Ayurveda: Wie bleibe ich im Winter in Balance?

Kala (काल, kāla) bedeutet Zeit – ohne Anfang und ohne Ende. Unendlichkeit. Kala ist Göttlichkeit. Sie folgt der gesammelten Wirkung von Handlungen aus der Vergangenheit. Sie transformiert Sonne, Mond und die Pancha Mahabhuta (die fünf Elemente). Sie ist die Ursache für Geburt und Tod aller Lebewesen. Sie ist der Grund für die Stärke und die Störungen der Doshas, des Körpers.

Für ein gesundes Leben sind die Zeit und besonders die Jahreszeiten von Bedeutung. Nach den ayurvedischen Schriften ist ein lebenslang gesundes Leben nur möglich, wenn wir unsere Lebensweise an die Jahreszeiten anpassen.

Sonne, Wind und Mond sind verantwortlich für das Erscheinen von Zeit, Jahreszeit, Dosha und der Stärke des Körpers. Je nach ihrer Dominanz in der jeweiligen Jahreszeit wirken sie sich unterschiedlich aus. Im Winter erreicht der Mond seine volle Stärke, im Sommer die Sonne bei einem besonders rauen Wind. Auch auf den Geschmack haben die Jahreszeiten einen großen Einfluss. Es dominieren jeweils sechs verschiedene Geschmacksrichtungen in der Natur: bitter, adstringierend, scharf, sauer, salzig und süß.

Anders als in Deutschland wird das Jahr im Ayurveda klassischerweise in sechs Jahreszeiten eingeteilt: Basanta, Grishma, Varsha, Sharada, Hemanta, Shishira. Die ersten drei sind als Adana Kala bekannt und dem deutschen Sommer und Herbst gleichzusetzen. Die restlichen drei werden als Visarga Kala bezeichnet, die dem deutschen Winter und Frühling entsprechen. Hemanta und Shishira fallen in Deutschland ungefähr auf die Zeit vom 15. November bis zum 15. März und prägen somit die Wintersaison.

Während der kalten Jahreszeit wird Agni vom Körper konserviert. Somit ist der Körper in der Lage auch größere Mengen zu verdauen und kann sogar gut Nahrungsmittel verstoffwechseln, die von ihrer Natur aus schwer sind. Wenn Agni während der Winterzeit nicht genügend Nahrung bekommt, dann kann es die körperliche Essenz aufnehmen und das Vata-Dosha weiter erhöhen. Daher sollte man im Winter salzige, süße, saure und gesalzene Speisen verwenden.

Auch fermentierte Kräuterpräparate wie Asava und Arista werden in den klassischen ayurvedischen Schriften erwähnt. Diese sollten während der Winterzeit als Tee zubereitet werden. Weitere winterliche Nahrungsmittel sind neue Getreidearten wie Reis, Weizen, Hülsenfrüchte und Rohrzuckerprodukte. Dazu kommen Öle, deren Konsum in der kalten Jahreszeit erhöht werden sollte, da das starke Agni sie braucht. Wasser sollte während des Winters ausschließlich warm getrunken werden.

Auch regelmäßige ayurvedische Anwendungen wie Abhyanga, Lepa, Shiro-Abhyanga, unterirdisches Svedana (Dampf), Sonnenbad, Inhalation von Rauch helfen, die Kälte gut zu überstehen. Generell sollte auf warme Temperaturen in den Wohnräumen geachtet werden, die Bettwäsche sollte aus Wolle oder dicker Baumwolle sein. Wichtig ist, dass in der Winterzeit Speisen vermieden werden, die das Vata-Dosha erhöhen: Dazu zählen leichte Speisen, kalte Getränke und Eiscreme. Bei Spaziergängen oder anderen Aktivitäten in der freien Natur sollte unbedingt starker Wind vermieden werden, da auch er das Vata-Dosha erhöht. All diese Empfehlungen helfen, im Winter in der eigenen Balance zu bleiben und die kalten und dunklen Monate gut zu überstehen.

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Autor: Dr. Devendra Prasad Mishra

Dr. Devendra Prasad Mishra ist Master in der ayurvedischen Medizin und legt seine Schwerpunkte im traditionellen Ayurveda und in der westlichen Medizin. Aufgewachsen im Himalaya ist er besonders dem spirituellen Ansatz und der Naturheilkunde zugeneigt. Dr. Devendra unterrichtet weltweilt Ayurveda, Marma Therapie, Panchakarma Kuren und Phytotherpie. Außerdem leitet er eine Ayurveda Praxis in Rishikesh, die Kewalya Nature Care Society und ist seit März 2020 auch Teil des Centers of Excellence Ayurveda vegan bei Yoga Vidya, wo er dauerhaft Konsultationen und veganes Pancha Karma anbietet. Davor war er in Deutschland und Frankreich als Arzt tätig.

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