus, weil sie bestimmen in welche Richtung unser Leben gehen soll. Aber auch die kleinen Alltäglichen, nach Essen, einer neuen Yogamatte oder einem guten Film können wir unter die Lupe nehmen. Schau genau hin, was sich dahinter verbirgt und was die Wünsche dir bedeuten.

2 Kommentare zu “Unterscheidungskraft- Der Weg zur Befreiung Teil 3

  1. Danke für diesen tollen Text, Isabelle.

    Herzliche Grüße
    Stefanie

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