Yoga und Aktivismus – was geht?

Laut sein - Über Aktivismus im Yoga

Die Yogapraxis schenkt viel Energie! Doch ist es sinnvoll, diese Kraft im Sinne von „Yoga und Aktivismus“ aktiv in den Alltag und die Gesellschaft einzubringen? Über diese Frage können die Meinungen stark auseinander gehen.

Manche sagen: „Wir sind dazu verpflichtet, uns für das Gute in der Welt einzusetzen.“ Andere sagen: „Yoga ist neutral und soll es auch bleiben.“ Oder ist es am Ende individuelles Dharma – für den einen Menschen ist dies richtig und für den anderen das? Dieser Artikel ist ein Denkanstoß, der auch fragt: Was meinst du?

Yoga und Aktivismus – sich der Einheit bewusst werden

Im Yoga können wir die Einheit von Individuum, Welt und dem Sein in seiner Gesamtheit erfahren. Yoga an sich bedeutet ja Einheit und Harmonie und es ist ein explizites Ziel der Yogapraxis, ein übergeordnetes Einheitserleben zu ermöglichen.

Yoga erweitert also das Bewusstsein, wir können Zusammenhänge klarer erfassen und auch die Rolle, die wir darin spielen, wahrnehmen. Welchen Einfluss hat mein Verhalten auf andere Menschen? Welchen Einfluss hat mein Verhalten auf Tiere? Und welchen Einfluss hat mein Verhalten auf die Umwelt?

Wenn ich wahrnehme, dass mein Verhalten eine Wirkung in dieser Welt hat, tauchen damit auch die Themen der yogischen Prinzipien auf. Also die Themen der Yamas und Niyamas, die eine Orientierungshilfe dafür sind, wie wir uns in diesem Leben auf der Erde idealerweise verhalten sollten. Allem voran steht hier das Prinzip vom Ahimsa – der Gewaltfreiheit, dem Nicht-Verletzen in jeglicher Hinsicht.

Fragen über Fragen

Frau übt sich im Manana

Und so kann die Frage entstehen: Wie kann ich mein eigenes Verhalten so gestalten, dass ich keinen verletzenden Einfluss ausübe? Doch tauchen damit gleich weitere Fragen auf:

  • Inwieweit sollte ich mein Verhalten öffentlich darstellen, um dadurch andere zu inspirieren?
  • Oder sollte ich sogar ein eigenes Projekt ins Leben rufen, das ein sinnvolleres und nachhaltigeres Leben für ALLE auf der Erde ermöglicht?

Doch ist das Einheitserleben, dass sich durch den ganzheitlichen Yoga manifestiert, nicht nur im Kopf und im kognitiven Bewusstsein zu finden. Ist es doch auch ein Gefühl der Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung. Wir sagen ja auch: „Yoga öffnet das Herz!“

Was passiert also, wenn ich diese Verbundenheit wirklich mit dem Herzen fühle? Wenn ich das Leid der Tiere in der Fleischindustrie und der Milchwirtschaft genauso spüre, wie die Schmerzen eines Baumes, der abgeholzt wird oder so vereinzelt steht, dass er über seine Wurzeln seine Baumfamilie nicht mehr erreichen kann?

Ist es da nicht vollkommen nachvollziehbar und selbstverständlich, sich einsetzen zu wollen? Ist es da nicht logisch, sich für nachhaltige Themen und für unsere gemeinsame Welt zu engagieren und die Kraft des Yoga auch dorthin zu lenken?

Also unser ALLER Zusammenleben achtsam, gerecht und friedlich zu gestalten? Verspürst du nicht auch den Wunsch, ein sinnvolles Projekt zu unterstützen oder sogar ein eigenes Projekt ins Leben rufen? Was fühlst du?

Yoga und Aktivismus? Lass mal – Yoga ist doch neutral!

Frau in der Natur macht ein Herz mit den Händen

Es gibt jedoch auch die Sichtweise, dass Yoga ganz neutral sein sollte. Oder noch besser gesagt, dass Yoga einfach neutral ist. Denn schließlich verbinden wir uns im Yoga mit dem universellen Bewusstsein und in diesem gibt es keine Unterschiede.

Dort sind Licht und Schatten gleichermaßen enthalten. Wie könnten wir als Yoginis und Yogis also einen Unterschied machen zwischen einem erstrebenswerten gewaltfreien Verhalten und einem gewaltvollen Verhalten? In letzter Konsequenz sei ja beides das Selbe – alles Brahman.

Yoga als reine innere Transformation

Und so gehe es beim Yoga um die reine spirituelle Transformation, die im Inneren des einzelnen Menschen passiert und für die wir allein verantwortlich sind. Bis dahin und nicht weiter!

Dazu passt es sehr gut, sein Leben dem Yoga zu widmen und wie die „echten“ alten Yogis allein in einer Höhle zu praktizieren. Die materielle, äußere Welt sei schließlich Maya, also Illusion und sollte nicht weiter beachtet werden.

Übertragen auf uns als Yogalehrende bedeutet das auch, dass wir uns also auf das Unterrichten konzentrieren mögen und uns nicht in „äußeren“ Angelegenheiten verlieren. Allerdings stellt sich hier die Frage: Ist ein Yogaunterricht – egal, ob es um Asanas oder Schriften geht – ohne eine zeitgemäße Kontextualisierung überhaupt möglich und sinnvoll?

Im Endeffekt können wir nichts wissen. Stimmt das?

Auch existiert das Totschlagargument: „Wie sollten wir als Menschen in der Dualität denn auch wissen, was erstrebenswert ist und was nicht?“ Im Endeffekt können wir wohl nicht wirklich wissen, was richtig und was falsch ist. Und so kann es wahrscheinlich sein, dass eine Handlung jeweils komplexer ist und sowohl „richtige“ als auch „falsche“ Aspekte aufweist. Oder?

Yoga und Aktivismus – ist es einfach Dharma?

Aktivismus - Für welchen Weg entscheidest du dich?

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist wahrscheinlich weder das eine vollkommen wahr noch das andere. Manchmal ist es für jemanden richtig, aktiv zu werden und manchmal ist es für dieselbe Person – vielleicht sogar bei dem gleichen Thema – richtig, nichts zu tun. Einmal kann es also der Weg sein und beim nächsten Mal der andere Weg – das dürfen wir an jeder Weggabelung neu entscheiden.

In meinem persönlichen Fall hat mich die Energie der Yogapraxis weiter motiviert, mich für den Schutz von Urwald in Deutschland mit einem eigenen Projekt einzusetzen. Doch darf ich dazu sagen, dass ich dieses Bedürfnis auch schon aus meiner Zeit vor der Yogapraxis von mir selbst kenne.

Und so hat Yoga mir noch mehr Klarheit über meine Motivationen geschenkt und die Energie bereitgestellt, konkrete Schritte im Rahmen von Waldschutz ganz pragmatisch anzugehen.


Wenn dich mein Projekt interessiert, schau gern mal auf die <