Die Gaben der Heiligen Drei Könige – 3 Inspirationen für Yogis

Krippe mit den Heiligen Drei Königen

Alte Feste neu entdecken kann auch für Yogis spannend sein. An den Heiligen Drei Königen wird traditionell das Erblicken der Niederkunft Gottes durch die drei Könige, Balthasar, Kaspar und Melchior gefeiert. Unvergessen die herzerwärmende Krippengeschichte, in der die armen Leute Maria, Josef und das neugeborene Jesuskind plötzlich ganz königlich behandelt werden.

Besondere Symbolkraft haben dabei die Gaben der Könige, Weihrauch, Mhyrrhe und Gold. Sie lassen kräftige Bilder entstehen, die mich nachdrücklich zu ein paar spirituellen Yoga-Tipps inspiriert haben.

Kurze Erklärung der Drei Heiligen Könige

Das Fest der Drei Heiligen Könige am 6. Januar gedenkt der Bibel nach den Sternendeutern, welche die Ankunft Jesus in den Sternen erblickt haben sollen. Diese sogenannten “magoi” (Magier), können am ehesten als Kundige der Sterne, Astrologie und Angehörige einer Priesterkaste verstanden werden.

Deswegen spricht man auch heute noch von den “Drei Weisen aus dem Morgenland”. Erst im Mittelalter wurden aus den “Drei Magiern” die berühmten “Drei Heiligen Könige” mit den Namen Balthasar, Kaspar und Melchior.

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 2, 2.1-2.2

Nach dem Matthäus-Evangelium machten sich die drei Weisen aus dem Morgenland auf die Reise, um dem Messias, dem neugebornen “König der Juden” und somit Gott höchstpersönlich zu huldigen. So heißt der Dreikönigstag auch ursprünglich “Epihanias”, also das Fest der Erscheinung des Herrn und des Sichtbarwerdens des Göttlichen auf Erden.

Die Symbolik von Gold Weihrauch und Mhyrrhe

So folgten die Heiligen Drei Könige dem Stern von Bethlehem, bis hin zu dem Stall, in dem sich Maria und Josef niedergelassen hatten. Und sie kamen nicht mit leeren Händen. Die Ankunft Jesus feierten sie mit symbolkräftigen Geschenken:

  • Gold – Ein überaus kostbares Metall. Ein Zeichen dafür, dass der neugeborene Jesus als König gilt.
  • Weihrauch – Ein wertvolles Harz, gebräuchlich bei Gottesdiensten, Ritualen und Zeremonien religiöser Zusammenkünfte. Wird als Zeichen für Jesus Rolle als Hohepriester seines Volkes gedeutet.
  • Mhyrrhe – Galt damals schon als Heilpflanze. Damit deutet Mhyrrhe auf Jesus künftige Rolle als “Heiland”, als Heiler der Menschen. Zudem findet sich aber auch die Lesart, dass die Mhyrrhe als Symbol der Sterblichkeit Jesus und als Zeichen für seinen Kreuztod angesehen werden kann. Nach dem Johannesevangelium wird Jesus mithilfe der Myhrrhe einbalsamiert.

König, Heiland, Hohepriester und gleichzeitig auch ein sterblicher Mensch – Die Gaben der drei Weisen aus dem Morgenland umreißen somit auch prophetisch die künftigen Taten in Jesus Leben.

Wie du die Botschaft der Drei Heiligen Könige für dich nutzen kannst

Klar, längst nicht jeder praktizierende Yogi ist Christ. Möglicherweise hast du dich auch bisher nicht eine Unze für das Christentum interessiert. Dennoch entfaltet die Metaphorik christlicher Geschichten eine große Kraft, die uns zu neuen Ideen für unsere spirituelle Praxis inspirieren kann.

1. Gold – Feiere das Leben wie es kommt

Die Heiligen Drei Königen brachten Gold als Geschenk

Gott ist ein König. Ein König ist weise, stark und gerecht – soweit jedenfalls die Idee. Ein im Jnana Yoga sehr fest verwurzelter Gedanke, kommt zu ähnlichen Schlüssen. In allem was existert, steckt Brahman, das Göttliche. So ist auch jedes Ereignis, ob wir es zunächst als gut oder schlecht bewerten, Ausdruck dieser Kraft.

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm […]

Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 2, 2.10-2.11

Letztlich können wir die äußeren Umstände nur sehr begrenzt beeinflussen. Was jedoch vor allen Dingen zählt ist unsere Einstellung dazu. So können wir selbst schlimmste Situationen im Nachhinein als wichtige Lektionen begreifen. Nehmen wir das Leben in Akzeptanz so wie es ist, entsteht daraus Friede. Das ist die Hingabe zum Göttlichen.

Voll in der Annahme – Das Leben akzeptieren

Annahme bedeutet das hinzunehmen, was ist. Aus diesem Grund ist Akzeptanz eine wichtige Tugend für Yogis. Grübeln wir weniger darüber nach, warum das Leben so ist wie es ist (jetzt gerade vielleicht ungerecht oder unbequem?), haben wir Raum, das für uns Richtige zu machen, unabhängig von den Früchten unseres Tuns.

Wie nehmen wir alles so an, wie es ist? Ein ganzer Yogazweig beschäftigt sich mit dem Thema. Im Raja Yoga, dem königlichen Yoga, wird die Beherrschung des Geistes angestrebt. Patanjali gibt uns dazu 8 Stufen bzw. Praktiken mit an die Hand.

Im Grunde genommen handelt es sich dabei aus einer Verquickung von ethischen Grundsätzen, Hatha Yoga Techniken und Meditation. Diese Techniken kannst du mit dem Thema Annahme verbinden:

  • Reflektiere in der Meditation über Annahme und Akzeptanz
  • Nutze Hatha Yoga Techniken zur Selbstreflexion
  • Suche Inspiration in Büchern und Schriften über Akzeptanz
  • Finde deine eigenen Worte und halte fest, warum Akzeptanz ein für dich wichtiger Wert ist

Anstatt zu zaudern, wächst so dein Engagement, anstelle von Grübelei findet sich Tatendrang. Und denk daran: Jede übertriebene Tugend kann zur Untugend werden. Ein wichtiges Gegengewicht zur Akzeptanz ist dementsprechend Skepsis.

Hingabe mit Bhakti

Akzeptanz für das Leben kommt nochmal deutlich neutraler her als Hingabe. Hingabe bedeutet das Leben und seine Ereignisse darin zu segnen, zu feiern und völlig darin aufzugehen. Im klassischen Bhakti Yoga wird so die Hingabe an das Göttliche in all seinen Formen geübt:

  • Kirtans und Mantras – Gesang und Musik öffnet das Herz, schafft Verbindung zu anderen Menschen und macht froh.
  • Rituale – Rituelle Handlungen haben eine hohe Symbolkraft. Liebhaber können sie ihrem Tun eine hohe Sinnhaftigkeit verleihen. Im Yoga werden dazu traditionell Pujas oder Homas veranstaltet. Vielleicht findest du aber auch deine ganz persönliche Darbringungsform.
  • Seva: Bedeutet dem Göttlichen zu dienen, ohne zu verhaften. In Anlehnung auf die drei Könige gibst du aus vollem Herzen, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. So entwickeln wir in Erfolgen keinen übermäßigen Stolz und in Misserfolgen kein dauerhaftes Leid.

Begrenzt auf ein paar Übungen ist Bhakti Yoga natürlich fast schon zu hölzern praktiziert. Es ist auch eine Lebenseinstellung. Erinnere dich daran, alles mit Freude zu machen, ob du nun kochst, arbeitest, Kunst erschaffst oder betest. Siehe das Besondere.

2. Weihrauch – Nutze spirituelle Praktiken

Die Heiligen Drei Könige brachten Weihrauch als Geschenk

Die Gabe des Weihrauchs steht für Jesus als Hohepriester des Volkes. Gott, als transzendente Wirklichkeit, ist Spiritualität, ist sinnhafte Erfahrung. Jede spirituelle Tradition hat dabei eigene Formen und Praktiken gefunden, um genau das erfahrbar zu machen.

Gerade weil es so viele Yoga Praktiken gibt, muss man natürlich abwägen, was genau man üben will. Im Sivananda Yoga wird dabei von den 6 Yogawegen gesprochen. Aber wie finde ich heraus, was zu mir passt? Wie kann ich für mich die passende spirituelle Erfahrung machen?

  • Kläre welches Ziel du mit deiner Yogapraxis verfolgst. Willst du fit werden, oder einfach ein bisschen glücklicher sein?
  • Finde ein richtiges Maß an Zeit. Selbst mit täglichen 20 Minuten Meditation ist schon sehr viel getan.
  • Schau, was dir Spaß macht. Musiker fühlen sich natürlicherweise mehr zum Bhakti Yoga hingezogen, Intellektuelle hingegen favorisieren Jnana Yoga.
  • Learning bei doing! Probiere die 6 Yogawege für dich aus. Ein Gramm

Im Yoga ist tatsächlich für jeden was dabei. Sowohl Sportskanonen, Herzensmenschen, Kreative als auch Kopfmenschen kommen hier auf ihre Kosten.

3. Mhyrrhe – Gedenke der Vergänglichkeit

Die letzte Gabe an Jesus war die Heilpflanze Mhyrrhe. Obwohl er der Sohn Gottes war, ist er vom Tod nicht verschont worden. Der Kreuztod und die darauffolgende Wiedergeburt Jesu, erinnern gleichermaßen an das Konzept der immerwährenden Reinkarnation des Samsara. Eine weitere Chance nach dem Tod. Und dann noch eine und noch eine. Ein tröstlicher Gedanke, lässt er den Tod doch weniger final erscheinen.

Tatsächlich kann es sehr gewinnbringend sein, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Vergänglichkeit, Altern, Vergessenwerden: All das sind Themen, die unausweichlich an den Tod gekoppelt sind. Es ist nur menschlich, dass der Tod uns Angst macht und zu Leid führt. So schreibt auch Patanjali:

[Die] Furcht vor dem Tod ist der fortgesetzte Wunsch zu leben, vor dem sogar der Weise beherrscht wird.

Sukadev Volker Bretz, Yoga Sutra, II-9

Dennoch ist es sinnvoll, sich nicht erst am Lebensende mit dem Tod zu beschäftigen. Spätestens nach dem ersten Tod eines geliebten Menschen, meistens von der Oma oder dem Opa, stoßen wir mit der Nase unangenehm auf diese endgültigste Tatsache in unserem Leben. Daraus können wir immens viel Kraft ziehen.

Die Heiligen Drei Könige brachten Mhyrrhe, Heilmittel und Zeichen für Vergänglichkeit

Wertschätzung für das Leben entwickeln

Verdrängen wir nicht vollständig den Tod eines Angehörigen, so wachsen wir meist sehr bedeutsam dadurch. Haben wir eingesehen, dass unsere Zeit begrenzt ist, können wir begreifen, wie unendlich wertvoll das Leben ist.

Jede einzelne Sekunde, die verstreicht, kommt nicht mehr wieder. Umso wichtiger ist es doch, nicht im Alltagstrott und Automatismen zu verfallen. Insbesondere eine regelmäßige Meditationspraxis kann dabei helfen, unsere Achtsamkeit zu schulen und zu lernen, im Moment zu verweilen.

Fokus auf das Wichtige

Oft sind es doch unsere Lieben, die uns am meisten am Herzen hängen. Verlassen sie das Leben, sehen wir den Kontrast und merken was fehlt. Lachen, Wärme, Liebe und eine tiefgehende Resonanz zu Personen, werden dann wichtiger denn je.

Nimm es als Anlass, dich mit all denen zu verbinden, die dir wichtig sind, wie deinen Freunden, deinem Partner, deiner Familie. Und möglicherweise ist es auch Zeit, alte Konflikte zu begraben, Verletzungen zu vergeben und so im Herzen anstelle von Gram wieder mehr Leichtigkeit Platz zu machen.

Sinnvoll unsere Zeit nutzen

Sehen wir die Begrenztheit unserer Zeit in dem jetzigen Leben, so haben wir die Gelegenheiten, mit unseren Prioritäten aufzuräumen. Anstelle eines ungeliebten Berufes, können wir uns auf eine Tätigkeit umorientieren, die uns wirklich sinnvoll erscheint und erfüllt. Was für die großen Lebensfragen gilt, sollte uns auch im Kleinen beschäftigen.

Welche täglichen Aktivitäten geben mir wirklich Kraft und Freude? Dann finden wir auch die Energie uns von Dingen zu distanzieren, die uns auszehren, seien es tratschende Nachbarn, unseren eigenen übersteigerten Ordnungssinn, oder unserem starken Drang, uns ständig mit sozialen Medien oder Fernsehen zu zerstreuen.

Die Weisheit der Drei Heiligen Könige

Wie wir sehen, können wir besondere Feiertage immer als Anlass sehen, Inspiration und Weisheit für unser eigenes Lebens zu generieren. In diesem Sinne: Feiere das Leben wie es kommt, nutze spirituelle Praktiken und lerne von dem Vergänglichen. Om Shanti.

Seminare

Yoga ist überkonfessionell. Erfahre bei Yoga Vidya Kombinationen von Elementen aus dem Yoga und dem Christentum. Wir ziehen Parallelen und helfen dir, einen tieferen praktischen Zugang sowohl zum Yoga, zu deiner Spiritualität wie auch zu Jesus und seinen Lehren zu bekommen:

Die regelmäßige Meditation ist mit Sicherheit die Königsdisziplin im Yoga. Das Verweilen im Moment kann zur Quelle der Kraft in unseren dunkelsten Stunden werden, zeigt sie doch, das wir mehr sind als unsere Gedanken uns weismachen wollen. Alles zu den Grundlagen der Meditation, Meditationstechniken und Tipps findest du dazu auf dem Yoga Vidya Meditations-Portal:

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